Jahresrückblick 1998
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* Dienstag 29. Dezember 1998

Ein konfliktträchtiges Krankenhausjahr

Radolfzell (he). Kein Jahr ohne Streit im Krankenhaus: Bereits Ende Januar und Anfang Februar hing der Haussegen zwischen Oberbürgermeister Günter Neurohr und Krankenhausverwaltungsleiter Wolfgang Hamerlak schief: Hamerlak stellte auf Anfrage des Wochenblatts dar, daß Helios das Krankenhaus übernehmen wolle und daß er gerne einen Computertomographen im Haus hätte. Neurohr schrieb an Helios und beschwerte sich über Hamerlaks Äußerungen. Im Mai dann kamen die Krankenhausstrukturgespräche: Die Gynäkologie stand dabei in Radolfzell ebenso zur Debatte wie das Schlaflabor. „Die Gynäkologie bleibt", verkündete Bürgermeisterin Isabel Fezer nach den Gesprächen; das Schlaflabor wurde bei den Pflegesatzverhandlungen dann im Herbst eingeschläfert. Oberbürgermeister Neurohr schob die Schuld auch auf Helios. Doch: „Schuld" ist einfach, daß die Kassen am liebsten kein Schlaflabor im Landkreis hätten. Dann kam der Dolchstoß: Wolfgang Hamerlak, der auch 1998 im Krankenhaus öfter hart durchgriff, äußerte sich eindeutig zweideutig nach einer fröhlichen Runde in der Krankenhauskantine. Personalrat und der Oberbürgermeister drehten ihm einen Strick daraus. Im Wochenblattgespräch tat Hamerlak erstmals kund, daß er 1999 Radolfzell verlassen wolle, wenn Helios ihm eine neue Aufgabe gebe. Die „Krone" dann setzte ein Skandal in den letzten Wochen dem Krankenhausjahr auf: Chefchirurg Dr. Wolf-Dietrich Bornholdt vergaß bereits 1996 einen Spatel im Bauch einer Darmpatientin, ließ sich selbst röntgen und versuchte den chirurgischen Fehler zu vertuschen, auch aus Angst um das nach der Hölscher-Affäre frisch erwachende Image des Krankenhaus, wie er sehr betreten darstellte. Eben jetzt - warum ausgerechnet jetzt? - wurde der Fehler an die Öffentlichkeit getragen und weidlich ausgenutzt: Neurohr wollte die Entlassung Bornholdts, Hölscher sei damals auch entlassen worden! Daß Hölscher mehr als 13 umstrittene Fälle „produzierte" und den Ruf des Krankenhauses mehrfach auf die einzigste Karte seines ehrgeizigen Spiels setzte, daß die Entlassung Hölschers die Stadt eine Million Mark gekostet hat und daß Neurohr die Aufklärung des Falls Hölschers massiv behindert hat, hat in Neurohrs scheinbar konsequenter Logik keine Chance. Jetzt ist Bornholdt vom Stiftungsrat abgemahnt worden, das hat Bürgermeisterin Isabel Fezer durchgebracht. Und damit steht die Zukunft des Radolfzeller Krankenhauses zum Jahresende trotz eines komfortablen Umbaus, der 1999 fertig werden soll, in den Sternen, die Oberbürgermeister und Bürgermeisterin dieses Jahr oft sahen, nachdem sie hintereinandergekommen sind.

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