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*  Donnerstag 02. Januar 2003

Der Bürgermeister

Von Oliver Fiedler

Es gab eine ganze Menge zu tun für alle die Bürgermeister in der Region nach der Kommunalreform, denn die öffentlichen Gebilde mussten endlich die Infrastruktur schaffen, die man sich von einer Gemeinde wünscht. Neue Straßen, jede menge Wohngebiete, Kindergärten. Schulen, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Sporthallen. Öffentliche Versammlungsräume, Jugendzentren, Friedhöfe, Radwege oder gar kommunal geförderte Jugendzentren, Schwimmbäder, neue Rathäuser und Verwaltungsgebäude und jede Menge weiterer Maßnahmen galt es auf den Weg zu bringen. Das haben wir in den meisten Gemeinden in den meisten Fällen nun alles. Es ist klar: eine rund 40jährige Phase des Aufbaus, die mit ein Motor der Konjunktur unseres Landes war, sie wird so nicht weitergehen können. Erstens weil eben die Struktur in vielen Fällen eben schon steht oder vor der Vollendung ist. Und zweitens, weil auch das Geld in den kommenden Jahren ziemlich knapp wird. Unsere Bürgermeister waren so ziemlich alle ziemlich fleissig, denn sie haben die Mängel in der Gemeinde Punkt um Punkt abgearbeitet und aus Dörfern moderne Kommunen gemacht, in denen es in den seltensten Fällen noch an etwas mangelt. Da haben die Bürger als Steuerzahler beruhigt zusehen können. Was solche Dinge betrifft, werden die Bürgermeister in den nächsten Jahren nicht mehr so viel zu tun haben, da wird eher die Verwaltung und Erhaltung des Geschaffenen in den Vordergrund rücken. Es wird natürlich nicht so sein, dass sich die Bürgermeister nun einen Divan ins Amtszimmer stellen können, auf dem sie nun die Zeit totschlagen. Doch in Zeiten veränderter Rahmenbedingungen macht die Wirtschaft uns ein Kostenparmodell vor: die Fusion. Fusionen sind in der Wirtschaft ja fast schon Alltag geworden, und 30 Jahre nach der Kommunalreform hier in unserer Region müsste man vielleicht wirklich in dieser Hinsicht über neue Modelle kommunaler Verbände nachdenken, die auch den Öffentlichen Kassen helfen würden. Kosten zu sparen. Denn das ist ja überall die Devise. Brauchen wir die kleinzellige Struktur, die der Landkreis Konstanz derzeit noch bietet, in dieser Form noch heute? Sollte man ganz in Ruhe mal drüber nachdenken. Oder auch: wie viel Verwaltung wollen wir uns leisten?

Die andere Seite ist schon, dass uns der Fleiß der Bürgermeister auch ganz schön faul und träge gemacht hat. Die öffentliche Hand wurde stets gerufen und hatte den Bürger zu versorgen, Eigeninitiative gibt es da kaum noch, das zeigt sich auch an den Wahlbeteiligungen bei Kommunalwahlen oder Bürgermeisterwahlen. Doch die Zeiten leerer Kassen wird sich die Rolle des Bürgers stark verändern müssen, um geschaffene Standards halten zu können. Insofern gibt es da doch vielleicht eine neue Aufgabe für den Bürgermeister, denn er muss nun versuchen, seine Bürger wieder für das Engagement für das Gemeindwohl heranzubekommen, um damit Kosten zu sparen. Doch dazu braucht man den Titel eines Bürgermeisters auch nicht mehr unbedingt - der muss vielleicht in Zukunft ein Bürgermotivator werden. In den nächsten Jahren werden wir angesichts vieler notwendiger Reformen wohl über viele Dinge dieser Art nachdenken müssen.

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