Jahresrückblick 1998
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* Dienstag 29. Dezember 1998

Die Kultur-Fabrik

Singen (of). Es ist inzwischen ein sehr wichtiger Bestandteil im kulturellen Alltag unserer Region geworden: Das jährliche Programm bei Greuter Buch und Kunst in Singen. Mit einigen Dutzend Lesungen, Buchvorstellungen, Signierstunden und auch einer ganzen Reihe von Ausstellungen sowie inzwischen auch der Herausgabe von Büchern wie dem hochinteressanten Projekt zu 100 Jahre Singen mit Fotograf Otto Kasper ist Michael Greuter inzwischen ein Faktor für Singen geworden. Manchmal sogar mehrmals wöchentlich wird in die Räume der Buchhandlung geladen und es gibt einen höchst interessanten Effekt: Die Zahl der Veranstaltungen, die hinter den Erwartungen zurückblieben, ist verschwindend gering. Meist muß kurz vor Beginn einer Lesung sogar noch mit zusätzlichen Stühlen nachgerüstet werden. Hier wird ein Nerv der Zeit getroffen, das ist etwas, was das Publikum will. Und Michael Greuter holt beileibe nicht nur "Mainstream" nach Singen. Ein im Grunde genommen kommerzieller Veranstalter wird hier zum Kulturträger. Das ist auch ein Schritt in eine neue Zeit. Das Kulturamt der Stadt Singen hat sich da im gewissen Sinn auf eine "Grundversorgung" zurückgezogen. Akzente setzen inzwischen im kulturellen Bereich andere. Und das ist eigentlich auch gut so. Kultur muß schließlich ja nicht immer etwas mit pädagogischen Inhalten zu tun haben. Kultur kann, und sollte auch "von unten" kommen, Ode eben von der kommerziellen Seite her. So ergibt sich erst die Vielfalt, die Kultur interessant macht. Der Nachteil: Die Zahl kultureller Expermimente hat in Singen in den letzten Jahren drastisch nachgelassen. Dinge, an denen man sich auseinandersetzen kann, die den berühmten Streit hervorrufen, was Kultur oder Kunst sei oder nicht, sind hier schon lange nicht mehr geschehen. Und so gesehen ist hier doch wieder der Mut einer Stadt gefordert, solche Prozesse zu unterstützen. Soviel muß sich eine Gesellschaft leisten können.

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