|
»Ich liebe Herausforderungen« Hinter seinem Schreibtisch hängt ein abstraktes Werk seines Bruders. Zuhause, am Engener Marktplatz, schaut Joseph Beuys von der Wand und die Stube ziert eine gotische Skulpur.
Für Velten Wagner scheint es keine passende Schublade zu geben. Klischees greifen ins Leere. Lieber geht er neue, unkonventionelle Wege. Auch wenn die ein größeren Risiko bergen und unbequemer sind.
Dr. Velten Wagner ist seit 1. Juni diesen Jahres Kultur- und Museumsleiter der Stadt Engen. Seine Feuertaufe, so sein Dienstherr, Bürgermeister Johannes Moser, bestand der 41-Jährige mit der »Ungarn-Ausstellung«, die noch von seinem Vorgänger Dr. Brunner in die Wege geleitet wurde.
Erst danach begann der promovierte Kunsthistoriker der lokalen Kulturszene seine eigene Richtung zu geben. Mit viel Begeisterung und Mut zum Risiko stürzt er sich in seine neue Aufgabe, im Hegau - und in Engen speziell - die Lust auf Kunst zu wecken. In Bewegung bleiben, Neues entdecken, Reaktionen provozieren - das sind Herausforderungen, »die liebe ich«, sagt Velten Wagner und grinst. Eine seiner Hauptaufgaben sieht er darin, die Leute neugierig zu machen. Ihre Sinne anzuregen und sie zu aktivieren. »Man wird sich daran gewöhnen müssen, die Kunst nicht als eine bierernste Sache anzugehen«, so der Engener Kulturchef und bietet einen Ausblick: Ab 2. Februar ist eine Ausstellung von Jan Peter Thorbecke vorgesehen, die eine Synthese aus sinnlich-koloristischer Tradition und modernem Lebensgefühl vermittelt. Im Sommer soll der Schweizer Urs Stadelmann mit seiner »Afrikanischen Schweiz« für Spannung sorgen. Besonders freut sich Velten Wagner auf ein Wahrnehmungs-Abenteuer Ende 2004 unter dem Titel »Mit Händen sehen« in Kooperation mit der städtischen Stubengesellschaft. Abenteuer klingt gut und ist ganz nach dem Geschmack von Velten Wagner. Doch darüberhinaus hat er in seiner Funktion als Kulturamtsleiter alle Hände voll zu tun: Eiszeitpark, Bibliothek, Marionettentheater, Sommernachtskonzert und vieles mehr gilt es zu planen und koordinieren. Doch gerade diese Vielfalt mache ihm Spass. Deshalb werde Engen für ihn auch keine Übergangsstation sein - »dafür habe ich viel zu viele Ideen«. Und es gefällt ihm im Hegau. Nicht nur die sanft-herbe Landschaft, auch die Menschen liegen ihm: »Die sind so selbstverständlich freundlich und herzlich«.
Selbst durch den momentan notwendigen Sparkurs, der natürlich auch die Kunst- und Kulturszene trifft, läßt sich Velten Wagner seine Laune nicht vermiesen: »Diese Kürzungen sind auch eine Chance für neue Wege«. Dabei denkt er an Netzwerke mit anderen Museen, an die Vermarktung von Kunst und die Einbindung regionaler Künstler. Und eines ist immer erwünscht: Provokation und Neugierde. - mu -

|