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* Mittwoch 27. Dezember 2001

Stadtapotheke in aller Munde

Radolfzell (aj). Mit einer beispielhaften Solidaritätsaktion hatte sich die Aktionsgemeinschaft in diesem Jahr für die alte Stadtapotheke stark gemacht und dafür gesorgt, dass die älteste Apotheke Radolfzells in aller Munde war. Für die Redaktion des WOCHENBLATTS ist diese Aktion der Radolfzeller Händler wahrlich das Ereignis des Jahres.

Der Grund für das außergewöhnliche Händlerengagement: Die traditionsreiche Apotheke an der Seetorstraße liegt am Eingang zur Altstadt. Mit der Renovierung und Neunutzung des Hauses ließe sich die Optik des Seetorplatzes verbessern und eine Belebung der unteren Altstadt erreichen. Ein neuer Treffpunkt könnte entstehen, hofft Helmut Villinger, reger Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft, und betonte bereits im Sommer, dass die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft dieses Vorhaben unterstützen würden, weil es der Attraktivität der Stadt dienlich sei.

Die Aktionsgemeinschaft begann im Rahmen des Altstadtfestes mit einem Gewinnspiel zugunsten der Stadtapotheke, das mit attraktiven Preisen aufwarten konnte. 6000 Lose zu je 5 Mark waren bis zur Schlussziehung im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntag »Musik uf de Gass« am 7. Oktober verkauft worden - 30.000 Mark für die Stadtapotheke. Der Hauptpreis, ein nagelneuer Renault Twingo im Wert von 18000 Mark, wurde zwar als einer der wenigen von insgesamt 130 gestifteten Preise nicht gewonnen, aber dafür am 25. November publikumswirksam versteigert - für nochmals 15800 Mark. Das WOCHENBLATT hatte sich vom Apothekenfieber anstecken lassen und spendete einen Teil des Anzeigenerlöses aus der Sonderveröffentlichung zum Altstadtfest dem Förderverein Heimatmuseum für die Stadtapotheke, aufgerundet waren das 5000 Mark.

Die Stadtapotheke war im April 2000 von der Stadt für eine Million Mark von der Vorbesitzerin Elfriede Erhardt gekauft worden. Der Verkauf wurde an die Bedingung geknüpft, dass die alte Apothekeneinrichtung - das sind das Offizin aus der Biedermeierzeit, die Kräuter- und Materialkammer auf dem Speicher sowie die Werkstatt - in ihrem jetzigen Zustand erhalten bleiben.

Das Konzept für die alte Stadtapotheke sieht einen Umbau des Gebäudes unter Belassung der Apothekeneinrichtung vor. Im Offizin wird ein Apothekenmuseum eingerichtet. Im ersten Stockwerk wird das Stadtmuseums untergebracht. Im zweiten Obergeschoss werden Ausstellungsräume für das Stadtmuseum geschaffen. Die alte Kräuterkammer auf dem Dachboden, die mit ihren hölzernen Dosen und Glaskolben an alte Apothekerzeiten erinnert, bleibt erhalten. Das zweite Dachgeschoss wird Lagerraum für das Stadtmuseum. Der Keller kann für Wechselausstellungen genutzt werden. Ein Museumshop und ein Tagescafé runden das Konzept ab. Das Museumscafé soll im neuen Anbau anstelle der Garage als schlichter Neubau entstehen und über 85 Sitzplätze verfügen.

Die geplanten Kosten für den Umbau betragen 2,9 Millionen Mark, maximal 750000 Mark sollen aus dem »städtischen Haushalt« kommen, 250.000 Euro sind im Haushalt für 2002 eingestellt. Der Rest soll über Fördermittel des Landes, Pachteinnahmen (Café), Verkauf städtischer Gebäude, Tourismus und durch die Mithilfe von Bürgern finanziert werden. Letztere waren schon fleißig wie ein Blick auf das Spendenbarometer an der Apotheke zeigt. Die letzte große Spende in diesem Jahr kam übrigens von der Sparkasse Singen-Radolfzell: Sie überreichte am vergangenen Freitag Oberbürgermeister Dr. Jörg Schmidt einen Scheck über 25.000 Mark. Das Barometer steht nun auf 100.000 Mark

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