|
Am Aachbad hängen die Herzen Lange war unklar: Kann sich Singen überhaupt eine Sanierung des Aachbads leisten? Als dann plötzlich Geld da war, brachen alle Dämme in der Stadt. 3,5 Millionen Euro sollten die Grenze sein. Und um den Bau möglich zu machen, sollte 2003 geschlossen bleiben, um Kosten zu sparen. Das Becken sei nicht dicht, die Rohre durchgerostet: Unter 50 000 Euro sei nicht zu sanieren.
Eine Bürgerinitiative trat auf den Plan: Kampflos wollten sich vor allem die Mütter das Aachbad für einen Sommer lang nicht nehmen lassen. Die zündende Idee hatte Anita Leitner: Sie richtete ein Spendenkonto ein und setzte damit Oberbürgermeister Andreas Renner und den Gemeinderat massiv unter Druck. Aus dem Briefkastenschlitz an der Rathaustüre wurde urplötzlich der Schlitz einer Sparbüchse. Die Rathaus-Hausmeister wurden zum Beschützer eines bürgerschaftlichen Schatzes.
Was tun mit dem Geld? Oberbürgermeister Andreas Renner wurde vom Saulus zum Paulus: Während er im Aachbad für die Neubaumaßnahme warb, spürte er den Unwillen der Leute, ein Jahr lang auf das Aachbad zu Gunsten der Sanierung zu verzichten. Zudem gingen Sachspenden von Firmen ein. Die Bugwelle riss alle Bedenkenträger weg. Das Aachbad 2003 war gerettet.
Was wäre der Jahrhundertsommer in Singen ohne das Aachbad gewesen?! Die politische Katastrophe war abgewendet. Doch mit der Kostenehrlichkeit war es nicht so weit her. Auf 3,5 Millionen Euro war die Sanierung im Gemeinderat gedeckelt worden. Aber da war das Kinderbecken noch nicht enthalten. Das kam im Herbst durch die Hintertüre wieder auf den Ratstisch. Durch die Ausschreibungen hatte man inzwischen 200 000 Euro eingespart. Warum sollte da der Gemeinderat nicht weich werden?! Man gönnt sich ja sonst nichts.
Inzwischen ist auf der Baustelle im Aachbad Richtfest gefeiert. Eine halbe Million Euro werde eingespart, sagte OB Andreas Renner. Die anwesenden Gemeinderäte schienen sprachlos zu sein. Kann man dann mit dem Gewinn aus dem Aachbad schon die halbe Stadthalle in Angriff nehmen?! Plötzlich war alles wie im Märchen: Irgendwelche Finanzquellen versiegen nie. Oder gibt es hinter dem Aachbad noch einen Dukaten-Esel, ein Relikt vom alten Zäh?
Hans Paul Lichtwald

|