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Arbeit
stand im Mittelpunkt vieler Beratungen. Singen bekommt nun sein
Technologiezentrum, aber im Kleinen haben dies viele andere Gemeinden
auch schön. Was wird sich ändern? Welche Arbeit der
Mensch braucht, fragte der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt
des evangelischen Dekanats im Herbst. Ehrenamtliche Arbeit gewinnt
an Bedeutung, wenn es darum geht, dass Menschen sich gebraucht
fühlen. Die arbeitnehmerische Ersatzreserve wird im neuen
Jahrtausend erhalten bleiben. Das ändert nichts daran, dass
die Arbeitslosenzahlen leicht rückläufig sind. Der Arbeitsplatzabbau
in der Großindustrie wird mit Ausnahmen weitergehen.
Bankenszene
sorgt immer wieder für Überraschungen und Schlagzeilen.
Angesichts des Zwangs zu weiteren Fusionen, wird die vom WOCHENBLATT
immer wieder prognostizierte Volkssparkasse Bodensee am Ende Realität
werden. Zehn Jahre noch? Die Zwischenschritte mögen den Akteuren
schwer fallen, doch dies wird der einzige Weg sein, dass leistungsfähige
Regionalbanken kundennahen Service bieten können.
Christliche
Kirchen müssen sich nun auch verstärkt dem Wettbewerb
stellen. Die Amtskirchen haben entweder kein Geld oder keine Pfarrer.
Das verlangt die Zusammenlegung von Pfarreien, bringt aber einen
Verlust von Identität. Daneben hat gerade die Evangelische
Landeskirche mit einem wachsenden Konkurrenzdruck von Freikirchen
und freien Gemeinschaften zu kämpfen. Als ein Redakteur der
Süddeutschen Zeitung kürzlich Singen entdeckte, stolperte
er über die vielen hier angesiedelten Sekten und Nachtlokale.
Keine gute Nachbarschaft!
Deutschland
gegen Rechts, kam auch in unserer Region an. Der Singener Jugendgemeinderat
hatte am 9.November seine Glanzstunde, als er zur Demonstration
gegen Rechts mit einem Zug vom Bahnhof zur Herz-Jesu-Kirche aufbrach.
Die Jugend gedachte der Reichskristallnacht an diesem Tag und
die Stadt Singen und die Sportverbände eröffneten am
gleichen Tag ihre Sportausstellung im Rahmen des Stadtjubiläums.
Ein Glanzstück.
Einzelhandelsgutachten
bewegen alle Städte in der Region: Was ist innenstadtrelevantes
Angebot? Die Radolfzeller Repräsentanten von Handel und Gewerbe
wollen nun auch die Innenstadt attraktiver gestalten. Sie nutzten
die OB-Wahl zur eigenen Positionierung. Wenn sich Schokoladenseiten
wie der Gerber-Platz zu Magneten entwickeln lassen, gibt es dort
eine Menge Chancen. Singen wartet auf sein GMA-Gutachten zu den
Einzelhandelsflächen, Stockach hat nun sein Parkhaus in der
Oberstadt und lebt mit der Angst, die neuen Flächen am Bahnhof
könnten das Publikum abziehen. Aber dieses Parkhaus ist doch
genial: Welche Stadthalle in der Region hat wie die Adler-Post
ein solches Parkhaus nebenan? Die Leute sollten es nur mehr nutzen.
Familienverhältnisse
sind schwerer geworden. Die 40 Prozent Ehescheidungen im Kreis
sind wohl im Jahr 2000 nochmals getoppt worden. Die Jugend-und
Sozialämter sind offenbar weniger fit, als die kirchlichen
Beratungsstellen. Sie tragen inzwischen einen großen Teil
der sozialen Last im Kreis. Probleme kommen hinzu: Obwohl sie
keine Beratungsscheine zum Schwangerschaftsabbruch mehr ausstellen
dürfen, bieten die katholischen Beratungsstellen weiterhin
ihre Dienste an. Sie wollen einfach anderen Menschen helfen.
Gesundheitswesen
ist im Jahr 2000 im Kreis strittig geblieben. Das Hegau-Klinikum
Singen hat durch die Übernahme des Jugendwerks Gailingen
eine neue Qualität erreicht. Doch zwischen den Krankenhäusern
im Kreis läuft nur wenig. Das Land will eine Arbeitsteilung
zwischen Singen und Konstanz zumindest in den Bereichen Urologie
und Kinderklinik. Aber was für ein Theaterdonner kommt da
immer wieder aus Konstanz! Und dann die Herzklinik! Jetzt kommen
die Thurgauer durch die Hintertür und locken das Land zur
Akzeptanz für alle Kassenpatienten. Schließlich ist
Wahlkampf. Und der Allensbacher CDU-Landtagskandidat Andreas Hoffmann
steht inhaltlich voll für die Herzklinik. Jetzt braucht er
wenigstens einen Lichtschimmer aus Stuttgart. Wer braucht den
aber nicht?!
Hegauer
Selbstbewusstsein ist zum Faktor geworden. Viele Gemeinden definieren
sich auch kulturell neu. Die Alte Kirche in Volkertshausen ist
am Ende des Jahres nur vorläufiger Schlusspunkt einer schon
länger laufenden Entwicklung. Nachdem die Städte kein
Bauland in ausreichender Qualität zur Verfügung gestellt
haben, begann die Stadtflucht. Heute lebt das urbane Publikum
auf dem Dorf und schafft sich seine kulturelle Oase. Und politisch?
Auf der Nase herumtanzen lässt sich auch niemand mehr. Und
vor allem sind die Gemeinden enorm gewachsen: Rielasingen-Worblingen
liegt bei 12 000 Einwohner, Hilzingen hat im Jahr 2000 die 8000
erreicht.
Industriekapitäne
werden rar in unserer Region. Zum Glück haben wir noch Dietrich
H. Boesken, den nimmermüden Präsidenten der IHK. Mit
Wefa-Inotec feierte er in Singen dieses Jahr sogar noch Einweihung
im eigenen Unternehmen. Der Generationswechsel hat im Jahr 2000
die Alu kräftig erfasst, wo Dr. Gerd Springe nun auch als
Holding-Chef jetzt in den Ruhestand gegangen ist. Wie die neue
Manager-Generation mit der Region lebt, wird man sehen. Wir müssen
vielleicht auch mit ihnen lernen, dass vieles sachlicher geworden
ist. Auch der Umgang mit der Frage, ob eine Weihnachtsfeier ein
gesellschaftliches Ereignis sein kann.
Jugendsozialarbeit
ist in aller Munde. Und das beginnt in der Schule. Singen baut
diesen Zweig aus, Gottmadingen und Rielasingen folgen. Und Stockach
hat mit Marcel da Rin einen Stadtjugendpfleger gefunden, der da
ein gutes Händchen im Umgang mit Jugendlichen hat. Hoffentlich
lässt man ihm auch den nötigen Freiraum für seine
Arbeit. Zugleich hat der Kreis immer noch keinen Kreisjugendpfleger.
Tobias Zahn, Singener Gemeinderat der Grünen, zog die Zusage
nach seiner Wahl zurück.
Kreisumlage
ist seit vielen Jahren ein Reizwort. Nun wurden die Gemeinden
im Kreis kräftig entlastet. Bei 32,88 Prozent zogen sogar
die vier Kreisgemeinden, die gegen den Finanzausgleich im Land
geklagt hatten, vorübergehend zurück. Ernst war die
Lage in vielen Kreisgemeinden ohne jede Investitionsrate natürlich
schon. Doch bewahrheitet hat sich auch meine Grundposition, dass
man nicht jammern solle sondern sehen müsse, dass die Bewältigung
schlechter Finanzlagen eben zur Aufgabe eines Bürgermeisters
und damit zu seinem Job gehöre. Ist doch ganz gut gelaufen!
Oder nicht?
Leitkultur
war im Hegau in diesem Jahr das, was in Singen auf der Landesgartenschau
lief. SWR 4 bestimmte den Musikgeschmack. Lassen wir Mundart und
Musik so weiterleben wie bisher. Machen wir keine Wortspiele mit
Sonja Schrecklein mehr, die inzwischen Ehrenburgherrin der Konstanzer
TV-Niederburg geworden ist. Das ist halt alles real existierende
Leitkultur. Manchmal auch Leidkultur. Aber mit der Kultur ist
es ganz einfach: Wer sie vermisst, merkt es im Zweifelsfall nicht
einmal.
Mittelstandsvereinigung
hat einen Generationswechsel vollzogen. Und der neue Kreisvorsitzende
Harald Dreher wurde hinterher auch noch Singener Stadtchef der
MIT. Bewegen kann er zusammen mit seiner verjüngten Mann-und
Frauschaft bisher wenig, denn zwischen den Platzhirschen verlangt
ein eigenes Profil schon harte Kutteln. Und vielleicht auch einen
Mentor, der die anderen gewähren lässt.
Nahverkehr
ist in die Schlagzeilen gekommen: Die Bahn-Netz lässt die
eigenen alten Monopole nicht fahren. Altberechnungen der Bahn
belasten offenbar seit 1997 erheblich den Tarifverbund und lassen
den Kreis einfach zu viel zahlen. Oder sind es alle miteinander?
Der Kreis hat den Tarifverbund nur bis zur Jahresmitte 2001 verlängert
und will genaue Zahlen auf dem Tisch und diese dann überprüfen.
Wenn das keine gute Nachricht ist: Sollte sich der Nahverkehr
plötzlich viel besser rechnen?!
Obdachlosigkeit
scheint angesichts so vieler Häusereinweihungen und Klagen
über einen Wohnungsüberhang kein Thema mehr zu sein.
Dabei ist das Problem, das dahinter steht, unvermindert wichtig.
Wer in dieser Gesellschaft aus der Bahn geworfen wird, keine Scheckkarten
und keine Bankkonten mehr hat, der ist ohne Chance. Zum Glück
gibt es den Jakobushof in Böhringen. Doch die Existenz eines
Alibis darf das Thema nicht reif für die Ablage Papierkorb
machen.
Politik
sollte Spaß machen. Doch auch in diesem Jahr machte sie
oft nur verdrossen. Emotionen freigesetzt haben die Kandidatenaufstellungen
für den Landtag eigentlich nur bei der CDU. Veronika Netzhammer
hatte schon nach einer Wahlperiode mit Harald Dreher einen veritablen
Herausforderer abzuwehren. Und Andreas Hoffmann schaffte es in
Allensbach auf Anhieb gegen praktisch alle Repräsentanten
der Konstanzer Altlasten. Bei der SPD hat Susanne Sargk als Kreisvorsitzende
Bernd Karcher beerbt. Die FDP hat zum Glück die quirlige
Bundestagsabgeordnete Birgit Homburger. Und Hans-Peter Repnik?
Der feierte im Reichstag sein 20-Jähriges im Reichstag. Ihm
ist der Spaß durch die Spendenaffäre zeitweise kräftig
vergangen. Ein deftiges Jahr auch für den Spitzenpolitiker
in Berlin!
Querdenker
sind nicht mehr gefragt. Die Schröders, Teufels und Renners
geben den Ton an. Und dann läuft die Maschinerie. Zum Glück
gibt es in Markelfingen den Altennachmittag der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Da hatte Dr. Heiner Geißler wenigstens noch seinen Auftritt
an der Basis. Sonst sind die TV-Talks noch die einzige Chance
für unbequeme Leute. Zum Nachdenken!
Radolfzell
hat jetzt einen neuen OB. Nach 24 Jahren Günter Neurohr hat
sie dem Nachfolger Dr. Jörg Schmid eine gute Basis mit 78
Prozent gegeben. Ein leibhaftiger Sozialdemokrat marschiert künftig
beim Hausherrenfest voran. Das grenzt schon an ein Wunder in der
Stadt des Münsters. Manchmal wählen sich die Wähler
eben einfach frei! Und dann liegt es am neuen Mann, ob er sich
wieder einfangen lässt!
Stockach
ist auf dem Weg zum Mittelzentrum. Singen will jetzt Oberzentrum
werden. Im Vorfeld der Landtagswahl werden offenbar neue Prädikate
verliehen.
Da müssen sich alle dranhalten. Bürgermeister Rainer
Stolz war in Stockach eben der erste, der die Gunst der Stunde
erkannt hat. Traurig sind bisher die Rielasinger, die durch ihre
Nachbarschaft zu Singen nur als Kleinstzentrum eingestuft sind.
Und das bei diesem Wachstum!
Tourismus
hat durch viele Anstrengungen an Profil gewonnen. Die Landesgartenschau
hat den Hegau vielen bewusster gemacht. Kulinarische Aktionen
kommen hinzu. Dass die Reichenau nun zum Europäischen Kulturerbe
gehört, ist eine bedeutende Auszeichnung dieser geschichtsträchtigen
Region, die den Besuchern auch verstärkt vermittelt werden
sollte. Die Bodensee-Erlebniskarte hatte einen tollen Einstieg.
Und ich werde auch nie mehr schreiben, dass Uhldingen am "l;östlichen"l;
Bodensee liegt, wo die meiste Kritik am Konzept bis zum Ausstieg
herkam. Da kam harsche Kritik auf: So ist dies beim Tourismus
eben! Jeder hat seinen eigenen Suppentopf . . .
Unterricht
soll nicht mehr so oft ausfallen. Und vor allem so soll es eine
verlässliche Grundschule geben. Derzeit ist es wieder still
an der Bildungsfront geworden. Die Bildungspolitik wird zwar ein
großes Wahlkampfthema werden, doch im Detail ist es in unserer
Raumschaft fast gespenstisch ruhig geworden. Ein Ärgernis
bleibt der ungewisse Übergang nach der Mittleren Reife auf
die berufsbildenden Gymnasien. Viele Bewerber und wenige Plätze
gaben im Jahr 2000 richtig Knatsch.
Verkehrsverbindungen
bleiben ein schwieriges Thema. Zwar gab es im Landratsamt einen
hochkarätigen Work-Shop zu den einzelnen Verkehrsräumen
im Kreis mit guten Anregungen vor allem im ländlichen Raum.
Die Vernetzungen im ÖPNV sind nötig, um dann über
den Seehas an die größeren Netze zu kommen. Einen Aufschrei
kam einmal aus Tengen, doch dann wurde es auch wieder friedlich.
Dennoch müssen die Abläufe im Schülertransport
transparenter gemacht werden. Und das hat auch die Kommission
gesagt: Auch diese Busse müssen für alle ÖPNV-Nutzer
zugänglich sein.
Wirtschaftsförderung
war in aller Munde im Jahr 2000, jetzt haben wir wenigstens die
Marketing GmbH des Landkreises und 20 seiner Gemeinden. Bei keinem
Thema wurde bisher ein solches Null-Summen-Spiel betrieben. Auf
Absichtserklärungen folgten kaum Taten. Und weil das Thema
auch den kommunalen Würdenträgern jetzt zum Hals heraushängt,
haben sie gehandelt. Nur delegiert?
Xaver
Hintergruber wird nicht der Singener Gegenkandidat von Andreas
Renner am 9. September bei der OB-Wahl heißen. Die SPD will
niemanden aufstellen, sagte im Frühjahr SPD-Landeschefin
Ute Vogt im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Aber auch das kann
sich nach der Landtagswahl noch ändern.
Ypsilon
ist einmal mehr eine unüberwindbare Hürde. So als würde
man Schneemänner für die Landesgartenschau suchen.
Zeitgeist
hat uns alle fest im Griff. Entweder liegen wir IT-mäßig
voll im Trend oder wir steuern selbst unbewusst dagegen. Im anderen
den Menschen zu sehen, bleibt gerade wegen der Green-Card und
neuer Ökonomie auch ein Ziel für das Jahr 2001. Trotz
Treibhauseffekt ist es im Jahr 2000 manchmal erheblich kühler
geworden . . .
Silvester-ABC von WOCHENBLATT-Chefredakteur Hans Paul Lichtwald.

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