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Gewalttaten
Das
Jahr 1999 war gekennzeichnet von vielen Versuchen insbesondere
der Jugendkriminalität im Kreis zu Leibe zu rücken.
Im Singener Jugendtreff Südpol hieß die Devise schon
im März »Reden statt reinhauen«, nach den Herbstferien
wurde nachgelegt: Mittlerweile werden Streits mit Moderatoren
auch an der Schillerschule geschlichtet, das Beispiel könnte
im Jahr 2000 Schule im Kreis machen. Das Jahr 1999 zeigte auch,
dasss Kriminalität heute nur noch über Grenzen hinweg
zu bekämpfen ist und es wohl interessiert, was in der Schweiz
passiert: Im Januar stellte das WOCHENBLATT die Schaffhauser Drogenpolitik
vor und damals sprachen die Politiker im benachbarten Kanton davon,
dass sie die leise Hoffnung hegen, auch in Deutschland würde
die Drogenszene offener. Wurde sie nicht und Schaffhausen hat
dem Drogentourismus aus Südbaden im Herbst einen Riegel vorgeschoben.
Jetzt ist das Problem vor allem wieder in Singen zurück:
Dort, wo es herkam. Doch genau unter dem Hohentwiel griff die
Polizei auch 1999 kräftig zu: Im März waren mehrere
Singener vor Gericht, die 4,7 Kilogramm Heroin verdealt oder besessen
haben sollen, ohne Kontakte der Ermittlungsbhörden in die
Schweiz hinein wäre das Unterfangen wohl kaum geglückt.
Und ein Teil davon ging anscheinend in einer Lasagneschale in
einer Singener Gaststätte über den Tisch... Dort, wo
es herkam, kann ein anderes Problem nicht mehr hin: Die meisten
Spätaussiedler im Landkreis Konstanz wollen ein bürgerliches
Leben führen und tun dafür eine Menge. Ein paar wenige
allerdings, vor allem junge Jungen in Singen und Stockach, allerdings
sind 1999 mit einer in dieser Region nie dagewesenen Brutalität
ins öffentliche Gemeinwohl eingebrochen. Lösungswege
wird es wohl erst im neuen Jahr geben: Dann könnten dank
einem Programm des Landesinnenministeriums die Bürger vor
manchen jugendlichen Gewalttätern in gemeinschaftlicher Arbeit
von Justiz, Polizei und Sozialarbeit geschützt werden und
damit auch die Spätaussiedler, die sich an dieser Gesellschaft
beteiligen wollen. Übrigens: Der Politik ist dieses Thema
nicht gerade das liebste, vielleicht deshalb verzichtet die Polizei
im Landkreis mittlerweile in ihren Presseinformationen darauf
hinzuweisen, welche Straftaten auf das Konto von Spätaussiedlern
gehen. Auch in dieser Region sind die »private« Gewalttaten
mittlerweile von besonderer Impertinenz: Gleich im Januar wurde
bekannt, dass noch 1998 die Singenerin Romana Berisha einer grausamen
Gewalttat zum Opfer fiel. Sie wurde stundenlang gefoltert, ohne
jedes psychologisch bedeutsame Motiv schlussendlich. Ebenfalls
rein im prvaten Bereich anzusiedeln war der Mord im Februar an
der Gaienhofenerin Roma Riethmüller. Das Motiv des Täters,
der vom Landgericht Konmstanz im November verurteilt wäre,
lässt sich mit Eifersucht nur unzureichend beschreiben. Mit
ins Bild von »Gewalt ohne Sinn und Zweck« passt die
Tatsache, dass Ende Januar zwei Rettungshunde auf der Höri
vergiftet worden sind. Wie jemand versuchen kann, ein Tier zu
töten, das Menschenleben rettet, fragte sich zum Jahresbeginn
nicht nur die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes. Nicht im
Zeichen des Kreuzes, aber immerhin in der Nähe eines christlichen
Mädcheninternats, verging sich ein Pfarrer, der in Wald oberhalb
von Stockach sein Amt ausübt, an mehreren Jungen. Der Geistliche
stand im April vor Gericht. Auch ein Ergebnis der Verhandlung:
Der Mann kam mit dem Zölibat nicht zurecht. Übrigens:
1998, das wurde im März bekannt, war Singen nicht mehr die
Nummer eins in Sachen Kriminalität im Kreis: Konstanz führte
die Statistik an. Für 1999 wird wohl Singen wieder die Nummer
eins sein in Sachen Kriminalität. Dort wird die Kriminalitätsrate
höher sein als 1998, obwohl in ganz Baden-Württemberg
die Kriminalitätsrate zurückging. In der Statistik im
Landkreis taucht er wohl nie auf, aber er hat auch im Landkreis
gewirkt und das war Titelthema im WOCHENBLATT im Oktober: Mladen
Naletilic, der im Bosnienkrieg viele Menschenleben auf dem Gewissen
haben soll und der wegen insgesamt 17 Verbrechen vor dem Kriegsgerichtshof
angeklagt wird, war das Thema. Ob er im Jahr 2000 wohl den Richtern
in Den Haag gegenüberstehen muss?
Anatol Hennig

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