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*  Donnerstag 02. Januar 2003

Duell um die Macht

Wer vertritt den Mittelstand politisch? Wenn Wahlkampf ist, dann sprechen alle vom Mittelstand. Er soll die Arbeitsplätze schaffen, die Großkonzerne abbauen. Wer aber spricht für den Mittelstand? Es sind die Kammern, deren politische Neutralität im Bundestagswahlkampf hier in der Region sensationell war. Und es ist die MIT, die Mittelstandsvereinigung der CDU, deren Landesvorsitzender bis vor wenigen Tagen der Singener Klaus E. Bregger war. In Friedrichshafen hatte er es im Sommer trotz der Herausforderung durch die Singener Landtagsabgeordnete Veronika Netzhammer noch einmal knapp geschafft, doch jetzt das Landesparteigericht die ganze Wahl für nichtig erklärt. Das Duell um die Macht hat Folgen für die Zukunft im Kreis. Feindschaften, die sich bei der letzten Kandidatenaufstellung der CDU im Wahlkreis Singen-Stockach gezeigt haben, sind noch vertieft worden. Dass Harald Dreher als damaliger neuer MIT-Kreisvorsitzender kurz darauf das Vertrauen seiner Wähler so schamlos in den Sand setzen würde, konnte zwar niemand ahnen. Für Veronika Netzhammer, über deren Schicksal das Votum von 13 Mitgliedern entschieden hat, war es eine späte Genugtuung, beharrlich auf die eigene Position zu setzen. Politisch hatte sich für sie eine Menge seitdem geändert. Als erfolgreiche Vorsitzende der Enquete-Kommission Mittelstand im Landtag hievte sie sich auf den Vorsitzendensessel im Wirtschaftsausschuss des Landtags. Spätestens seitdem vermisst sie die Klammer zum Thema Mittelstand im Land. Da geht der Vorwurf vieler schon länger an die Adresse von Klaus E. Bregger, zwar schöne Reden zu halten und die Gefühlslage seiner Mittelständler zu treffen, aber zu wenig für die Umsetzung in die praktische Politik zu tun. Das wollte Veronika Netzhammer alles besser machen, holte sich in Friedrichshafen aber erst einmal eine blutige Nase. Was aus der MIT im Land wird, weiß keiner. Die Landespartei und voran ihr General Volker Kauder, eben auch ein alter Singener, haben jetzt den schwarzen Peter, weil sie sich zu lange aus den internen MIT-Problemen herausgehalten haben. Wenn es eine verdeckte Parteienfinanzierung durch Breggers MIT-Verlag gab, dann haben alle längerfristig ein Problem. Schnell brauchen sie wieder einen Vorstand wie auch der Bezirksverband Südbaden, deren Vorsitzende Rompel nach Satzungsfehlern auch nicht mehr im Amt ist. Ein weiterer Singener wird gegen sie antreten: Wolfgang Hein, ein Mittelständler der jüngeren Generation. Alte Feindschaften müssen beseitigt werden. Die MIT kann kein Sandkasten für Machtspiele sein. Als Dienstleister verstehen sich so auch die neuen Vorsitzenden der MIT in Singen und im Kreis, Peter Schellhammer und Gerlinde Aap.

Hans Paul Lichtwald

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