29.11.09
Kein Bildungsstreik an der HTWG Konstanz
Präsident Kai Handel: Keine handwerklichen Fehler gemacht
Konstanz (swb). Vom bundesweit in diesen Tagen aktuellen Bildungsstreik ist derzeit an der HTWG Konstanz nichts zu merken. Lediglich einige Plakate laden die Studierenden ein, sich an einer großen Kundgebung in Stuttgart zu beteiligen. Ansonsten herrscht betriebsame Ruhe auf dem Campus.
Warum es an der HTWG nicht wie an vielen Unis brodelt, liegt einmal in dem strukturellen Unterschied zwischen Fachhochschulen und Universitäten. An Fachhochschulen ist das Studium seit jeher viel strukturierter und verlief deshalb auch vor der Studienreform geradliniger hin zum Abschluss. Das anwendungsorientierte Profil ist ein zusätzlicher Ansporn, zielgerichtet zu studieren.
Dass die Studierenden an der HTWG kaum wie andernorts protestieren, ist für HTWG-Präsident Dr. Kai Handel ein Anzeichen dafür, dass an der Hochschule „die Studienreformen vernünftig umgesetzt wurden“. „Wir haben bei der Umsetzung auch keine handwerklichen Fehler gemacht“, betont er weiter mit Blick auf die jüngsten Aussagen von Bundesbildungsministerin Annette Schavan.
Auch gebe es an der HTWG „keine wie an Universitäten überfüllten Hörsäle, das ist aufgrund unseres Profils und unseres Fächerspektrums gar nicht möglich, vor allem weil in allen Studiengänge nur eine begrenzte Zahl von Studienanfängern aufgenommen wird“, so Handel weiter. Obwohl „wir in den letzten Jahren wegen der großen Nachfrage da und dort etwas mehr Studierende zugelassen haben, als vom Wissenschaftsministerium des Landes finanziert werden“, sei die Lage an der HTWG nicht besonders angespannt.
Im Studium selbst sei die Struktur der Bachelorstudiengänge so angelegt, dass sie eindeutig zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führen, der Erfolg der Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sei eine Tatsache. Daran hat sich auch mit den neuen Abschlüssen nichts geändert. „Daher gibt es bei uns keinen Grund wegen der schlechten Berufsaussichten zu protestieren“, sagt der Präsident.
Sicher sei die Arbeitsbelastung der Studierenden auch nach der Reform hoch - insbesondere da der Selbstlernanteil gestiegen sei. Aber im Vergleich zu den früheren Diplomstudiengängen „hat sich die Zeit im Hörsaal reduziert“. Die dadurch mögliche stärkere Orientierung hin zu mehr Projektunterricht statt dem einsamen Lernen im stillen Kämmerlein trage zu einem modernen, praxisorientierten und erfolgreichen Studium bei.
Zwar sei das Hochschulsystem „nach wie vor unterfinanziert, dennoch versuchen wir unter den bestehenden Rahmenbedingungen unser Bestes zu geben“, betont Präsident Handel. „Ich habe den Eindruck unsere Studierenden honorieren dies. Für Gespräche stehe ich zudem jederzeit bereit.“
Von: Oliver Fiedler
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