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»Wir haben getan, was wir konnten« Radolfzell. Die Stadtwerke waren das Thema des Jahres schlecht hin. Viel wurde geschrieben, diskutiert und gestritten, um Meinungen und Mehrheiten gerungen. Die Kernfragen lauteten: Sollen die Stadtwerke allein bleiben oder einen Partner suchen? Wenn ja, welchen - soll es ein kommunaler Verbund sein oder ein großer Konzern? Der Weg bis zum Ergebnis war steinig und auch umstritten.
Letztlich blieb es beim Beschluss: Am 19. November votierte der Gemeinderat mehrheitlich für einen Anteilsverkauf der Stadtwerke an die Thüga. 51 Prozent blieben bei der Stadt, 49 Prozent gingen an die Thüga. Der Verkauf resultierte aus dem Wunsch, das Gasnetz dazu zu bekommen. Es war die Aufgabe von Stadtwerke-Geschäftsführer Rudolf Trapp, dies in die Wege zu leiten - was er auch auf seine Weise tat. Dass er selbst zum Jahresende in die Schlagzeilen geriet, gehört zu den weniger schönen Seite des »Topthemas Stadtwerke«.
Erfreulich ist dagegen das Engagement der Bürger. Vielen war es nicht gleich, was mit ihren Stadtwerke passieren soll, sie taten sich zusammen, sammelten Unterschriften, informierten und bewirkten einen Bürgerentscheid. Dass am Ende gute 500 Stimmen fehlten, findet Klaus Ohnacker, Sprecher der Bürgerinitiative »Pro Stadtwerke«, schade. »Wir haben getan, was wir konnten«, blickt er auf das Jahr zurück, am Ende habe man »ein respektables Ergebnis« erzielt. Man sei an der hohen baden-württembergischen Hürde von 30 Prozent gescheitert, bedauert Ohnacker, aber: »Damit muss man leben«. Ein Nachkartern gebe es nicht.
Was ihn gefreut hat, war die große Resonanz auf die Bürgerinitiative. Ohnacker gehörte zu den Initiatoren. Die BI »Pro Stadtwerke« hatte sich vor den großen Ferien gegründet. Schon beim ersten Treffen seien über 40 Personen dabei gewesen! Persönlich habe er die Zeit vom Juli bis Oktober als »sehr anstrengend empfunden«, da habe viel Arbeit dahinter gesteckt. Zugleich sei es eine »sehr fruchtbare Zeit« gewesen. Der ehemalige Stadtrat erklärt, er sei erstaunt und begeistert vom großen »Sachverstand der Bürger« und der »Energie«, die sie in die Sache gesteckt haben. Die spontane Bereitschaft der Menschen, mit zu helfen und Unterschriften zu sammeln, sei toll gewesen, deshalb wolle er einmal all jenen danken, die im Hintergrund dafür gesorgt hätten, dass es überhaupt soweit kommen konnte.
Erfreulich war für ihn auch, dass in der Bürgerinitiative Menschen jeglicher politischer Couleur, aber auch Parteiunabhängige sich engagiert hätten. Sie alle waren der Überzeugung, dass die Privatisierung der falsche Weg sei: »Man hätte gut alleine leben können«, so Ohnacker. Das »Gut Wasser« sei in der kommunalen Hand besser aufgehoben. Die Notwendigkeit, das Gasnetz zu kaufen sieht er nicht.
»Wir waren zu klein und zu früh« resümiert das Grüne-Mitglied - und blickt nach Ulm, wo einer Privatisierung vom Kartellamt ein Riegel vorgeschoben war. Aus so etwas lerne man. Überhaupt habe er in dem Prozess viel dazu gelernt - auch das wertet Ohnacker für sich als positiv. Für die Zukunft hofft er, dass die Entwicklung der Stadtwerke »trotz Thüga« positiv verlaufe und dass auch ökologische Aspekte nicht zu kurz kommen. Das Geld aus dem Anteilverkauf würde er am liebsten auf ein Sonderkonto tun - damit man sich einmal später von der Thüga frei kaufen könne, wenn man feststellt, dass diese Ehe nichts war. -aj-

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