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Wird der Mensch zum Objekt?
von
Hans Paul Lichtwald
Wir
Menschen sind stolz darauf, handelnde Subjekte zu sein. Das wissen
die Werbepsychologen sehr genau. Unvergessen ist die Camel-Werbung,
die erstmals konsequent aus einem Genußprodukt, der Zigarette,
einen ganzen Lebensstil entwickelt hat. Der Mensch pflegt sein
Ego. Das war und ist der Stil dieses Jahrhunderts. In Deutschland
gab es vor hundert Jahren noch kein gleiches und allgemeines Wahlrecht.
Unsere Vorfahren lebten noch im Kaiserreich. Nach kurzer erster
Republik kam die Deutsche Diktatur", die der Historiker
Karl-Dietrich Bracher so bezeichnet hat. Viele Deutsche erlebten
dann den real existierenden Sozialismus. Inzwischen haben alle
den aufrechten Gang gelernt, doch kurz vor dem Jahr 2000 erfaßt
viele eine merkwürdige Beugung des Menschen. Der Stolz des
Volkes der Dichter und Denker, das mit Daimler und BMW die internationale
Szene aufmischt, ist merkwürdig gebrochen.
Der
Deutsche will Klarheit und Sicherheit. Das braucht er im Beruf,
im Privatleben und in der Politik. Hat er die aber noch? 40 Prozent
der Ehen werden im Kreis Konstanz unverändert geschieden.
Singen hat 15 Prozent Arbeitslose. Und die Politik? Im Kreis Konstanz
reduziert sich das Image der politischen Klasse ganz schnell auf
den Müll.
Mobil
muß der künftige Mensch sein, immer lernbereit, stets
anpassungsfähig. So wird aus dem Subjekt schnell ein Objekt.
Handeln tun andere. Oftmals Mächtige, die der einzelnen garnicht
kennt. Und in dieses System soll man dann Vertrauen haben? Warum
zittern viele Mitarbeiter bei der Alu? Sie haben Jahre mit schlechter
Stimmung im Unternehmen überstanden. Darauf können sie
stolz sein. Doch was ist die Belohnung? Sie ist viagral sagen
Spötter.
Was
ist der Gegensatz von mobil? Man hat Wurzeln geschlagen. Die Kinder
haben Freunde gefunden. Der Erfolg der zweiten deutschen Demokratie
ist in dieser Bodenständigkeit begründet. Am Ende steht
ein Reihenhaus. In anderen Ländern werden Häuser gekauft
und verkauft. Bei uns entscheiden die Kacheln in der Küche
über das häusliche Glück. Der Rest sind dann die
40 Prozent . . .
Welche
Sicherheit haben die Menschen, nicht am Ende der sozialen Sprossenleiter
zu landen? Keine. Trennung, Scheidung, Arbeitslosigkeit haben
viele tief abrutschen lassen. Und dennoch gibt es ganz da unten
auch noch ein Glück, das ein Geheimnis unseres Erfolgs ist.
Der Deutsche strebt und müht sich, solange er lebt. Rechtschaffen
und brav. Darin überholen ihn nur die Portugiesen auf dieser
Welt. Auf diesen verfügbaren Menschen setzen große
Teile der Wirtschaft: Arbeiten um fast jeden Preis!
Doch
die Angst bleibt: Wer zieht an den Strippen dieser kleinen deutschen
Weltbühne? Und Wer setzt die Normen fest, nach denen wir
alle zu handeln haben werden? Wer von uns handelt wirklich noch?
Und wer ist längst Objekt seiner eigenen Augenwischerei geworden?
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