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Jahrhunderthochwasser
An
Pfingsten begann es, das Jahrhunderthochwasser am See, das einige
Wochen nicht nur unzähligen Feuerwehrleuten schlaflose Nächte
bescherte, sondern auch die ohnehin am Bodensee geschwächte
Tourismuswirtschaft in Mitleidenschaft zog - zudem wurden Keller,
Äcker und Promenaden überflutet. 5,65 Meter, das war
der Pegel des Sees in Konstanz und das war ein neuer Jahrhunderthochstand
an Pfingsten. 450 Feuerwehrleute waren über die Feiertage
kreisweit im Einsatz. In den nächsten Tagen bereiteten sich
Einsatzkräfte und Bürgermeister der Seegemeinden auf
das Schlimmste vor: In Radolfzell wurden Sandsäcke geschichtet,
die den See auch noch bei einem Stand von 6,10 Meter gehalten
hätte, in Konstanz ebenfalls, ab einem Wasserstand von 5,70
Meter wäre das Hochwasser auf der Reichenau zum Fall für
die Bundeswehr geworden. Doch der See zeigte sich langsam aber
sicher wieder von seiner freundlichen Seite: Das Wasser ging zurück.
Als der Bodensee an den Ufern Schlick- und Schlammmassen zurückließ,
ging es bereits um die Frage, wer den Schaden bezahlt: Auf der
Reichenau kündigte Bürgermeister Volker Steffen bereits
kurz nach Pfingsten 3,4 Millionen Mark Schaden alleine für
das Tourismusgewerbe an. Das Hochwasser war Thema im Bundestag:
Hans-Peter Repnik (CDU) wagte noch im Juni einen Vorstoss in Bonn.
Doch: Die Bundesregierung sah das Bodenseehochwasser nicht als
ihre Aufgabe an, der heute nicht mehr im Amt befindliche Kanzleramtsminister
schrieb in einem Brief an den Radolfzeller Oberbürgermeister
Günter Neurohr, dass es Sache der Länder und Gemeinden
sei, witterungsbedingte Schäden zu regulieren. EIne Katastrophe
war das Jahrhunderthochwasser nämlich nicht, zumindest aus
behördlicher Sicht. Vom Land forderte der grüne Landtagsabgeordnete
Dr. Günther Schäfer 10 Millionen Mark für die Region.
Auch die gab es nicht. Aber: Immerhin bekamen 118 geschädigte
Landwirte 920000 Mark Darlehen und 28000 Mark Zuschüsse,
wie Wilfried Jöst, Leiter des Stockacher Landwirtschaftsamtes
sagte. Die Landwirte meldeten insgesamt Hochwasserschäden
von rund 2,8 Millionen Mark an, vor allem auf der Höri, zwischen
Ludwigshafen und Bodman, im Mündungsgebiet der Radolfzeller
Aach und auf der Reichenau zitterten die Landwirte um ihre Felder.
3,7 Millionen Mark bekamen die Städte und Gemeinden im Landkreis
über einen Ausgleichstopf des Landes. Die Schäden waren
wohl höher: 10,5 Millionen Mark wurden bereits bei der ersten
Meldung der Kommunen im Regierungspräsidium in Freiburg angemeldet.
Ach ja: Und dann war da noch eine Öffentlichkeitskampagne
für 430000 Mark, die das Verkehrsministerium in Stuttgart
stiftete.
Anatol Hennig

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