Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Sportlich - unsportlich

Sportlich darf sich der Singener Schwimmer Thomas Winkler zu Recht nennen: Der symphatische junge Sportler trainiert sechs Mal in der Woche, ist der schnellste Juniorenkurzbahnsprinter der Welt, war in der Gesamtweltrangliste im April auf Platz 72 und schwimmt 50 Meter Freistil in 22,68 Sekunden. Nach Geld fragte er im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern, die weitaus weniger Trainingsaufwand betreiben, nicht. Trotzdem gab es für ihn ein Sponsorenkonzept und einen Opel.

Unsportlich war es, dass dieses Jahr in einigen Sportarten Summen zum Beispiel schon in der Fußballbezirksliga gezahlt wurden, die für deutliche Wettbewerbsverzerrung sorgten. Klar: Ohne Geld geht auch im Amateursport heute nur noch wenig. Aber muss es so viel sein, dass Vereine, die versuchen, auch mitzuhalten, in wirtschaftliche Turbulenzen kommen? Oder dass eine Tischtennismannschaft, die nach Rammersweier oder Iffezheim reist, schon weiß, dass sie keine Chancen hat, weil sie es in der Verbandsliga schon mit Halbprofis zu tun bekommt?

Sportlich war es, dass der Trainer der HSG Singen-Gottmadingen, Michael Binder, zum Jahresende erkannt hat, dass er in der Regionalliga seine Mannen nicht mehr zu 10 Minuten längerer Aufmerksamkeit auf dem Spielfeld motivieren kann und ergo den Hut nahm. Für den Verein will er weiterhin tätig sein.

Weniger sportlich musste einem der Abschied von Erich Merk aus Allensbach erscheinen: Ist er alleine schuld daran, dass die Handballdamen der zweiten Bundesliga auf ihn nicht mehr hören wollten?

Sportlich war der Erfolg des VfR Stockach nach dem Aufstieg in die Landesliga sicherlich, sehr sogar, zumal wenn man bedenkt, dass die Mannschaft fast dieselbe ist wie die, die in der Bezirksliga im Sommer Vizemeister wurde. Weniger sportlich hingegen war der plötzliche Abgang des VfR-Vorsitzenden Reinhard Graf.

Sportlich waren die Boxer des Boxsportvereins Radolfzell, die 1999 immerhin zwei deutsche Vizemeister hervorbrachten, sportlicher zumindest als die Macher des Singener BCs, die den Verein im Laufe des Jahres durch unsportliches Verhalten gefährdeten und deren Boxer zwar immer noch sportliche Erfolge feiern dürfen, aber eben nur noch als Ausleihsportler für Eichstätt und auf Meisterschaften. Eines scheint klar: Die Radolfzeller haben den Singenern ihre Rolle als Boxstadt abgenommen.

Tatsächlich sportlich war auch der Abgang von FC-Singen-Trainer Ewald Schmid. Der Mann gab dem Verein, dessen Oberligaspieler er vielleicht etwas überforderte und die er zu sehr unter Konkurrenzdruck setzte, zumindest die Chance, finanziell ungeschoren aus der Sache herauszukommen. Zu sportlich allerdings wollte Schmid eben an den Neuaufbau des FC Singen auf hohem Niveau rangehen und scheiterte nach hervorragenden Pokalspielen am harten Oberligaalltag. Jetzt ist Jörg Goldmann dran, der - ganz sportlich - die Mannschaft wieder unter seine Fittiche nahm und jetzt versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten. Ob der FC Singen in der Oberliga bleiben darf, darf zum Jahresende bezweifelt werden. Vielleicht würde ein Abstieg helfen, dem Verein wieder ein solides Gerüst zu geben.

Ob Dieter Baumanns Verhalten jetzt unsportlich war oder ob die gedopte Zahnpasta ins Badezimmer geschmuggelt wurde, das wissen wir auch am Jahresende nicht. Aber wir wissen, dass in der Region ganz erhebliche Ausdauerleistungen erbracht wurden, und das hofentlich ohne EPO und anabole Steroide. Dazu gehörte die letzte Auflage des Trans Swiss Triathlons in Überlänge, die der Rielasinger Lothar Westphal als erster aus der WOCHENBLATT-Region in über 14 Stunden schaffte.

Es ist weder sportlich noch unsportlic, sondern einfach nur schade, dass der TTC Mühlhausen den Weg in die nächste Spielklasse nicht glatt schafft, nachdem er es seit Jahren versucht und sich immerhin aus Radolfzell Nachschub besorgen konnte.

Sportlich war der Stockacher Erwin Roller zeitlebens. An Pfingsten feierte das von ihm initiierte und am Leben gehaltene Pfingstturnier 25jähriges Jubiläum.

Gleich mehrere hundert Läufer waren im Juni sehr sportlich. Sie rannten beim Singener Halbmarathon mit, bei der es zudem auch die sportlichsten Zuschauer der Region gab: Sie verteilten Snacks, Trinken und warteten sogar mit fahrbaren Gartenduschen am Straßenrand auf. Gewonnen hat der Tscheche Petr Klimes in einer Stunde und acht Minuten.

Pit Beirer ist eine der tragischen Sportfiguren des Jahres: Am Anfang des Jahres sagte der sportliche Ludwigshafener Moto-Crosser, dass er es jetzt oder nie schaffen wolle, Weltmeister zu werden, lange Zeit war er an Platz eins, um dann an zwei WM-Pech-Tagen unter anderem im deutschen Gaildorf im September den Honda-Piloten Bolley an sich vorbeiziehen lassen zu müssen.

Anatol Hennig

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