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14.05.12

Stockach: Wie kommt das, Herr Minister

Peter Friedrich stellt sich den Fragen von BSZ-Schülern

Minister Peter Friedrich musste BSZ-Schülern Rede und Antwort stehen.swb-Bild: Weiß

Minister Peter Friedrich musste BSZ-Schülern Rede und Antwort stehen.swb-Bild: Weiß

Stockach (sw). Sie machten es ihm nicht leicht. Unverbindliche Politiker-Phrasen konnte sich Peter Friedrich bei seinem Besuch im Stockacher Berufsschulzentrum (BSZ) schenken. Die Schüler des Berufskollegs Wirtschaft I und II fragten kritisch nach. Wollten von dem Minister des Landes Baden-Württemberg für Bundesrat, Europa und Internationale Angelegenheit selbstbewusst Rechenschaft abgelegt bekommen.

 

Im Rahmen des »Europa-Tages« wurde er etwa gefragt, warum Griechenland Milliardenkredite bekommt, obwohl es nicht einmal eine funktionierende Regierung hat. Die Zeichen würden im Mutterland der Demokratie auf Neuwahlen stehen, erklärte der Sozialdemokrat, und es würde europäisches Recht gelten, egal, welche Regierung installiert sei. Überhaupt brach er eine Lanze für den Euro. Gerade Deutschland würde von der gemeinsamen Währung profitieren: Durch ihr Schwächeln habe die exportorientierte Bundesrepublik einen Wettbewerbsvorteil, und Deutschland sei durch die Krise zu einem sicheren Anlagehafen geworden. 

 

Trotz der komplexen Materie und der immer wieder heraufbeschworenen Politikverdrossenheit bei jungen Wählern zeigten die BSZ-Schüler großes Interesse, durchdachten Sachverstand und demokratisch wache Aufmerksamkeit. Als Peter Friedrich von der Sprachenvielfalt auf EU-Ebene sprach, kam prompt eine berechtigte Nachfrage: Wie soll Europa zusammenwachsen, wenn es schon an dem Sprachproblem scheitert? Hier wies der Minister darauf hin, dass viele Angelegenheiten auf Englisch oder Deutsch geklärt würden.

 

Der Verwaltungswissenschaftler fand aber auch kritische Töne zu Europa und feuerte Seitenhiebe auf die Bundesregierung ab: In manchen Sachfragen wie der Finanztransaktionssteuer würde das Kabinett um Angela Merkel keinen einheitlichen Kurs steuern, und durch den Fiskalpakt habe der Einfluss aus Berlin auf die Haushalte der Länder in einem unerwünschten Maße zugenommen. In den Europaparlamenten in Brüssel und Straßburg würde Deutschland oft mit 17 Stimmen sprechen - mit denen der 16 Bundesländer und der Bundesregierung. 

 

Und Peter Friedrich musste auch aus dem Nähkästchen plaudern. Wie sieht sein Arbeitsalltag aus? Wie wurde er Minister? Warum ist er bei der SPD? Der 40-Jährige verriet, dass sein Arbeitstag meist von 5.15 bis 23 Uhr geht und sein Terminkalender voll ist mit »Kaffee trinken«. Das ist aber kein Plauderstündchen, sondern harte Lobbyarbeit. Als Jugendlicher hatte er sich für ein Jugendzentrum in seiner Heimatstadt eingesetzt, war bei den Sozialdemokraten auf offene Ohren gestoßen und so zur Politik gekommen. Nach Stationen bei den Jusos, der SPD-Nachwuchsorganisation, war er von 2005 bis 2011 im Bundestag gewesen, dann wurde er Generalsekretär der SPD in Baden-Württemberg. Nun nun ist er Minister. Und zwar einer, der sich Zeit für den politisch interessierten Nachwuchs nimmt. 

Von: Simone Weiß



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