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Sportlich
- unsportlich
Sportlich
darf sich der Singener Schwimmer Thomas Winkler
zu Recht nennen: Der symphatische junge Sportler trainiert sechs
Mal in der Woche, ist der schnellste Juniorenkurzbahnsprinter
der Welt, war in der Gesamtweltrangliste im April auf Platz 72
und schwimmt 50 Meter Freistil in 22,68 Sekunden. Nach Geld fragte
er im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern, die weitaus weniger
Trainingsaufwand betreiben, nicht. Trotzdem gab es für ihn
ein Sponsorenkonzept und einen Opel.
Unsportlich war es, dass dieses Jahr in einigen Sportarten Summen
zum Beispiel schon in der Fußballbezirksliga gezahlt wurden,
die für deutliche Wettbewerbsverzerrung sorgten. Klar: Ohne
Geld geht auch im Amateursport heute nur noch wenig. Aber muss
es so viel sein, dass Vereine, die versuchen, auch mitzuhalten,
in wirtschaftliche Turbulenzen kommen? Oder dass eine Tischtennismannschaft,
die nach Rammersweier oder Iffezheim reist, schon weiß,
dass sie keine Chancen hat, weil sie es in der Verbandsliga schon
mit Halbprofis zu tun bekommt?
Sportlich war es, dass der Trainer der HSG Singen-Gottmadingen,
Michael Binder, zum Jahresende erkannt hat, dass
er in der Regionalliga seine Mannen nicht mehr zu 10 Minuten längerer
Aufmerksamkeit auf dem Spielfeld motivieren kann und ergo den
Hut nahm. Für den Verein will er weiterhin tätig sein.
Weniger sportlich musste einem der Abschied von Erich
Merk aus Allensbach erscheinen: Ist er alleine schuld
daran, dass die Handballdamen der zweiten Bundesliga auf ihn nicht
mehr hören wollten?
Sportlich war der Erfolg des VfR Stockach nach dem Aufstieg in
die Landesliga sicherlich, sehr sogar, zumal wenn man bedenkt,
dass die Mannschaft fast dieselbe ist wie die, die in der Bezirksliga
im Sommer Vizemeister wurde. Weniger sportlich hingegen war der
plötzliche Abgang des VfR-Vorsitzenden Reinhard Graf.
Sportlich waren die Boxer des Boxsportvereins Radolfzell,
die 1999 immerhin zwei deutsche Vizemeister hervorbrachten, sportlicher
zumindest als die Macher des Singener BCs, die den Verein im Laufe
des Jahres durch unsportliches Verhalten gefährdeten und
deren Boxer zwar immer noch sportliche Erfolge feiern dürfen,
aber eben nur noch als Ausleihsportler für Eichstätt
und auf Meisterschaften. Eines scheint klar: Die Radolfzeller
haben den Singenern ihre Rolle als Boxstadt abgenommen.
Tatsächlich sportlich war auch der Abgang von FC-Singen-Trainer
Ewald Schmid. Der Mann gab dem Verein, dessen
Oberligaspieler er vielleicht etwas überforderte und die
er zu sehr unter Konkurrenzdruck setzte, zumindest die Chance,
finanziell ungeschoren aus der Sache herauszukommen. Zu sportlich
allerdings wollte Schmid eben an den Neuaufbau des FC Singen auf
hohem Niveau rangehen und scheiterte nach hervorragenden Pokalspielen
am harten Oberligaalltag. Jetzt ist Jörg Goldmann
dran, der - ganz sportlich - die Mannschaft wieder unter seine
Fittiche nahm und jetzt versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten.
Ob der FC Singen in der Oberliga bleiben darf, darf zum Jahresende
bezweifelt werden. Vielleicht würde ein Abstieg helfen, dem
Verein wieder ein solides Gerüst zu geben.
Ob Dieter Baumanns Verhalten jetzt unsportlich
war oder ob die gedopte Zahnpasta ins Badezimmer geschmuggelt
wurde, das wissen wir auch am Jahresende nicht. Aber wir wissen,
dass in der Region ganz erhebliche Ausdauerleistungen erbracht
wurden, und das hofentlich ohne EPO und anabole Steroide. Dazu
gehörte die letzte Auflage des Trans Swiss Triathlons in
Überlänge, die der Rielasinger Lothar Westphal als erster
aus der WOCHENBLATT-Region in über 14 Stunden schaffte.
Es ist weder sportlich noch unsportlic, sondern einfach nur schade,
dass der TTC Mühlhausen den Weg in die nächste
Spielklasse nicht glatt schafft, nachdem er es seit Jahren versucht
und sich immerhin aus Radolfzell Nachschub besorgen konnte.
Sportlich war der Stockacher Erwin Roller zeitlebens.
An Pfingsten feierte das von ihm initiierte und am Leben gehaltene
Pfingstturnier 25jähriges Jubiläum.
Gleich mehrere hundert Läufer waren im Juni sehr sportlich.
Sie rannten beim Singener Halbmarathon mit, bei
der es zudem auch die sportlichsten Zuschauer der Region gab:
Sie verteilten Snacks, Trinken und warteten sogar mit fahrbaren
Gartenduschen am Straßenrand auf. Gewonnen hat der Tscheche
Petr Klimes in einer Stunde und acht Minuten.
Pit Beirer ist eine der tragischen Sportfiguren
des Jahres: Am Anfang des Jahres sagte der sportliche Ludwigshafener
Moto-Crosser, dass er es jetzt oder nie schaffen wolle, Weltmeister
zu werden, lange Zeit war er an Platz eins, um dann an zwei WM-Pech-Tagen
unter anderem im deutschen Gaildorf im September den Honda-Piloten
Bolley an sich vorbeiziehen lassen zu müssen.
Anatol Hennig

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