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27.04.12

Kreis Konstanz: Kriminalität mit rückläufigen Zahlen

Drogen und Rocker hielten Polizei auf Trab

Konstanz (geh). Im Kreis Konstanz, und damit im Grenzgebiet zur Schweiz, sind die Straftaten im Jahr 2011 um 10,6 Prozent auf 16.913  deutlich zurückgegangen. Dafür bereitet die Zunahme der Kriminalität in der Stadt Singen, mit Drogendealern, Rockergruppen und Körperverletzungen, um knapp 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr dem Leiter der Polizeidirektion Konstanz, Uli Schwarz, weiterhin Sorgen, hieß es gestern in Konstanz bei der Vorlage des Kriminalitätsberichts 2011.

 „Während in Konstanz in 2011 die Straftaten deutlich zurückgingen, kam es trotz starker Präventionsarbeit der Stadt und der Polizei in Singen zu einer gegenläufigen Entwicklung“, sagte Uli Schwarz. Um den Singener Drogendealern das Handwerk zu legen, ist vor drei Jahren eine mit sechs Polizisten und Zöllnern besetzte Ermittlungsgruppe Dealer gegründet worden, die im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit auch Schaffhauser und Thurgauer Beamte zu Hilfe holt. Seit dem Schengen-Beitritt der Schweiz würde sich die Drogenszene um Singen und Konstanz verstärkt mit Rauschgift aus der Schweiz eindecken. Daher sei man für den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit mit der Schweizer Polizei dankbar, so Schwarz. In 2011 wurden in 882 Fällen Dealer oder Abhängige mit Rauschgiftbesitz bekannt. Das sind fast acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Auf die Machtdemonstrationen und Schlägereien verschiedener Rockergruppe in der Industriestadt Singen reagiert die Polizei mit der vor drei Jahren eigens dafür eingerichteten und aus fünf Beamten bestehenden Sondereinheit Chapter. Die Sondereinheit arbeitet mit Ermittlern aus Rottweil und Friedrichshafen zusammen. In 2011 haben die Ermittler 47, teilweise gravierende Straftaten aufgedeckt, 33-mal Waffentrage-Verbote sowie sechs Fahrverbote ausgesprochen.

Wie brutal die Rocker gegeneinander vorgehen, zeigt eine Messerstecherei im Juni 2011 in Singen. Am Rande eines Benefiz-Fußballspiels der Hells Angels Singen stachen acht Angehörige der Black Jackets zu. Ein Mann erlitt dabei eine lebensgefährliche, 30 Zentimeter lange Schnittwunde im Lendenbereich. Hintergrund der Tat, so die Polizei, dürfte der Austritt des Opfers bei den Black Jackets sein. Weil die Hells Angels in Gottmadingen-Ebringen ein illegales Clubhaus betrieben, ist dies im vergangenen Jahr vom Landratsamt Konstanz geschlossen worden. „Durch konsequentes Handeln in Abstimmung mit Staatsanwaltschaft und städtischer Verwaltung gelingt es, der Rockerproblematik wirksam zu begegnen“, sagte Schwarz. In der Region mit der größten „Rockerdichte Baden-Württembergs, wenn nicht sogar Deutschlands“ übernehme diese Polizeiarbeit bereits eine landesweit einmalige Vorreiterrolle.

Schwarz schätzt die Zahl der Rocker am westlichen Bodensee auf 200. Die berüchtigten Gruppen Hells Angels, Gremium und die Red Devils seien hier mit eigenen Ortsgruppen, so genannten Chapter, bereits heimisch geworden. Auch die aus Migranten bestehenden „Rocker ohne Motorräder“, die Black Jackets, hätten sich in Singen niedergelassen. Die Black Jackets würden derzeit expandieren und mit derzeit 120 Mitgliedern sogar bis Bayern und Vorarlberg tätig werden. Lediglich die Banditos seien noch nicht gesichtet worden. Aber die Straftaten, die Tätigkeit im Rotlichtmilieu und die Rauschgiftdelikte müsse man verfolgen. Spuren führen auch zu Gruppierungen in Friedrichshafen und Überlingen-Owingen oder in die Schweiz. In Friedrichshafen ist ein eigenes Chapter der Hells Angels namens „Lake City“ gegründet worden. Mitglieder der Hells Angels aus Singen würden zurzeit offenbar Aufbauarbeit für ein Chapter in Schaffhausen leisten, so Ulrich Schwarz. Auch Zürcher Kennzeichen seien auf den vorm Singener Club geparkten Harleys schon gesichtet worden. „Die gefundenen Maschinenpistolen vertragen sich aber nicht mit dem Freiheitsgedanken des Harley-Fahrens, sagte der Polizeichef.

Aber auch die leicht angestiegene Zahl von Wohnungseinbrüchen mit 172 Fällen oder die Eindämmung der Kinder- und Jugendkriminalität nehme im Kreis Konstanz einen hohen Stellenwert ein, so der Polizeichef, der sich über den kontinuierlichen Rückgang der Jugendkriminalität um nahezu 30 Prozent seit 2007 freut. In 2011 wurden im Kreis zwei Menschen erschlagen und drei fahrlässig getötet. Einen Mord hatte die Polizei im vergangenen Jahr nicht zu registrieren.

Von: Oliver Fiedler



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