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Los,
friß in Dich hinein!
Bäuche,
Bäuche, überall Bäuche, gar schmunzelnde und die
Sonne schauende, philosophierende und dichtende menschliche Wölbungen
umgeben mich hier. Mich, den Magen, ach so empfindsam, reagiere
ich doch auf die unterschiedlichsten Gemütsregungen meiner
Menschen. Doch
Empfindsamkeiten kann ich mir heutzutage kaum noch leisten, ansonsten
mein Überleben akut gefährdet wäre. Allzu viel
schlägt nach mir, meinem Menschen auf den Magen, macht mich
mürbe und anfällig. Die Hetze des Alltags, schneller,schneller,
immer rascher muß ich mich wechselnden Gegebenheiten und
Anforderungen anpassen, in meiner Nähe pulsiert das Herz,
der Motor allen Lebens, nimmt mich gefangen, treibt mich mit an,
zischelt: "l;Los, friss, in dich hinein, ohne zu schauen,
ohne zu klagen"l;. Oh Mensch, der du mich speisest mit
all dem Gederb, eine Schutzhülle mag ich mir umlegen, um
zu entgehen dem fiesen Geraune profilneurotischer Mitmenschen,
Besserwisser und Karrieresüchtiger, wildgewordener Parkplatzklauer
und drängelnder Menschen in der Supermarktschlange.
Herbe Schläge erleidet meine Verdauung durch schadhafte Lebensmittel,
rastlos hineingepfercht in mein seidenes Gewebe, um zu bestehen
den nächsten Tag. Werde ich 40, vielleicht 50, bevor mich
das erste Geschwür ereilt in dieser ach so ungeduldigen und
dennoch so wunderbaren Welt? Halte ein, Mensch, beruhige mich,
besänftige mich mit Streicheleinheiten, der Freude an den
kleinen Dingen, dem wohlgeordneten und durchdachten Nacheinander
der Alltagsbewältigung, ungeachtet der Neider und Antreiber.
Nimm es dir vor für das Neue Jahr.
Sabine Strantz

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