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Des
OB´s Karriere
Als
Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl vor einigen Jahren dem ORF ein Interview
gab, wurde er gefragt, was ihm in seiner Dienstzeit am meisten
gestunken habe. Da sagte Kohl, da hätte doch so ein junger
Mann aus der Jungen Union ihn glatt zum Rücktritt aufgefordert.
Der gleiche nicht mehr ganz so junge Mann schlug am vierten Advent
1999 wieder zu: Als Mitglied des Bundesvorstands der CDU verlangte
er die Bekanntgabe der Spender vom Altkanzler. Das war wieder
ein Geschoß von Andreas Renner! Und Kohl wird wieder sauer
sein. Dem Neu-Vierziger Renner aus Singen kann es egal sein. Er
hat sich im Bundesvorstand längst als Singener OB etabliert,
hat die Karrierekarte immer wieder ausgespielt: Wahlkampf im Norden,
kräftige Worte am Sonntag in den Adventsnachrichten. Man
bleibt im Gespräch. Seine Realität ist aber Singen.
Und da steht er nach eigenen Worten im Jahr 2001 vor der "l;Vertragsverlängerung"l;.
Und die Wiederwahl nimmt er sehr ernst. Die Gerüchteköche
werden in Singen stiller: Singen gilt längst nicht mehr als
Durchgangsstation einer Karriere. Renner ist zwar inzwischen Landesvorsitzender
der kommunalpolitischen Vereinigung seiner Partei, doch Posten
in Großstädten oder im Kabinett winken nicht. Renner
will die moderne Verwaltung in Singen schaffen, er will mit einer
Modellstadt draußen - auch für sich - werben. Er lebt
oft in Modellen von der Kriminalprävention bis zum Steuerungsmodell
der Verwaltung, das bisher eh keiner kapiert. Der gleiche Renner,
der beim Nachbarschaftswein von sich sagt, er habe privat ein
schweres Jahr hinter sich, lebt in Ideenlandschaften, will ständig
etwas bewegen, auch wenn es gerade dazu nichts gibt. Renner will
Sicherheit (gerade bei Mehrheiten), Renner hasst Unwägbarkeiten,
will Situationen in den Griff bekommen. In sechs Jahren hat Renner
gelernt, seine Verwaltung nach außen zu decken, auch wenn
innen die Hölle los ist. Innen herrschen das »Küchenkabinett«
und Personalchef Staab. Sie sitzen am Tisch des Herrn. Auch wenn
Renner einmal mehr wider den Stachel löckt und sich den Altkanzler
vornimmt. Kohl hat eine ganze Politikergeneration geprägt.
Und auch Renner hat dabei sein Löffelchen abbekommen.
Hans Paul Lichtwald

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