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Der
Arbeitsplatzkrieg
Zwei
Firmen waren früher Symbole für Singen: die Maggi und
die Alu. Maggi kennt jeder - und viele wissen, dass Maggi aus
Singen kommt. Die Alu war der Stolz der Stadt, der größte
Betrieb in ganz Südbaden! Die Unternehmen schwächeln,
die Symbole werden wertlos, definieren die Stadt nicht mehr. Dieser
Schlag traf Singen 1999 in voller Härte. Nachdem die »Fusionitis«
den Alusuisse-Konzern erfasst hatte, schwante den Kennern des
Unternehmens wenig Gutes für Singen. Dass aber nach der geplatzten
Viag-Fusion in Singen samt Schmiede 450 Arbeitsplätze abgebaut
werden müssen, war ein Schlag. Im Zuge der geplanten Fusion
waren alle Standorte durchgerechnet worden, die Unternehmen standen
ein Stück weit nackt voreinander da. Der interne Stellenabbau
war die Folge. Der Sozialplan steht bei Alusuisse Singen. Mehr
aber nicht: Zum Jahresende herrscht Klarheit, dass der Standort
Singen im neuen Geflecht des Konzern einen schweren Stand haben
werde. Und so wird auch beim jetzigen Friedensschluß zwischen
Unternehmensführung und Betriebsrat, dass es möglichst
keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle, eine Einschränkung
gemacht: Man weiß ja nicht, was die Fusion bringt . . .
Die Maggi war ein anderer Fall: Erstmals erlebte ein Konzern in
Singen, welche Emotionalität der Menschen dieser Region hinter
ihrem Unternehmen steht. Hinterfragt wurde hier, warum das Unternehmen
bei glänzenden Gewinnen Probleme hat. Management-Fehler?
Oder einfach Shareholders Value? Der Konzern blockte. Aber dann,
als es an das Image des Konzerns ging, sagen Karl Himmelsbach,
Elvis Capece und Markus Kessner für »SOS Maggi«,
sei die Konzernleitung zu Gesprächen bereit gewesen. Sie
danken zum Jahreswechsel für die Solidarität mit den
betroffenen Arbeitnehmern. 379 Stellen sollten erst gestrichen
werden, die »Hausnummer« wurde Stück für Stück
bekannt. Und auch zum Jahresende bleibt unklar, wieviele Mitarbeiter
über die 105 Beschäftigten hinaus, die bisher Drei-Kammer-Systeme
produziert haben, den Hut nehmen müssen. Eine offiziöse
Erklärung über die Tageszeitung besagt, dass 168 Stellen
weniger abgebaut werden. Betriebsratsvorsitzender Günter
Gross sagte aber bei der Rentnerweihnachtsfeier, hundert Mitarbeiter
seien schon gegangen. Er ist zur Symbolfigur gegen Stellenabbau
geworden. Menschlich hat ihn getroffen, dass er in seinen Rechten
ausgehebelt wurde: In Frankfurt erfuhr er beiläufig, dass
am nächsten Tag um 8 Uhr Betriebsversammlung mit Bekanntgabe
des Stellenabbaus sei.
Hans Paul Lichtwald

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