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Festival
auf dem Berg
Singen
(li). Als sich die Sparkommissare
in Singen über den Kulturhaushalt hermachten, hatten sie
sich hohe Ziele gesetzt: Eine Million Mark laufende Kosten mußten
weggezaubert werden, ohne daß es einen großen Aufstand
des Volkes gab. Das war 1997. Erst einmal verschwand der Amtsleiter
aus dem Personaletat. Dann ging es der Volkshochschule an den
Kragen, die schon vom Landkreis her arg gerupft war. Und dann
gab es auch noch die kulturtreibenden Vereine. Sie sollten am
Ende wieder glücklich sein, weil alles noch nicht so schlimm
wie befürchtet wurde. Das galt auch für die Färbe"
und die Gems", das kommunale Kino Weitwinkel und sonstige
Initiativen, die durch städtische Zuschüsse auch Landesmittel
in die Stadt holen. Da ging ein Aufatmen durch die Stuben der
Kulturideologen: Sie hatten schon einen neuerlichen Kulturkampf
befürchtet und sich dafür gerüstet. Da blieb am
Schluß das Hohentwielfest übrig. Privatisierung, so
lautete einmal mehr das Wundermittel. Nein, nicht gleich den Berg
zum Baugrund für die GVV machen! Aber das Jazzfestival und
alles, was dort oben musikalisch lieb und teuer geworden war,
könnte ja eine Organisation wie das Konzertbüro Konstanz
(KoKo) künftig veranstalten. KoKo wollte, das Regierungspräsidium
lockerte die Naturschutzauflagen und das Hohentwiel-Festival war
aus der Taufe gehoben. Zwei Wochenenden sind zum Kernprogramm
auf dem Hohentwiel geworden. Die Premiere ist gelungen, das Publikum
verhielt sich diszipliniert, ließ die Vögel wieder
rechtzeitig einschlafen. Der mitgebrachte Schlafsack ist hier
oben ebenso out" wie die Flasche Rotwein oder gar der
Plastikkanister im Rucksack. Es ist ein schönes Festival
geworden, das mit Patricia Kaas eine wahre Diva eröffnete.
Korrekturen wird es an den Strukturen des Programms für 1999
geben, dann soll das Festival runter in die Stadt zur Laga 2000.
Rund 200 000 Mark spart die Stadt Singen jetzt am Hohentwielfest
pro Jahr. Darüber sind alle glücklich. Zudem gibt es
jetzt auch einen VIP-Bereich auf der Karlsbastion. Bei einem Glas
Sekt schmeckt auch herbe musikalische Kost den verwöhnten
Prominenten. Neue Publikumsschichten werden erschlossen. Nur der
gute, alte Jazz ist tot. Allerdings nur auf dem Berg.

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