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Ein
konfliktträchtiges Krankenhausjahr
Radolfzell
(he). Kein Jahr ohne Streit im
Krankenhaus: Bereits Ende Januar und Anfang Februar hing der Haussegen
zwischen Oberbürgermeister Günter Neurohr und Krankenhausverwaltungsleiter
Wolfgang Hamerlak schief: Hamerlak stellte auf Anfrage des Wochenblatts
dar, daß Helios das Krankenhaus übernehmen wolle und
daß er gerne einen Computertomographen im Haus hätte.
Neurohr schrieb an Helios und beschwerte sich über Hamerlaks
Äußerungen. Im Mai dann kamen die Krankenhausstrukturgespräche:
Die Gynäkologie stand dabei in Radolfzell ebenso zur Debatte
wie das Schlaflabor. Die Gynäkologie bleibt",
verkündete Bürgermeisterin Isabel Fezer nach den Gesprächen;
das Schlaflabor wurde bei den Pflegesatzverhandlungen dann im
Herbst eingeschläfert. Oberbürgermeister Neurohr schob
die Schuld auch auf Helios. Doch: Schuld" ist einfach,
daß die Kassen am liebsten kein Schlaflabor im Landkreis
hätten. Dann kam der Dolchstoß: Wolfgang Hamerlak,
der auch 1998 im Krankenhaus öfter hart durchgriff, äußerte
sich eindeutig zweideutig nach einer fröhlichen Runde in
der Krankenhauskantine. Personalrat und der Oberbürgermeister
drehten ihm einen Strick daraus. Im Wochenblattgespräch tat
Hamerlak erstmals kund, daß er 1999 Radolfzell verlassen
wolle, wenn Helios ihm eine neue Aufgabe gebe. Die Krone"
dann setzte ein Skandal in den letzten Wochen dem Krankenhausjahr
auf: Chefchirurg Dr. Wolf-Dietrich Bornholdt vergaß bereits
1996 einen Spatel im Bauch einer Darmpatientin, ließ sich
selbst röntgen und versuchte den chirurgischen Fehler zu
vertuschen, auch aus Angst um das nach der Hölscher-Affäre
frisch erwachende Image des Krankenhaus, wie er sehr betreten
darstellte. Eben jetzt - warum ausgerechnet jetzt? - wurde der
Fehler an die Öffentlichkeit getragen und weidlich ausgenutzt:
Neurohr wollte die Entlassung Bornholdts, Hölscher sei damals
auch entlassen worden! Daß Hölscher mehr als 13 umstrittene
Fälle produzierte" und den Ruf des Krankenhauses
mehrfach auf die einzigste Karte seines ehrgeizigen Spiels setzte,
daß die Entlassung Hölschers die Stadt eine Million
Mark gekostet hat und daß Neurohr die Aufklärung des
Falls Hölschers massiv behindert hat, hat in Neurohrs scheinbar
konsequenter Logik keine Chance. Jetzt ist Bornholdt vom Stiftungsrat
abgemahnt worden, das hat Bürgermeisterin Isabel Fezer durchgebracht.
Und damit steht die Zukunft des Radolfzeller Krankenhauses zum
Jahresende trotz eines komfortablen Umbaus, der 1999 fertig werden
soll, in den Sternen, die Oberbürgermeister und Bürgermeisterin
dieses Jahr oft sahen, nachdem sie hintereinandergekommen sind.

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