Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Kurz und Bündig

Die Landesgartenschau 2000 kommt. Nicht gelungen ist es trotz langer Terminverkündigungen, dass Ministerpräsident Erwin Teufel zur Eröffnung kommt. So wird es zwei Eröffnungen geben. Die Frage ist nur, ob auch der letzte Tag zweimal begangen wird. Das könnte ja auch dann im Gemeinderat bei der Abrechnung sein . . .

Die Kommunalwahl hat in Singen personell wenig Veränderungen gebracht: Drei neue Gesichter gibt es bei der CDU, die es nun zum Patt gebracht hat. Sie hat jetzt 18 von 38 Sitzen im Gemeinderat. Und OB Renner hat ja auch eine! Elf hat die SPD, sechs die Zählgemeinschaft, zwei die »Neue Linie«. Früher wurde im Singener Gemeinderat 17 und vier gespielt: Die CDU hatte 17 Mandate, die FDP drei - und dann war Endstation, denn der Rest war der Stimmenbereich von OB Friedhelm Möhrle. Und dann ging nichts mehr. Bei einem solchen Wahlausgang kamen durchaus Emotionen hoch: Renner und die CDU haben eine respektable Gestaltungsmöglichkeit. Ihnen »kegelt« auch niemand mehr einen Bürgermeister Manfred Schlegel heraus.

Die Wirtschaftskriminalität hat 1999 wenigstens einmal zu einem Gerichtsverfahren geführt. 100 000 Mark musste Dr. Karl R., der im Singener Raum tätig geworden war und sich in Liechtenstein verkrochen hatte, praktisch über Nacht beschaffen, um vor dem Konstanzer Landgericht freizukommen. Er hatte einen ostdeutschen Immobilienerben aus Überlingen am See kräftig über den Tisch gezogen. Das WOCHENBLATT berichtete mehrfach. Im Dunkeln konnten dank des Schnellverfahrens einige Helfer und Mitarbeiter im Hegau bleiben. Auch die Singener Bank, die in Leipzig Finanzierung betrieben hatte, kam glimpflich davon. Der Fall Dr. R. ist aber noch nicht gelöst. Übrig bleibt der Verdacht, dass sich Banken angesichts drohender Insolvenzen weiter solcher Leute bedienen. Offenbar stehen schon Käufer bereit, wenn ein Immobilienbesitzer in den Konkurs getrieben wird. Da helfen dann auch keine Gutachten mehr.

Die Weltpolitik schaute auch 1999 in den Raum Singen hinein: Mladen Naletilic kommt noch immer hier zu Besuch, obwohl er als kroatischer Kriegsverbrecher angeblich vom Europäischen Gerichtshof in Den Haag gesucht wird. Nur die Singener Polizei fand keinen Haftbefehl, als es wieder einmal hieß, das er hier sei. Nach dem Tod von Franjo Tudjman braucht man ihn in Den Haag auch nicht mehr als Kronzeugen. Dafür hat ihn Tudjman zuletzt noch als wahren Patrioten gewürdigt. Gerechtigkeit verkommt auch hier zur reinen Medien-Show. Naletilic hatte ab 1971 in Singen gelebt, Nachtlokale betrieben, die mobilen Spielkasinos entwickelt und von Hausen aus eine Privatarmee aufgebaut.

Die neue Kino-Ära hat in Singen begonnen. Aus dem einstigen Central wird &quotl;Ihr Platz&quotl;, als dem neuen Lokal »Central« unterm Arbeitsamt wurde neuerdings eine Ruhestätte. Und der »Oscar« boomt in Singen. Und was macht der klassische Bambi-Besucher? Widersprüche gibt es überall. Das gehört zur Zeit. Die Ekkehard-Realschule wird erweitert - wie auch immer. Die Tittisbühl-Schule wurde aufgelöst und dem Hegau-Gymnasium zugeschlagen. Der neue Direktor des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums ließ in einer Damen-Toilette die Türen aushängen, um einen pädagogischen Akzent zu sehen. Das ist Singen 1999 - im Zweifelsfall auch ein bißchen pathologisch.

-li-

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