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Ein Bauch ist ein Bauch

Ein junger Bauch bekam eines Tages ein böses Bauchgrimmen, das gar nicht mehr aufhören wollte.
Da ging er zu einem Doktor, der sich die Sache auch nicht erklären konnte. Er schlug ihm aber vor, zwei kleine Löcher in den Bauch zu machen, um ihn zu {short description of image}untersuchen. »Mit diesen beiden Löchern kannst du sogar sehen«, sagte der Doktor halb im Scherz, »du wirst merken, wann die Sonne scheint und wann sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Und du wirst merken können, welche Menschen dir wohlgesonnen sind und welche dir Böses wollen«. Der Bauch konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie es ist, wenn man sehen kann. Eigentlich war er sehr neugierig auf das Sehen, aber beim Gedanken, dass der Doktor Löcher in ihn hineinbohren würde, ballte er sich so fest zusammen, dass es unmöglich war, in ihn hineinzustechen.
Erleichtert, aber auch etwas traurig, beschloss der Bauch nachzudenken. Weit kam er nicht, denn bald legte sich ein alter, weiser Bauch neben ihn, der ihn fragte, was los sei. Der junge Bauch erzählte, was passiert war. Er wünschte sich doch so sehr, die Menschen so kennen zu lernen, wie sie sind. Da lachte der alte Bauch tief und dröhnend und sagte: »Wenn es weiter nichts ist.«
Vorsichtig näherten sich die Hände seines Besitzers daraufhin dem jungen, zarten Bauch und massierten und streichelten ihn vorsichtig. Der Bauch entspannte sich und weg war auch das Bauchgrimmen. Später in seinem Leben lernte der junge Bauch, dass es weiche und raue Hände gab, die den Bauch pfleglich oder schroff behandelten.
Als der Bauch sich so unter der freundlichen Hand räkelte, erfasste ihn plötzlich ein Schauder und er bekam eine Gänsehaut. Eine Wolke hatte sich nämlich über die Sonne geschoben.
»Ich kann sehen«, lächelte der Bauch verschmitzt.
Angela Stadthaus

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