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20.08.12

Bodman-Ludwigshafen: Im Wasser zu Hause

Kirsten Seidel schwamm von Bodman nach Bregenz

Kirsten Seidel schwamm von Bodman nach Bregenz.swb-Bild: Weiß

Kirsten Seidel schwamm von Bodman nach Bregenz.swb-Bild: Weiß

Bodman-Ludwigshafen (sw). Sie war geschafft, denn sie hatte viel geschafft. Nicht alles, was sie sich vorgenommen hatte. Aber immer noch genug. Kirsten Seidel aus Dresden legte 78 Kilometer von Bodman-Ludwigshafen bis Bregenz schwimmend zurück. Die 47-Jährige war am Samstag, 18. August, um 14.40 Uhr im Strandbad in Bodman gestartet, war dann 36 Stunden permanent im Wasser gewesen und kam gegen 3 Uhr am Montagmorgen, 20. August, in Bregenz an, teilt ihre Begleiterin Anett Juhrs mit.

 

Ursprünglich hatte Kirsten Seidel noch weitere Etappen nach Konstanz und Stein am Rhein und damit insgesamt eine Strecke von 136 Kilometern zurücklegen wollen, doch das war wegen der starken Strömung nicht möglich gewesen. Dadurch, so Anett Juhrs, hatte sich die Ankunft in Bregenz, die ursprünglich am Sonntag, 19. August, zwischen 10 und 12 Uhr geplant gewesen war, verzögert. Auch von der Logistik her, wegen der Begleitfahrzeuge und der DLRG, wäre eine Fortführung des Schwimmabenteuers nicht sinnvoll gewesen: »Ich wollte, dass sie als Siegerin aus dem Wasser steigt und das hat sie geschafft. So ist es keine Umrundung, sondern eine Durchquerung geworden.«

 

Kirsten Seidel wurde nach ihrer Ankunft zunächst vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht, wo sie die Nacht über blieb. Doch es sei alles in Ordnung, die Sportlerin sei fit, berichtet Annet Juhrs im telefonischen Interview. 

 

Kirsten Seidel ist hart im Nehmen, denn die Mutter zweier erwachsener Söhne hat einen starken Willen. 80 bis 90 Prozent ihrer Leistung schiebt sie auf die mentale Ausrichtung, nur zehn Prozent seien der Physis geschuldet. Ihre erste Aktion nach dem Aussteigen aus dem Wasser war ein Gespräch mit einem Fernsehsender. Für Erschöpfung war sie viel zu aufgedreht: Sie hatte Adrenalin pur im Körper, erklärt Annett Juhrs. Sportlerin und Begleitung werden noch eine Nacht am Bodensee verbringen und dann am Dienstag, 21. August, nach Hause nach Dresden fahren. Das Wichtigste ist dann: »Erst einmal zur Ruhe zu kommen und das Erlebte zu verarbeiten«. Doch den Badeanzug legt Kristen Seidel noch lange nicht in die Ecke. Ihr großes Ziel ist der Ärmelkanal.

 

Kirsten Seidel hat sich intensiv und gewissenhaft auf ihre Bodenseetour vorbereitet - war in den letzten sechs Wochen täglich zehn Kilometer geschwommen. Sie hat Erfahrung im Langstreckenschwimmen, denn im August 2006 packte sie die etwa 553 Kilometer lange Strecke zwischen Dresden und Hamburg in zehn Tagen und hat sich so als »Elbschwimmerin« einen Namen gemacht. Vier mal hatte sie den Bodensee schon ins Visier genommen, das Unternehmen dann aber wegen schlechten Wetters wieder abgesagt. »Bei schlechtem Wetter zu schwimmen, wäre unverantwortlich«, erklärte die Frau, die als selbstständiger Mental-Coach im Sport- und Businessbereich arbeitet, in einer Pressekonferenz vor dem Start. 

 

Die sportliche Leistung war für sie eine Herausforderung, doch sie tat es auch für den guten Zweck. Der Schwimmmarathon erfolgte zu Gunsten von krebskranken Kindern. Kirsten Seidel sucht für jeden Kilometer, den sie geschafft hat, Sponsoren, Unternehmen und Privatleute, die ihn mit 70 Euro vergolden. Das Geld wird ihren Worten zu Folge an den Verein »Sonnenstrahl« in Dresden weitergeleitet. Er setzt sich für Tumorpatienten im Kindes- und Jugendalter ein. 

Mehr Infos unter www.elbschwimmerin.de oder bei Kirsten Seidel unter info@elbschwimmerin.de. 

Von: Simone Weiß



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