Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Poker um Krankenbetten

Im Herbst sollte entschieden sein! Doch bei den strittigen Krankenhaus-Fragen im Kreis gibt es weiter keine Einigungen oder Lösungen. Fakten setzt derzeit nur das Singener Hegau-Klinikum. Erst die Fusion mit Engen, dann der Schritt in die Rehabilitationsebene. Das Jugendwerk Gailingen gehört nun als Tochter zum Verbund. Oberbürgermeister Andreas Renner geht weiter: Wenn es im Jahr 2000 keine weiteren Fusionen im Kreis gebe, werde er Kooperationen über die Grenzen des Kreises hinaus suchen. Schaffhausen als Partner? Denkbar! Der Poker um Krankenbetten zwischen Singen und Konstanz ist inzwischen völlig unübersichtlich. Beide Häuser der Zentralversorgung können so nicht weiter bestehen. Eine klare Arbeitsteilung verlangt das Land. Einigkeit besteht inzwischen darin, dass Singen die Urologie schwerpunktmäßig vertritt, beide Kinderkliniken bleiben, Singen würde später die Unfallchirurgie nach Konstanz abgeben, Professor Dieter Rühland würde Chefarzt für beide Chirurgiebereiche. Das letzte scheint zum Knackpunkt zu werden. Dabei setzen die Singener ganz andere Fakten: Das Hegau-Klinikum ist derzeit das einzige Krankenhaus im Kreis mit schwarzen Zahlen! Einflußreiche Konstanzer Kreise wollen den Apfel und das Ei: eines davon ist die Herzklinik, das der Stuttgarter Sozialminister Dr. Friedhelm Repnik nicht akzeptieren will. Problem: Die Herzklinik steht auf einem städtischen Erbbaurecht-Grundstück. Scheitert das Projekt, dann müsste es die Stadt zu zwei Dritteln des Baupreises zurückkaufen! So sind offenbar die Verträge. Die roten Zahlen führten in Radolfzell im Sommer zu schnellem Handeln: Heiko Hülsebusch wird von Helios nun für Wolfgang Hamerlak ins Rennen geschickt. Bürgermeisterin Isabel Fezer kämpft verbissen um das Krankenhaus der Grundversorgung, das derzeit aber die Wirtschaftlichkeit nicht nachweisen kann. Eingeständnis der Träger: Wäre die Rechtsform eine GmbH statt einer Stiftung hätte man längst den Konkurs anmelden müssen. Still versorgt das Stockacher Krankenhaus die Patienten aus der Verwaltungsgemeinschaft. Klein und notwendig, ist die Devise. Klar ist auch, dass ohne politische Unterstützung auch das Stockacher Krankenhaus schon »platt« wäre. Deshalb die Frage: Wer wird als nächster fusioniert?

Hans Paul Lichtwald

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