Jahresrückblick 1998
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* Dienstag 29. Dezember 1998

Sportspots 1998

In Sachen Handball verspricht das Jahr 1999 noch spannender zu werden als 1998: Die HSG Singen-Gottmadingen hat sich selbst ein Weihnachtspaket geschnürt und verdientermaßen die Tabellenführung übernommen. Die wird sie in der Rückrunde verteidigen müssen. Ende April nächsten Jahres könnte die Meisterschaftsfeier steigen! In der Verbandsliga, die demnächst aufgelöst wird, kämpfen Ehingen und Steißlingen um „Aufstieg statt Abstieg". Ehingen löste Steißlingen an der Tabellenspitze zuletzt ab. In der Verbandsliga wird das erste Halbjahr 1999 folglich ein Handballkrimi. Ein Krimi aus freilich weniger erfreulichen Gründen ist die Talfahrt der Allensbacher Handballdamen in der zweiten Bundesliga: Trainer Erich Merk hat Mühen, überhaupt noch genügend Spielerinnen auf den Platz zu bringen. Gewonnen hat der SV Allensbach schon lange nicht mehr. Für 1999 will man erst einmal auf dem Transfermarkt an neue Spielerinnen kommen. Denn: In Allensbach hat sich 1998 auch erwiesen, daß Oberligaspielerinnen nicht unbedingt den Anforderungen der zweiten Bundesliga standhalten können.

Der Radolfzeller Squashclub lehrt derzeit der gesamten deutschen Konkurrenz das Fürchten: Als Newcomer haben die Damen in der zweiten Bundesliga 1998 den Spitzenplatz erobert. Und auch die Singener Herren schlagen sich in der zweiten Bundesliga wacker. Nicht zuletzt hoffen sie darauf, 1999 wieder im brandgeschädigten Racketcenter spielen zu können, nachdem sich Radolfzell 1998 als freundlicher Gastgeber erwiesen hat.

Sport und Geld, darüber redet man nicht gerne. Aber ohne Geld würde auch der Sport in der Region lange nicht mehr funktionieren. Der FC Singen, wollte er in die Regionalliga aufsteigen, bräuchte beispielsweise ein Budget von über einer Million Mark. Und der FC Singen hatte auch 1998 keine Alno im Hintergrund wie Pfullendorf. Der FC Singen wie der FC Radolfzell kamen 1998 zwar nicht ins Trudeln, so aber doch in einen finanziellen Engpaß. Weit über 100000 Mark Schulden bedeutet Schuldendienst und das belastet den laufenden Vereinshaushalt, das mußten die FC-Vorsitzenden Oswald Ammon (FC Singen) und Willy Kröhle (FC Radolfzell) der Öffentlichkeit mitteilen. Dem Geld des Radolfzellers Werner Messmer hingegen ist es zu verdanken, daß die Fußballregion 1999 ein neues Turnier sehen wird: Das Werner-Messmer-Turnier wird vom FC Radolfzell ausgerichtet. Teilnehmen sollen Mannschaften aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Zehn Mannschaften sollen nächstes Jahr um den Pokal des Radolfzeller Ehrenbürgers kicken. Der Vorteil für Radolfzell: Das Turnier wird aus der zwei Millionen Mark schweren Stiftung des Radolfzeller Gründers der heutigen Firma TRW, Werner Messmer, bezahlt.

Die Kletterhalle in Schaffhausen, eine der größten in Europa, ist nah und das wirkt sich aus: Die Hilzingerin Nadine Ruh wurde im Herbst Vizemeisterin im Jugendsportklettern. Nadine Ruh ist 13, die Jugendklasse ist eigentlich 14 bis 18 Jahre alt.

Ja, der Singener Radsport hat noch Bedeutung: Helmut Baur gewann im August auf der Radrennbahn in Bielefeld den Deutschen Derny-Titel. Und bei den Senioren und in den jüngeren Jahrgängen konnten auch der Singener Veloclub und der RMSV Mühlhausen überzeugen. Die Straßenrennen der Region waren 1998 von ihnen dominiert. Die „Freizeitfahrer" sind auch zur respektablen Größe geworden: Das Wochenblatt stellte dieses Jahr den Böhringer Dieter Kleiser (41) vor, der 1998 von 14 internationalen Straßenrennen 13 in seiner Altersklasse gewann. Der Ötztalradmarathon (238 Kilometer, 5550 Höhenmeter) war der Höhepunkt der Saison.

Thomas Winkler (Schwimmsportfreunde Singen) ist das Beispiel des Jahres dafür, was ein motivierter Sportler und ein ambitionierter Trainer gemeinsam schaffen können: Mitte Dezember startete Winkler beim ersten Dreiländerkampf für Deutschland. Und, wenn man den Worten seines Trainers Norbert Mayer Glauben schenken darf, dann sind Winklers Leistungen noch ausbaufähig. Das hat man auch beim diesjährigen Hohentwielschwimmfestival gesehen. Nicht zu vergessen Sandra Bühler: Sie schwamm über 100 Meter Freistil der schweizerischen Meisterin Chantal Strasser davon.

In der Rückrunde Anfang 1998 wollten die Radolfzeller Tischtennisherren eigentlich ins Mittelfeld der Oberliga. Jetzt ist man trotz mustergültiger Vereinsführung in die Badenliga abgestiegen. Der stärkste Verein der Region bleibt Radolfzell trotzdem, zumal auch die Damen sich in der Badenliga halten. Aber: Mühlhausen lauert in der Verbandsliga, könnte Titelaspirant im nächsten Jahr werden. Etwas schwieriger haben es die Stockacher in der gleichen Liga: In der Verbandsliga weht im Tischtennis eben bereits ein scharfer Wind. Ein Radolfzeller Tischtennisspieler war es dieses Jahr, der die gesamte Weltelite hinter sich ließ, freilich in einer sehr hohen Altersklasse: Gustav Rey, der für den TTV Radolfzell startet und zur Zeit in Konstanz wohnt, feierte vor wenigen Wochen den Erfolg seines Lebens: Er schaffte auf Anhieb bei den Seniorenweltspielen (Alterklasse der über 70jährigen) im Tischtennis im US-Bundesstaat Utha den Einzel- und Doppeltitel. Feiern durfte Blaugelb Singen dieses Jahr: Zum Jubiläum kam auch die ehemalige Damenmannschaft, die sich bis in die zweite Bundesliga durchgebissen hatte. Mit am Erfolg beteiligt war damals die heutige Radolfzeller Gemeinderätin Lily Müller.

Das Boxen machte 1998 in der Region einen Boxenstop zuviel: Beim BC Singen kündigte zum Ende des Jahres schon wieder ein Vorsitzender, der vierte innerhalb weniger Jahre. Auch von den neuen Boxhoffnungen aus Radolfzell hörte die Redaktion nicht viel. Walter Kellmayer, Singener Boxmanager der ersten Stunde, versuchte mancher in die Pflicht zu nehmen. Er solle die Boxlandschaft wieder zum Leben erwecken. Kellmayer verweist allerdings zu Recht darauf, daß gute Sportler in einer Stadt auch gute Unterstützung brauchen und er eigentlich nicht zur Verfügung stehe.

Nikolaus Hautsch, erfolgreicher Radolfzeller Ruderer, beendete dieses Jahr seine aktive Laufbahn. Björn Spaeter könnte das Gegenteil tun: Nachdem der Wahlwieser eigentlich bei der Weltmeisterschaft in Köln starten sollte, nachdem er Deutscher Meister im Leichtgewichtsvierer wurde, könnte er ein Aspirant für die Olympiade 2000 in Sydney sein. Hoffentlich erwischt ihn da dann kein böser Virus – wie in Köln.

Anatol Hennig

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