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Rückblick der
Wirtschaft Wackelpartie bei TRW
Der Radolfzeller Standort von TRW hat ein Jahr mit unsicheren Perspektiven hinter sich. Zum einen wurde Ende 2001 verkündet, dass die Komponentenfertigung eingestellt werden muss, was einige Arbeitsplätze in Radolfzell kostete. Und dann kam im März die Nachricht, dass der Rüstungskonzern Northrop Grumman TRW übernehmen will. An der Sparte Automotive, zu der TRW in Radolfzell gehört, hatte der Rüstungsriese aber kein Interesse. Eine erlösende Nachricht kam erst Ende November. Die US-Investmentgruppe Blackstone wird TRW Automotive übernehmen und aus dem Rüstungskonzern herauslösen. Die offizielle Fusion zwischen TRW und Northrop Grumman wurde von beiden Aktionärsversammlungen am 11. Dezember 2002 beschlossen, der Weiterverkauf von TRW Automotive an die Blackstone-Gruppe solle im ersten Quartal 2003 erfolgen.
BKK Entwicklungen
Das Thema Krankenkassen war eines der heißen Eisen in diesem Wahljahr. Die BKK Fahr in Gottmadingen sieht sich als einer der großen Gewinner der augenblicklichen Problematik: mit den niedrigsten Beitragssätzen im Land konnten viele neue Kunden gewonnen werden. Der 50.000. Versicherte wurde im August offiziell begrüßt, die Zeichen wurden auf weitere Expansion gestellt, denn bis Ende 2003 will die BKK Fahr die Marke von 100.000 Versicherten übersprungen haben. Allerdings: im Herbst mussten gleich zweimal innerhalb von vier Wochen die Beitragssätze angehoben werden. Gegenwärtig wird eine Erweiterung der Geschäftsräume vorgenommen, die Zahl der Mitarbeiter soll auf 150 in 2003 ansteigen.
Zweimal musste auch die BKK Bodensee & Südwest mit Sitz in Singen in 2002 die Beiträge anheben und dann kam der Entschluss zur Fusion mit der BKK Zollern-Alb. Der Standort Singen soll hier als Landesgeschäftsstelle erhalten bleiben.
GF-Jubiläum
Der Georg-Fischer-Konzern konnte in 2002 das 200-jährige Jubiläum der Firmengründung durch Georg Fischer feiern. Das wurde an jedem der Standorte getan, auch in Singen, wo das LaGa-Gelände die festliche Kulisse für ein grandioses Fest der Mitarbeiter mit ihren Chefs wurde. Mit dem Jubiläum wollte der Konzern auch ein Symbol der Hilfe setzen. Die Aktionäre verzichteten auf eine Jubiläumsgratifikation, das Geld wurde in ein »Community Benefit« eingestellt.
In der Konzernleitung wird GF in 2003 einen Wechsel vollziehen: Martin Huber, seit 1992 Präsident, wird im Frühjahr als Präsident des Verwaltungsrats ins zweite Glied zurücktreten.
Schiesser baut ab
Eine historische Entscheidung wurde bei Schiesser Anfang dieses Jahres gefällt: mit der Ankündigung eines weiteren Stellenabbaus von 300 Stellen im Januar war auch die Konsequenz verbunden, dass Schiesser-Wäsche künftig nicht mehr in Radolfzell produziert wird. Die Näherei, die im Zuge vorheriger Umstrukturierungen noch von Engen nach Radolfzell verlegt wurde, sollte bis Ende des Jahres dann dicht machen. In Radolfzell sind nun noch die Bereiche Vertrieb und Entwicklung verblieben.
Allweiler unter Druck
Die Allweiler AG in Radolfzell, die zu 98 Prozent der Colfax-Gruppe (USA) gehört, hatte schon 2001 80 Stellen abgebaut, für 2002 wurde dann, trotz einer sehr guten Bilanz im August ein weiterer Stellenabbau von 80 Arbeitsplätzen angekündigt. Da machte aber der Betriebsrat gar nicht mehr mit und stellte sich quer. Nach langen Verhandlungen konnte der Stellenabbau deutlich minimiert werden. Im Dezember wurde bekannt gegeben, dass der Stellenabbau nun auf 27 Arbeitsplätze beschränkt werden kann. In der Pressemitteilung wurde das als die »Überarbeitung der Restrukturierungspläne« bezeichnet.
Hügli investiert
Der Radolfzeller Standort des Nahrungsmittelkonzerns Hügli konnte für 2002 ein gutes Plus verbuchen: nicht nur die Marke ist im Aufwind, es wurde auch kräftig für die Zukunft investiert.
Eine neue Mischlinie für die Rohstoffe wurde aufgebaut, eine neue Energiezentrale wurde ebenfalls geschaffen.
Maggis Kompetenz
Da hatten alle gedacht, Maggi wird immer kleiner in Singen. Doch der Chef des Standorts Singen, Volker Raach, hat das Unternehmen ziemlich fit gemacht. So fit, dass der Nestle Konzern die Entscheidung traf, das Kompetenzzentrum für die Neuentwicklung von Maggi- und Nestleprodukten aus dem inzwischen aufgelösten Mutterwerk in Kempthal nach Singen zu verlegen, was 150 hochqualifizierte Arbeitsplätze in die Region bringt. Nach der Entscheidung im Spätsommer wurden die Ärmel für die Planung und baurechtliche Genehmigung hochgekrempelt: im November gab der Singener Gemeinderat grünes Licht, Anfang Dezember war der symbolische Spatenstich. Im November 2003 ist das Gebäude fertig.
Alcans ALU-Glaube
Der Spaten konnte auch bei Alcan geschwungen werden. Allerdings nicht in Singen, sondern in Gottmadingen wo zur Einweihung von drei neuen Produktionshallen auf dem Gelände des Industrieparks Gottmadingen gleich der Baubeginn für drei weitere Hallen vorgenommen wurde, zwei weitere Hallen sind auf den Plänen bereits vorskizziert.
Die Investitionen, mit denen nicht nur Arbeitsplätze von Singen nach Gottmadingen verlagert werden, sondern auch neue entstehen, sind Zeugniss des Erfolgs von Alcan mit Alu-Bauteilen für die Automobilindustrie, wo wichtiges Terrain gewonnen werden konnte. In den nächsten Jahren ist eine Verdoppelung des Umsatzes mit Stoßfängern auf 200 Millionen US-Dollar vorgesehen.
Breyer konzentriert
Einweihung konnte im Frühjahr auch beim Maschinenbau-Mittelständler Breyer in Singen gefeiert werden. Das Unternehmen, welches auch in Rielasingen produzierte, hat das Unternehmen nun auf einen Standort in der Singener Südstadt konzentriert.
Knorrs Name
In Thayngen gab es so viele Jahre die »Knorr«, die Mitarbeiter dort, viele davon aus Deutschland, werden ihren Arbeitgeber wahrscheinlich auch weiterhin liebevoll so nennen. Doch offiziell gibt es den Firmennamen nur noch als Leuchtschrift auf dem Gebäude: der Standort Thayngen wurde zu »Unilever Bestfood Thayngen« umgetauft. -of-
Volksbank auf der Suche
Der Volksbank Konstanz-Radolfzell war seit der Fusionsentscheidung mit der Volksbank Steißlingen-Volkertshausen am 21. Mai 2001 kaum noch eine gute Stunde beschieden. Vorstandsvorsitzender Wilfried Luig, der mit eiserner Faust das Geldinstitut leitete, leistete sich einen Kahlschlag in Steißlingen. Aus einem Banksitz wurde eine Dorffiliale. Die Pleite eines Bauunternehmens in einem Konstanzer Stadtteil wurde ihm angelastet. Er hatte den Kunden unbedingt haben wollen, bis er mit seinem Privatvermögen haftete. Das wurde dem zum Verhängnis. Als ihn ein Gastwirt, den er zuvor ruiniert hatte, auch noch mit dem Taxi aus einer verfänglichen Situation abholen musste, war für die Konstanzer Gerüchteküche endgültig gesorgt. Im Juni 2002 wurde Luig suspendiert. Seine Stelle ist ausgeschrieben. Die Fusion mit Singen-Engen ruht seitdem. -li-
Fusion nicht lange überlebt
Die Geschichte der Bodensee Sparkasse Konstanz-Friedrichshafen ist kurz, aber voller Überraschungen. Als die Sparkasse Singen-Radolfzell mit Überlingen fusionieren wollte, schnappte sie die Sparkasse Friedrichshafen dem badischen Partner mit Kreistagsbeschluss vom 13. November 2000 vor der Nase weg. In Singen war OB Andreas Renner sauer - und das hatte Folgen für die Männerfreundschaft mit seinem Konstanzer Kollegen Horst Frank. Der nächste Schlag folgte: Nach dieser Fusion zum 1. April 2001 kam die Fusion mit Konstanz bereits zum 1. Januar 2002. Damit war eine Konstanzer Kreislösung endgültig nicht mehr möglich. Eine Bank mit acht Milliarden Mark Bilanzsumme war entstanden.
Wer da dicke Backen machte, wurde schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt: Am 11. Oktober 2002 durfte Vorstandsvorsitzender Hermann Kley sein Büro samt seinem Kollegen Rainer Sautter räumen. Unregelmäßigkeiten werden ihnen vorgeworfen. Im Raum steht der Vorwurf, die vorherigen Fusionen wären durch finanzielle Entgegenkommen zustande gebracht worden -li-

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