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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Jahrhunderthochwasser

An Pfingsten begann es, das Jahrhunderthochwasser am See, das einige Wochen nicht nur unzähligen Feuerwehrleuten schlaflose Nächte bescherte, sondern auch die ohnehin am Bodensee geschwächte Tourismuswirtschaft in Mitleidenschaft zog - zudem wurden Keller, Äcker und Promenaden überflutet. 5,65 Meter, das war der Pegel des Sees in Konstanz und das war ein neuer Jahrhunderthochstand an Pfingsten. 450 Feuerwehrleute waren über die Feiertage kreisweit im Einsatz. In den nächsten Tagen bereiteten sich Einsatzkräfte und Bürgermeister der Seegemeinden auf das Schlimmste vor: In Radolfzell wurden Sandsäcke geschichtet, die den See auch noch bei einem Stand von 6,10 Meter gehalten hätte, in Konstanz ebenfalls, ab einem Wasserstand von 5,70 Meter wäre das Hochwasser auf der Reichenau zum Fall für die Bundeswehr geworden. Doch der See zeigte sich langsam aber sicher wieder von seiner freundlichen Seite: Das Wasser ging zurück. Als der Bodensee an den Ufern Schlick- und Schlammmassen zurückließ, ging es bereits um die Frage, wer den Schaden bezahlt: Auf der Reichenau kündigte Bürgermeister Volker Steffen bereits kurz nach Pfingsten 3,4 Millionen Mark Schaden alleine für das Tourismusgewerbe an. Das Hochwasser war Thema im Bundestag: Hans-Peter Repnik (CDU) wagte noch im Juni einen Vorstoss in Bonn. Doch: Die Bundesregierung sah das Bodenseehochwasser nicht als ihre Aufgabe an, der heute nicht mehr im Amt befindliche Kanzleramtsminister schrieb in einem Brief an den Radolfzeller Oberbürgermeister Günter Neurohr, dass es Sache der Länder und Gemeinden sei, witterungsbedingte Schäden zu regulieren. EIne Katastrophe war das Jahrhunderthochwasser nämlich nicht, zumindest aus behördlicher Sicht. Vom Land forderte der grüne Landtagsabgeordnete Dr. Günther Schäfer 10 Millionen Mark für die Region. Auch die gab es nicht. Aber: Immerhin bekamen 118 geschädigte Landwirte 920000 Mark Darlehen und 28000 Mark Zuschüsse, wie Wilfried Jöst, Leiter des Stockacher Landwirtschaftsamtes sagte. Die Landwirte meldeten insgesamt Hochwasserschäden von rund 2,8 Millionen Mark an, vor allem auf der Höri, zwischen Ludwigshafen und Bodman, im Mündungsgebiet der Radolfzeller Aach und auf der Reichenau zitterten die Landwirte um ihre Felder. 3,7 Millionen Mark bekamen die Städte und Gemeinden im Landkreis über einen Ausgleichstopf des Landes. Die Schäden waren wohl höher: 10,5 Millionen Mark wurden bereits bei der ersten Meldung der Kommunen im Regierungspräsidium in Freiburg angemeldet. Ach ja: Und dann war da noch eine Öffentlichkeitskampagne für 430000 Mark, die das Verkehrsministerium in Stuttgart stiftete.

Anatol Hennig

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