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Er war der Burgvogt des Hohenkrähens und als Maier der Bewirtschafter des Maierhofs zudem: Popolius Maier. Die Kopie eines Bildes von ihm hängt im Schloss Schlatt unter Krähen. Das Original ist um 1430 gemalt worden. Da wirkte der Mann, der so viel Macht ausübte, auf seiner Burg. Er sei klapperdürr und böse gewesen, berichten die Zeitzeugen. Dann hatte er einmal Pech, an den Falschen geraten zu sein. Seine Boshaftigkeit hatte sich bis ins Schwäbische herumgesprochen, so dass ein Abt von dort anreiste, um sich ihn zur Brust zu nehmen. Doch so weit kam es nicht: den korpulenten Abt lockte der Burgvogt ins tiefste Kerkerloch und ließ ihn dort sieben Jahre und 40 Tage hungern. Daheim angekommen suchte sich der Abt ein längst vergessenes Zauberbuch aus der Bibliothek heraus und rief den Bann aus: Wenn die Burg zerstört, müsse Popolius Maier siebenmal 40 Jahre ruhelos zwischen den Mauern hausen und den Hegau durchstreifen. Er müsse die Menschen foppen. Die Geschichte ist eng mit dem Mühlhausener Pfarrer Albert Riesterer verbunden, der 1936 den Mut hatte, von Singener Poppele-Freunden ermutigt, eine Kabelverlegung in der Kirche zu Mühlhausen zu nutzen, um das Grab zu öffnen. Unterkiefer und Teile des Schädeldaches barg der Geistliche. 1958 schenkte er bei der Einweihung des Poppele-Brunnens in Mühlhausen der Singener Zunft ein Stück der Hirnschale. Darauf werden heute noch alle Räte der Zunft vereinigt. Sie verlieh Pfarrer Riesterer den goldenen Poppele, die höchste Auszeichnung der Zunft überhaupt. Bereits 1830 war das Grab des Poppele erstmals geöffnet worden. Da war der Goldhelm gefunden worden.

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Geschichte des Landkreises Konstanz

Die Raubritter auf den Vulkankegeln

Graf Eberhard von Wirtenberg war es, der 1378 den Mägdeberg als südlichsten Zipfel seines Reiches etabliert hatte. Und es war keine ruhmreiche Zeit, die der Berg in den Jahren zuvor erlebte: Die Reichenauer mussten die Burg an die Herren von Dettingen zwangsverpfängen und die Dettinger verkauften den Berg kurzerhand an den Grafen von Wirtenberg. Heinrich von Dettingen blieb trotz des Verkaufs Herr der Burg und musste die Burg schließlich 1378 gegen Seestädte verteidigen, die im Krieg gegen Wirtenberg den Hegauberg als ernsthafte Bedrohung sahen: Konstanz hatte den Oberbefehl, es wurde lange um die Burg gerungen, bis schließlich 18 Mann Burgbesatzung desertierten und die Seestädte die Burg einnahmen und völlig zerstörten.

Ruinen sind sie heute alle, die Burgen im Hegau und Linzgau, ihre stolze Zeiten hatten sie trotzdem, ihre wilden sowieso. Es war hauptsächlich ein soziales Problem, was den Hegau zum wilden Westen der Region werden ließ, in dem sich "brave Städter" von Raubrittern bedroht fühlen mussten: Der ländliche Adel erlebte im 15ten Jahrhundert seinen Niedergang, die Einkünfte aus den Grund- und Lehenzinsen, welche die Bauern an die Ritter bezahlen mussten, wurden weniger, die städtischen Handwerker und Kaufleute wurden reicher und reicher.

Die Ritter also bemühten sich darum, an Einfluss zu gewinnen, belagerten Wege, verlangten Wegezoll, nahmen Kaufleute gefangen, in dem sie ihnen Zollvergehen vorwarfen und waren alsbald als Raubritter in den Städten verschrien. Fehden gab es zu dieser Zeit genug, so dass die eine oder andere Aktion der Burgherren auf dem absteigenden Ast durchaus ungesühnt blieb: Zu unübersichtlich waren die Beziehungsgeflechte auch zwischen den Städten am See. Und die Hegauritterschaft war auch schon mit den Städten verbündet: 1427 war der Sitz des Ritterkantons Hegau in Radolfzell, und Hegauritter waren selbst mit Konstanz verbündet. Der große Krach kam dennoch: 1439 wurden Bürger der Städte Memmingen und Kempten von der Burg Hohenhewen aus überfallen und ausgeraubt, es gab Tote und Verletzte. Die Städte wandten sich an den schwäbischen Bund. Werner von Schienen führte die Hegauritter an. Die Ritter vom Hegau fingen an, regellos Bürger aus den Städten gefangen zu setzen und nur gegen hohes Lösegeld wieder freizulassen. Hans von Rechberg, der in Hornstaad auf der Höri ein Raubhaus eingerichtet hatte, machte auf dem Untersee mit schnellen Booten Jagd auf Handelsschiffe.

Werner von Schienen griff von Stein am Rhein die Kaufleute auf ihrer Wasserstraße an. Im Mai 1441 dann der große Clou: Die beiden Recken machten Kaufleute aus Ulm und anderen Städten um 120000 Gulden ärmer, zweihundert Bauern und fünfzig Pferde mussten die Beute auf die Schrotzburg auf dem Schienerberg, zum Hohenhewen und nach Engen bringen. Den Städtern platzte der Kragen: Vertreter von 32 schwäbischen Städten trafen sich in Konstanz und beschlossen, den Raubrittern ihr Handwerk zu legen. Mit 1000 Reitern, 400 Wagen und schweren Geschützen setzte sich wenig später ein kleines Heer aus Überlingen in Bewegung Richtung Radolfzell. Dort war der Sitz der Hegauritter immer noch. Die Konstanzer hielten sich bei der Intervention vornehm zurück. Die Radolfzeller - schockiert über das für ihre Verhältnisse doch große Heer - öffneten die Tore und traten dem Städtebündnis bei. Die Schrotzburg sollte als erstes geschleift werden. Wurde sie auch, aber: Werner von Schienen und seine Recken entkamen (die Öhninger Narrenzunft "Piraten vom Untersee" hat sich aus dieser Zeit ihren Namen geangelt).

In Wangen wurde Werner von Schienens neues Schloss dem Erdboden gleichgemacht, die Burgen Randegg und Staufen fielen, sie gehörten Hans von Rechberg. Hilzingen musste 300 Gulden zahlen und blieb weitgehend verschont, die Honstetter Wasserburg machte das Heer der Städter dem Erdboden gleich, die Burgen Tengen und Hohenhewen hielten sich, Engen ebenfalls. Versöhnt waren die Städte dennoch nicht, zumal sie von dem geraubten Vermögen nur wenig wiedergesehen hatten. 1442 zogen die Städter gegen Hintertengen und schossen es in Brand, Blumenfeld wurde erfolglos belagert, die Dörfler waren die eigentlich Leidtragenden der Angriffe, die fremdem Besitz genauso zugeneigt waren wie die Raubritter auf den Burgen: Die Dörfer wurden weitgehend geplündert. Als der Krieg nicht enden wollte, musste der König ran: In Konstanz schloss man Frieden, der aber nicht lange halten sollte.

Anatol Hennig


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