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Visionen auf der finanziellen Zeitachse FAls Ottmar Kledt vor über neun Jahren Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen wurde, war die Ortsumfahrung bereits ein heftiges Streitthema gewesen. Durch ein noch zu erstellendes Gutachten hatte man es damals aus dem Wahlkampf herausgehalten. Heute steht das Thema trotz Gutachten weiter im Raum, in der mittelfristigen Finanzplanung ist derzeit kein Platz dafür. Wer Straßen bauen will, braucht einen langen Atem, das haben die Singener Nachbarn mit ihren beiden Autobahnzubringern erleben müssen. Visionen darf man aber haben. Und dafür gibt es in der Doppelgemeinde eine Menge Themen, die derzeit aber fast alle an der Finanzsituation scheitern.
Rielasingen-Worblingen ist jetzt zum Jahresende 2002 schuldenfrei gewesen. Dabei liegen eine Menge Aufgaben hinter der Gemeinde. Der Gemeinderat hat das Wachstum angenommen und die Kindergärten konsequent erweitert. Da herrscht auch ein guter Konsens in der Gemeinde, dass die Zukunft der Kinder Vorrang haben soll. Deshalb ist mit der Erweiterung der Ten Brink Schule auch bereits begonnen worden, zwar erst mit Erdarbeiten, doch ein Signal ist es allemal.
Zu den Visionen gehört die Ausweitung eines riesigen Sportareals drunten in der Talwiese. Wer hier gerade die Atmosphäre beim Reitturnier erlebt, kann sich diesen attraktiven Treffpunkt gut vorstellen. Die 400-Meter-Bahn für Leichtathleten wird als erste Maßnahme kommen. Dann wird Mitte 2003 die Entscheidung anstehen, ob die Sporthalle 2004 in Angriff genommen werden kann. Die Steuerschätzung im Mai 2003 wird dafür entscheidend sein. Warum die Vorsicht, wenn die Gemeinde keine Schulden hat? Eine Vergleichszahl mag es verdeutlichen: Rielasingen-Worblingen hat ein Viertel der Singener Einwohnerschaft, aber nur ein Zwanzigstel des Gewerbesteueraufkommens! Da muss Kämmerer Siegfried Murzin haushalten.
Die Hallensituation ist in der Doppelgemeinde inzwischen dramatisch. Die Rosenegghalle muss dringend saniert werden, in ihr kann man höchstens noch Fastnacht feiern. Aber vor 2006 dürfte dafür kein Geld vorhanden sein. Die Sporthalle wird von vielen sehnsüchtig erwartet. Die Frage ist nur, auf welche Fitness-Szene im Hegau sie 2005 trifft? Die letzten zwei Jahre waren die Jahre der Fitness-Center, die mächtig erweitert und modernisiert haben. Wird die Bindung an den Verein und den eigenen Wohnort halten? Ist Fitness dann noch eine öffentliche Aufgabe?
Heftig diskutiert war 2002 die Frage, ob das Worblinger Freibad nicht zum Naturbad umgestaltet werden könnte. Die ökologischen Herzen schlugen schon höher, als die Abwägung der Risiken einsetzte: Was wäre, wenn das ökologische Gleichgewicht durch gefährliche Krankheitserreger gestört wäre? Bevor die Grundentscheidung getroffen werden konnte, wurde sie auf die lange Bank geschoben. Vor 2005 wird nun nichts mehr passieren. Was sich bei der Diskussion aber gezeigt hat, ist das gewachsene Gefühl für das Wohnumfeld in der Doppelgemeinde. Öffentliche Einrichtungen sollen auf den Bedarf der Bürger zugeschnitten sein.
Hans Paul Lichtwald

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