|
Im
Flächenwahn
Die
Städte der Region positionieren sich neu: Sie buhlen um die
Gunst der Besucherströme, wollen sich als Einkaufsstadt weiter
profilieren. Da sind die rund 4000 Quadratmeter Einkaufszentrum
in Stockach am Bahnhof eher noch eine kleine Hausnummer. Und auch
das neue Kaufhaus in Radolfzell am künftigen Tegginger-Fußweg
ist eher bescheiden. Konstanz hat zwar im Klein-Venedig immer
noch eine Baugrube, doch hier sollen Welten verschoben werden.
20 000 Quadratmeter Einkaufsfläche und mehr sind dort die
Hausnummer. Der Media-Markt ist schon da, das Umfeld strukturiert
sich gerade. Und Singen antwortet: Bis 18 000 Quadratmeter OBI
2000 im Süden sind genehmigt. Für den jetzigen OBI wird
noch ein Käufer gesucht. Das Schuler-Areal nebendran wird
in den nächsten Jahren baureif. In der City wird das Post-Areal
in diesem Jahr abgeschlossen, Heikorn und Schuler erweitern. Zwischen
Ekkehard-und Freiheitstraße wird kräftig nachgerüstet.
Weitere 20 000 Quadratmeter Einkaufsfläche sind hier denkbar.
Die Verteilungskämpfe sind enorm geworden. Dr. Artur Sauter,
früheres Präsidial-Mitglied des Einzelhandels-Verbandes,
sagte erst kürzlich im WOCHENBLATT-Interview, dass es kein
Zurück bei der Entwicklung gebe. Der Einzugsbereich der Städte
müsse sich ausweiten, die Magnetwirkung könne nur durch
Gemeinschaftswerbung und Aktionen die volle Kraft entwickeln.
In Konstanz hat der Einzelhandel jetzt auch erkannt, dass der
Umsatz im Kofferraum liegt (alter Grundsatz von Dr. Sauter). Die
Vertreter des Handels nutzten den Besuch von Ministerpräsident
Erwin Teufel in Konstanz, um ihm ihre Verkehrsnöte vorzutragen:
Die B 33 wird plötzlich ihr Thema! Standortfragen sind das
Parken und das Ambiente. Hier müssen sich alle Städte
kräftig anstrengen. Radolfzell hat im Westen der Stadt weiterhin
ein bemerkenswertes Wachstum. Der Besatz wird stärker. Generell
prägen immer mehr Filialisten das Bild der Einkaufsmeilen.
Das macht den örtlichen Sprechern des Handels Kummer: Wo
soll dann noch das Profil einer Einkaufsstadt herkommen? Wenn
sie austauschbar würden, wären auch Investitionen nicht
mehr gezielt möglich. Die persönliche Beratung macht
aber doch den besonderen Wert des Einkaufserlebnisses aus. Derzeit
aber frönen aber noch alle dem Flächenwahn.
Hans Paul Lichtwald

|