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Wir landen in
der Beliebigkeit
von Hans Paul Lichtwald
Was brauchen wir Menschen zum Leben? Wir brauchen Freunde und Familie, wir brauchen Halt. Wir müssen wissen, wo wir unser Geld durch Arbeit verdienen. Wir brauchen in beiden Bereichen Sicherheit. Partnerschaft ist am Arbeitsplatz ebenso wichtig wie im Verein oder im Verbund des Freundeskreises. Alles selbstverständlich? Nein! Wir drohen in einen Sog der Beliebigkeit zu geraten. Und das kündigt sich seit einigen Jahren an. Die Kultur macht es vor: Sie wird Zug um Zug beliebig. Das Kunstprojekt zur Laga 2000 in Singen musste sich diesen Vorwurf gefallen lassen, seither wird es immer deutlicher: Es fehlen der geistige Halt und die Perspektive!
Ein allzu konservativer Ansatz? Kaum, denn es geht um Konsequenz. Was brauchen wir Menschen und was brauchen wir nicht? "l;Brot und Spiele"l; gab es im alten Rom, als es längst dem Untergang geweiht war. Und die hatten nicht einmal ein Privatfernsehen! Wir aber gucken nicht wie einst die Dinosaurier zu tief in die Kreide, sondern haben den Kirch längst zu lange verinnerlicht. Wir brauchen einen klaren Kopf und keinen Johannes B. Kerner, der dauernd etwas mit uns "l;klären"l; will. Schon allein seine Sprachschöpfung, die fast schon zum Wort des Jahres geworden ist (alle plappern es nach), ist eine Unverschämtheit!
Wir lassen unsere Sprache zur Beliebigkeit verkommen. Keiner weht sich dagegen, wenn Scientologen Ethik als Begriff für eine Gehirnwäsche mutieren. Über die reden wir eh nicht mehr, denn dann gibt es sie einfach auch nicht mehr! So einfach wird das alles. Wir brauchen keine verlogene Sprache mehr, die als Jugendsprache selbst über den Äther quillt. Wir brauchen Inhalte außerhalb von 190er Nummern und falscher Liebe. Bei dieser filmischen Pornowelt kann das älteste Gewerbe der Welt auch bald Konkurs anmelden.
Es klingt so altväterlich, ist aber real: Jean Jacques Rousseau forderte vor über 200 Jahren ein Zurück zur Natur. Wir brauchen heute einen Frieden mit ihr. Die Technik müssen wir nutzen, ohne die SMS-Neurose und ohne alle Wichtigtuerei. Wir brauchen keine falschen Propheten (auf allen Seiten) und keine Comedi-Stars, die hohlraumversiegelt sind. Wir brauchen den Blick für die Realität unserer Welt. Und ei dürfen wir uns von niemandem verstellen lassen! Auch nicht von Leo Kirchs Erben, denn die machen gnadenlos die Stimmung von morgen.

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