Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Neues Leben für die Stadt

Das ist eines von den Jahren, bei man immer wieder so richtig den Kopf gewaschen bekommt. Viele Hiobsbotschaften musste Engen in diesem Jahr verkraften. Da ist zum einen die Ankündigung, dass das Werk Engen von Schiesser definitiv geschlossen werden soll. Da ist die bevorstehende Schließung des Autohauses Keller durch Übernahme in das Autohauses Emminger und damit der Abschied der Automarke Ford vom Standort Engen dem auch in nicht allzuferner Zukunft der Abschied der Marke Mazda folgen wird. Und da ist das Vorzeigestück Engens - die Altstadt - die trotz aller Bemühungen über Jahrzehnte hinweg, als Einzelhandelsstandort auch für Nischenprodukte immer weiter an Bedeutung verliert. Eine regelrechte Schließungs- und Abwanderungswelle hat sich in 1999 zugetragen, vom Schreibwarenhändler über den Apotheker, sie gehen runter vom Berg in die Breitestraße. An die Optionen, die ein Fahrstuhl am Felsenmarkt bietet, vor fünf Jahren noch eine kühne Vision für die Stadt, mag man als Faktor für eine lebendige Altstadt nicht mehr so recht glauben. Um den Standort im Gesamten mit einem guten Angebot vor Ort halten zu können, und damit eine Begrenzung der immensen Kaufkraftabwanderung zu erreichen, hat Engen seine Altstadt im gewissen Sinne »aufgegeben«. Großflächiger Einzelhandel soll seine Flächen nun entlang der Bundesstraße bekommen können. Wird er kommen? Schon jetzt zeigt das Angebot Lücken. Zum Jahresende endet die Kaufhaus-Ära hier mit der Schließung des »Brigau«. Die Familie Plagemann hatte sich hier ins Zeug gelegt, doch unter dem Strich konnte dieses Engagement nicht fortgesetzt werden. Doch es gab auch eine andere Seite. Die Aktionsgemeinschaft »Impuls Engen« der Einzelhändler lief im Sommer zu Hochform auf. Mit einem verkaufsoffenen Sonntag wurde eine Französische Woche gekrönt, die ein besonders Lebensgefühl für diese Altstadt vermitteln konnte. Engen strengt sich an, keine Frage. Die Mühen um die Schaffung des Existensgründerzentrums in Welschingen - für das der Betreiberverein in diesem Jahr gegründet werden konnte - sind dafür ein gutes Beispiel. Und auch die Tischmesse im November, die auf einfachste Weise Unternehmen die Gelegenheit bot, sich kennen zu lernen und sich zu präsentieren, könnte eine Initialzündung für die Zukunft sein. Doch auch andere Standorte in der Region erleben die Krise dieses ausgehenden Jahrtausends. Da geht es um Leben oder Sterben. Wieviel Kraft wird Engen für den weiteren Kampf für die Erhaltung der Bedeutung dieses Standorts als Zentrum der Region oberer Hegau aufbringen können? Das wird sich im kommenden Jahr beantworten lassen. Da ist mehr gefordert als Stadtmarketing.

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