Jahresrrückblick 2002
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*  Montag 29. Dezember 2003

Die gesunde Mischung macht´s

Radolfzell. »Stadtentwicklung« - Ein häufig zitiertes Wort in diesem Jahr. Kaum ein Termin, kaum eine Rats- oder Ausschusssitzung, wo dieses Wort nicht fiel. Für viele blieb der Begriff dennoch vage, da theoretisch. Doch nun soll aus der Theorie Praxis werden, verspricht Oberbürgermeister Dr. Jörg Schmidt. Schmidt ist der Initiator des Stadtentwicklungsprozesses. Schon im Wahlkampf im Jahr 2000 sei ihm aufgefallen, dass in der Stadt »heterogene Vorstellungen über die Zukunft der Stadt« bestünden. Das Ziel - »In welche Richtung sollen wir uns entwickeln?« - sei unklar gewesen. Dann, als Oberbürgermeister, habe er feststellen müssen, dass bei jeder Baustelle, bei jeder kleinsten Einzelmaßnahme wieder die Diskussionen aufgekommen seien: »Wo stehen wir, wohin soll´s hingehen?« Das Ziel sei jetzt klarer - dank des Stadtentwicklungsprozesses. Der OB glaubt in »einer gesunden Mischung« liegt die Zukunft Radolfzells. Radolfzell werde nie der Tourismusstandort schlechthin werden oder der große Gewerbestandort oder die absolute Einkaufsstadt. Man habe in jedem Bereich etwas, womit man sich von anderen abhebe - und diese Stärken gelte es weiter zu entwickeln. Schmidts Credo lautet: »Qualitätsvolle Entwicklung in allen Bereichen«. Der Stadtentwicklungsprozess wurde in 2003 eingeleitet, die erste Phase war im Dezember 2002 mit dem ersten Bürgerforum beendet. Ein Jahr später sind die Vorarbeiten nun abgeschlossen. Jetzt geht es an die Umsetzung einzelner Projekte. Die Leitprojekte wurden im Spätherbst gemeinsam mit dem Gemeinderat definiert, sie sollen mit Partnern und Investoren zusammen realisiert werden. Zu den Leitprojekten zählen die Bebauung des Gerberplatzes (der Investor steht Gewehr bei Fuß), die Folgenutzung Schiesser (mit Hesta als Partner), die Seeanbindung der Altstadt und die Entwicklung im Herzen (hier verwirklichten Investoren den ersten Baustein, die Saunalandschaft). Auf Rang 5 und 6 der Prioritätenliste stehen der Seesteig und die Weiterentwicklung des Mettnauparks. Im Herzen, freut sich der OB, habe sich nach jahrelangem Stillstand schon einiges getan: Die Neuordnung der Vereine ist geglückt und der See und das Ufer werden dort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für das geplante Factory Outlet Center auf dem Schiesser-Areal läuft derzeit ein Raumordnungsverfahren. Das Ergebnis des ersten Gutachtens (Frage: »Wie wirkt sich das FOC auf die Raumschaft aus?«) liegt vor, eine negative Auswirkung auf die anderen Städte des Landkreises sei nicht zu befürchten. Ein zweites Gutachten prüft derzeit, wie sich das FOC auf den Einzelhandel in der Innenstadt auswirkt, das Ergebnis liegt Anfang nächsten Jahres vor. Um den »neuen« Jahrhundertbau sowie das Postareal zur Erfolgsstory zu machen, sei es wichtig eine »attraktive Anbindung an die Innenstadt« zu schaffen, erklärt der OB. Der Kaiserpassage käme eine »Trittbrettfunktion« zu, in ihre zukünftige Ausgestaltung sollen die Ergebnisse aus dem Ideenwettbewerb einfließen. Zur Stadtentwicklung gehören auch der Umbau der Stadtapotheke und der Campingplatz Markelfingen - beides Aufgaben, die »sowieso angestanden seien«, deswegen wollte sie der OB aus dem regulären Haushalt stemmen und nicht die Thüga-Millionen antasten. Das Geld aus dem Teilverkauf der Stadtwerke soll für Aufgaben verwendet werden, die man sich sonst nicht leisten könne - der OB denkt da an die Seeanbindung. Um diese zu schaffen, bedarf es allerdings wesentlich mehr Geld, Schmidt hofft hier auf Investoren. Übrigens: Die Seeanbindung ist bereits heute nicht nur bloße Utopie, denn nach Jahren des Stillstands bewegt sich die Bahn auf die Stadt zu. Der OB sieht »eine reelle Chance« an das Gelände, sprich Bahnareal, zu kommen. Stadtapotheke, Gerberplatz und Folgenutzen Schiesserareal sind die Projekte, die das kommende Jahr dominieren werden, dazu kommt als ein Baustein der Stadtentwicklung die Einweihung der neuen Mettnau-Grünbrücke. Am Hausherrenfest wird sie nutzbar sein - die Prozession darf wieder marschieren! Für das Jahr 2004 wünscht sich der OB »genug Geld und Phantasie für die Projekte der Stadtentwicklung und für ihre Umsetzung«. Andrea Jagode

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