Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Der Arbeitsplatzkrieg

Zwei Firmen waren früher Symbole für Singen: die Maggi und die Alu. Maggi kennt jeder - und viele wissen, dass Maggi aus Singen kommt. Die Alu war der Stolz der Stadt, der größte Betrieb in ganz Südbaden! Die Unternehmen schwächeln, die Symbole werden wertlos, definieren die Stadt nicht mehr. Dieser Schlag traf Singen 1999 in voller Härte. Nachdem die »Fusionitis« den Alusuisse-Konzern erfasst hatte, schwante den Kennern des Unternehmens wenig Gutes für Singen. Dass aber nach der geplatzten Viag-Fusion in Singen samt Schmiede 450 Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, war ein Schlag. Im Zuge der geplanten Fusion waren alle Standorte durchgerechnet worden, die Unternehmen standen ein Stück weit nackt voreinander da. Der interne Stellenabbau war die Folge. Der Sozialplan steht bei Alusuisse Singen. Mehr aber nicht: Zum Jahresende herrscht Klarheit, dass der Standort Singen im neuen Geflecht des Konzern einen schweren Stand haben werde. Und so wird auch beim jetzigen Friedensschluß zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat, dass es möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle, eine Einschränkung gemacht: Man weiß ja nicht, was die Fusion bringt . . . Die Maggi war ein anderer Fall: Erstmals erlebte ein Konzern in Singen, welche Emotionalität der Menschen dieser Region hinter ihrem Unternehmen steht. Hinterfragt wurde hier, warum das Unternehmen bei glänzenden Gewinnen Probleme hat. Management-Fehler? Oder einfach Shareholders Value? Der Konzern blockte. Aber dann, als es an das Image des Konzerns ging, sagen Karl Himmelsbach, Elvis Capece und Markus Kessner für »SOS Maggi«, sei die Konzernleitung zu Gesprächen bereit gewesen. Sie danken zum Jahreswechsel für die Solidarität mit den betroffenen Arbeitnehmern. 379 Stellen sollten erst gestrichen werden, die »Hausnummer« wurde Stück für Stück bekannt. Und auch zum Jahresende bleibt unklar, wieviele Mitarbeiter über die 105 Beschäftigten hinaus, die bisher Drei-Kammer-Systeme produziert haben, den Hut nehmen müssen. Eine offiziöse Erklärung über die Tageszeitung besagt, dass 168 Stellen weniger abgebaut werden. Betriebsratsvorsitzender Günter Gross sagte aber bei der Rentnerweihnachtsfeier, hundert Mitarbeiter seien schon gegangen. Er ist zur Symbolfigur gegen Stellenabbau geworden. Menschlich hat ihn getroffen, dass er in seinen Rechten ausgehebelt wurde: In Frankfurt erfuhr er beiläufig, dass am nächsten Tag um 8 Uhr Betriebsversammlung mit Bekanntgabe des Stellenabbaus sei.

Hans Paul Lichtwald

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