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Mutig ist wer Braten isst

»Seht, essen muß der Mensch, das weiß ein jeder, und was er ist, fließt ein auf all sein Wesen. Eßt Fastenkost und Ihr seid schwachen Sinns, eßt Braten {short description of image}und ihr fühlet Kraft und Mut«. So sprach Leon der Küchenjunge zu seinem Herrn, dem Bischof von Chalons gleich zu Beginn des ersten Akts von »Weh dem, der lügt«. Ein Lustspiel, das Franz Grillparzer Mitte der 30er Jahre im 19. Jahrhundert schrieb.
Tja, das waren noch Zeiten, damals im 19. Jahrhunderts, als Fleisch zwar rar und eine Kostbarkeit auf deutschen Mittagstischen, aber Fleisch dafür noch Fleisch war! Und Haustiere noch leben durften wie Tiere!
Kein BSE trübte den Gedanken an den saftigen Sonntagsbraten, das Wasser floss im Mund zusammen beim Anblick eines guten Stückes Rindfleisch, das dem Esser »Kraft« gab und »Mut«. Genüsslich ward´s verdaut, es freute sich der Bauch.
Heute würden wir jenen Esser als mutig bezeichnen, der unbedarft zum Rinderbraten schreitet, sein Steak zerkaut, ohne nach dessen Herkunft zu fragen. Verunsichert der Verbraucher, betrogen und verraten. Die Bauern leiden, die Gastronomie leidet, die Hausfrau leidet und der Esser. Nichts ist mehr sicher heut: Salmonellen bei Käfighühnerhaltung, Schweinepest in der Schweinemast, Hormone in der Kälberzucht und die Kühen leiden an BSE. Verrückte Kühe, verrückte Welt, denn Geld regiert, das zählt!
Und wer ist schuld? Vielleicht all jene, die zwar für Handys, Videos, Stereo und Fernseher, für Autos und Marken-Klamotten, für Urlaube in Übersee, für Diskothekenspaß und Zigarettenqualm viel Geld erübrigen können, nicht aber fürs Essen. Billig muß es sein, abgepackt, handlich und das möglichst jeden Tag.
Massentierhaltung macht´s möglich - wider die Natur. Da werden pflanzenfressende Wiederkäuer mit ihren zu Mehl zermahlenen Artgenossen gefüttert, wen stört´s? Keinen, so lange es ohne Folgen bleibt für den Verursacher und Verbraucher. Jetzt geht´s auch dem an den Kragen - und da knurrt vergebens der Magen.
Zeit zum Nachdenken und Umdenken, Gesund denken. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Laßt Tiere wieder Tiere sein und zahlt dem Bauern den gerechten Preis für Qualität und Arbeit. Muss es denn wirklich jeden Tag Fleisch sein?
Andrea Jagode, Vegetarierin seit 1983/84

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