Jahresrrückblick 2002
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*  Montag 29. Dezember 2003

Dagegen sein reicht nicht ...

Öhningen. Um es einmal bös zu formulieren: Der Künstler Tom Leonhardt ist einer vom Trupp der Quertreiber, die die auf der Brühlwiese geplante Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes (offensichtlich erfolgreich) verhindert haben. Gegen den erklärten Willen des Rates, der sich ein Marktgebäude unterhalb der denkmalgeschützten Klosteranlage nach anfänglicher Skepsis doch noch vorstellen konnte, gegen die wirtschaftlichen Interessen von Investor und Betreiber haben sich im Frühjahr 2002 ein paar Leute zusammengetan mit dem Anliegen, »etwas zu bewegen«. Dabei ging ihr Engagement zunächst von einem klaren »Nein!« aus. »Kein Markt auf der Brühlwiese!« lautete die unmissverständliche Forderung der um die Wahrung des Ortsbildes besorgten Bürger. Dass die Frage der Nahversorgung mit einem schlichten »Nein!« nicht zu beantworten sein würde, war der Gruppe um Tom Leonhardt freilich von Anfang an klar. Schließlich warten die Öhninger seit der Schließung des Kaufhauses Ritzi vor mehr als zwei Jahren auf eine Besserung der örtlichen Nahversorgung. Wie freilich die Lücke zu schließen sei - diese Frage bietet durchaus Stoff zu Meinungsverschiedenheiten. Während der Rat schon frühzeitig für eine große Lösung (Lebensmittelmarkt mit 700 Quadratmeter Verkaufsfläche) votierte und sich darin durch eine Bürgerbefragung im Mai dieses Jahres bestätigt sah (66 Prozent der Abstimmenden entschieden sich für den Markt vor dem Kloster), sind die Kritiker dieser Entscheidung davon überzeugt, dass die große Lösung vor der Schokoladenseite des Ortsbildes nicht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sein kann. Ein Markt dieser Größe, so ihre Argumentation, würde die Kaufkraft von ganz Öhningen binden und auf die der anstoßenden Grenzregion auch noch spekulieren. Dies würde zwangsläufig das Aus für die vorhandenen Einzelhandelsstrukturen (Bäcker, Metzger etc.) bedeuten. So plädieren sie für eine (kleinere) Lösung an einem ortsbildverträglicheren Ort (Poststraßenareal). Die übergeordneten Behörden haben sich ihrer Sicht der Dinge zumindest in der Standortfrage angeschlossen. Und jetzt? Für Tom Leonhardt ist entscheidend, dass Rat (und Bevölkerung) endlich in die Strukturdebatte einsteigen, um die man bisher einen Bogen gemacht hat. Wer für einen großen Markt stimme, müsse sich vorher über die Auswirkungen dieser Entscheidung Gedanken machen. Die Frage der Dorfentwicklung dürfe nicht dem mehr oder weniger guten Konzept eines Investors überlassen bleiben. Der verfolge schließlich, mit Fug und Recht, ausschließlich die eigenen wirtschaftlichen Interessen. »Welche Vorstellungen haben wir denn selbst von der Entwicklung unseres Lebensraums? Es ist unsere Aufgabe, ihn zu gestalten!« Und wenn behauptet werde, eine kleine Lösung sei nicht konkurrenzfähig: wer garantiere denn für die große? Die spekuliere mit den Schweizer Kunden, obwohl doch alle wüssten, dass die Schweizer bei ihrer Fahrt über die Grenze die Discounter streng im Blick haben. Leonhardts liebste Lösung wäre die, bei der die Entscheidungsträger endlich erkennen, dass »Phantasie und Verantwortung gerade im Bereich der Nahversorgung von den Politikern gefordert sind. Ich bin überzeugt davon, dass eine Lösung, die sich auf bürgerschaftliches Engagement gründet und die auf die bestehenden Strukturen Rücksicht nimmt, die langfristig tragfähigste ist. Wir müssen akzeptieren, dass wir mit unserem Kaufverhalten für die Existenz unseres Dorfladens verantwortlich sind«. Sind das nur schöne Phantasien? Kann nur die Marktwirtschaft alles richten? Die Frage der Nahversorgung wird das Dorf auch das nächste Jahr noch in Atem halten. Anne Overlack

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