Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Mehr Gewalttaten

Das Jahr 1999 war gekennzeichnet von vielen Versuchen insbesondere der Jugendkriminalität im Kreis zu Leibe zu rücken. Im Singener Jugendtreff Südpol hieß die Devise schon im März »Reden statt reinhauen«, nach den Herbstferien wurde nachgelegt: Mittlerweile werden Streits mit Moderatoren auch an der Schillerschule geschlichtet, das Beispiel könnte im Jahr 2000 Schule im Kreis machen. Das Jahr 1999 zeigte auch, dasss Kriminalität heute nur noch über Grenzen hinweg zu bekämpfen ist und es wohl interessiert, was in der Schweiz passiert: Im Januar stellte das WOCHENBLATT die Schaffhauser Drogenpolitik vor und damals sprachen die Politiker im benachbarten Kanton davon, dass sie die leise Hoffnung hegen, auch in Deutschland würde die Drogenszene offener. Wurde sie nicht und Schaffhausen hat dem Drogentourismus aus Südbaden im Herbst einen Riegel vorgeschoben. Jetzt ist das Problem vor allem wieder in Singen zurück: Dort, wo es herkam. Doch genau unter dem Hohentwiel griff die Polizei auch 1999 kräftig zu: Im März waren mehrere Singener vor Gericht, die 4,7 Kilogramm Heroin verdealt oder besessen haben sollen, ohne Kontakte der Ermittlungsbhörden in die Schweiz hinein wäre das Unterfangen wohl kaum geglückt. Und ein Teil davon ging anscheinend in einer Lasagneschale in einer Singener Gaststätte über den Tisch... Dort, wo es herkam, kann ein anderes Problem nicht mehr hin: Die meisten Spätaussiedler im Landkreis Konstanz wollen ein bürgerliches Leben führen und tun dafür eine Menge. Ein paar wenige allerdings, vor allem junge Jungen in Singen und Stockach, allerdings sind 1999 mit einer in dieser Region nie dagewesenen Brutalität ins öffentliche Gemeinwohl eingebrochen. Lösungswege wird es wohl erst im neuen Jahr geben: Dann könnten dank einem Programm des Landesinnenministeriums die Bürger vor manchen jugendlichen Gewalttätern in gemeinschaftlicher Arbeit von Justiz, Polizei und Sozialarbeit geschützt werden und damit auch die Spätaussiedler, die sich an dieser Gesellschaft beteiligen wollen. Übrigens: Der Politik ist dieses Thema nicht gerade das liebste, vielleicht deshalb verzichtet die Polizei im Landkreis mittlerweile in ihren Presseinformationen darauf hinzuweisen, welche Straftaten auf das Konto von Spätaussiedlern gehen. Auch in dieser Region sind die »private« Gewalttaten mittlerweile von besonderer Impertinenz: Gleich im Januar wurde bekannt, dass noch 1998 die Singenerin Romana Berisha einer grausamen Gewalttat zum Opfer fiel. Sie wurde stundenlang gefoltert, ohne jedes psychologisch bedeutsame Motiv schlussendlich. Ebenfalls rein im prvaten Bereich anzusiedeln war der Mord im Februar an der Gaienhofenerin Roma Riethmüller. Das Motiv des Täters, der vom Landgericht Konmstanz im November verurteilt wäre, lässt sich mit Eifersucht nur unzureichend beschreiben. Mit ins Bild von »Gewalt ohne Sinn und Zweck« passt die Tatsache, dass Ende Januar zwei Rettungshunde auf der Höri vergiftet worden sind. Wie jemand versuchen kann, ein Tier zu töten, das Menschenleben rettet, fragte sich zum Jahresbeginn nicht nur die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes. Nicht im Zeichen des Kreuzes, aber immerhin in der Nähe eines christlichen Mädcheninternats, verging sich ein Pfarrer, der in Wald oberhalb von Stockach sein Amt ausübt, an mehreren Jungen. Der Geistliche stand im April vor Gericht. Auch ein Ergebnis der Verhandlung: Der Mann kam mit dem Zölibat nicht zurecht. Übrigens: 1998, das wurde im März bekannt, war Singen nicht mehr die Nummer eins in Sachen Kriminalität im Kreis: Konstanz führte die Statistik an. Für 1999 wird wohl Singen wieder die Nummer eins sein in Sachen Kriminalität. Dort wird die Kriminalitätsrate höher sein als 1998, obwohl in ganz Baden-Württemberg die Kriminalitätsrate zurückging. In der Statistik im Landkreis taucht er wohl nie auf, aber er hat auch im Landkreis gewirkt und das war Titelthema im WOCHENBLATT im Oktober: Mladen Naletilic, der im Bosnienkrieg viele Menschenleben auf dem Gewissen haben soll und der wegen insgesamt 17 Verbrechen vor dem Kriegsgerichtshof angeklagt wird, war das Thema. Ob er im Jahr 2000 wohl den Richtern in Den Haag gegenüberstehen muss?

Anatol Hennig

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