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Verzicht wäre ein Verlust Von Simone Weiß
Stockach (sw). Weihnachten, Silvester, Neujahr, neues Jahr. Gelegenheit, die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Meist bleibt es nicht dabei. Meist schweift der Blick noch weiter zurück. Zurück zu vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Und dann kommt er, der Gedanke: Darauf hätte ich nun wirklich verzichten können. Auf jene schmerzlichen Erfahrungen, die das ganze Leben auf unerwünschte Weise durcheinander wirbeln und alles auf den Kopf stellen. Die einen mit Gewalt herauskatapultieren aus der so angenehmen Ruhe. Die einen zwingen, die gewohnte Bahn, die gewohnten Bahnen zu verlassen. Gern hätte man verzichten können auf all die Trennungen, Abschiede und Lebewohls. Auf die Lücke, die nach dem Tod eines geliebten Menschen bleibt, auf die Leere, die einen nach dem Ende einer Beziehung quält. Auch der Arbeitsmarkt und die derzeitige wirtschaftliche Lage sorgen für Situationen, auf die Betroffene gut und gern hätten verzichten können. Das Ausgebrannt-Sein nach dem Verlust eines Arbeitsplatzes, die Gefühle von Wut, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und Enttäuschung beim Erhalt einer Kündigung, die Angst vor der Zukunft, dem sozialen Abstieg, den finanziellen Gefahren. Das endlose Warten auf neue Jobangebote, Vorstellungsgespräche, viel versprechende Zeitungsanzeigen. Muss das denn wirklich alles sein? Hätte man darauf nicht verzichten können? Auf all die Kämpfe und Streitereien, die ermüdenden Auseinandersetzungen im Familienkreis, im Freundeskreis, mit sich selbst. Klar, darauf hätte man verzichten können. Quälereien waren das, unnötig, umsonst. Halt. Unnötig ja. Aber umsonst? Klar, was jetzt kommen muss. Dieses abgedroschene Gerede von der Charakterbildung in Krisenzeiten, der neuen Lebensfreude nach überwundenen Strapazen, dem überstrapazierten Morgenrot nach einer langen Nacht. Alles schon zu oft gehört. Sich schon zu oft darüber geärgert. Und doch: Es ist was dran. Sie sind wertvoll, die Erinnerungen an den geliebten Verstorbenen, sie sind lehrreich, die Erfahrungen aus schwierigen Beziehungen. Die Gedanken an die schlimmen Tage machen die besseren Zeiten noch besser. Zeigen, welche Kraft man im Bedarfsfall hat. Korrigieren die Erwartungen. Sorgen für mehr Zufriedenheit. Kann man auf die dunklen Stunden wirklich verzichten? Würde es dann noch helle geben?

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