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Wir
sind unersättlich
Was
wir so alles in uns reinkriegen. Unser Bauch ist fast immer bereit
es aufzunehmen. Er bestimmt sogar unser Leben, dieser unersättliche
Teil von uns. Wir
stopfen etwas in uns hinein. Und wenig später ist es schon
wieder weg. Neuer Hunger macht sich breit. Wir verdienen Geld.
Wir wollen mehr Geld verdienen. Wir werden zu Aktienspezialisten,
weil der Hunger nach mehr größer geworden ist, zumindest
nach mehr Rendite.
Doch mit diesem Hunger lösen wir etwas aus. Denn die Aktien
müssen unseren Hunger stillen können, die Rendite steht
plötzlich über allem und wer sie nicht bieten kann,
stürzt ab. Für uns kann das ein kleiner Rausch sein,
dieser schnelle Gewinn. Nur unser »Bauch« verdaut
auch ihn recht schnell - und wir haben wieder Hunger. Wir haben
ein Auto - wir wollen ein schnelleres. Magenverstimmungen wie
etwa die Signale einer Ölkrise haben wir schon wieder »verdaut«,
es ging durch uns, aber wieder aus uns raus.
Wir haben Macht - wir wollen mehr davon haben, doch unseren Hunger,
der immer wieder kehrt verlangt nach Nachschub. Und trotzdem:
Diese Unbeständigkeit der Dinge, nämlich dass etwas
wieder aus »verschwindet«, hat uns Menschen zu Menschen
gemacht. Wie war das mit dem Hunger nach Wissen, mit dem Hunger.
Etwas besser zu lösen, als andere es getan haben? Wie wäre
es gewesen, wenn unsere Spezies schon statt gewesen wäre,
weil man entdeckt hätte, dass eine Höhle bei Regen schützt?
Unser Bauch regiert die Welt. Wir können uns eigentlich glücklich
schätzen, dass wir immer wieder Hunger haben. Auch mit beiden
Seiten unseres Hungers.
Oliver Fiedler

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