Jahresrückblick 1998
Singener Wochenblatt aktuelle Nachrichten aus der Region Die Woche im Print Online Archiv des Singener Wochenblattes Kleinanzeigen im Internet Die Region im Internet Veranstaltungen im Landkreis


Aktuelle Rubriken
Navigation
Werben
Zeiten
Firmen
1998
1999
2000

Specials
Zeiten
Veranstaltungen
Küchenhexereien


 

* Dienstag 29. Dezember 1998

Konfessioneller Sündenfall

von Matthias Biehler

Berlin war der Sündenfall. Anfang November genehmigte das Berliner Oberlandesgericht (OLG) der sogenannten Islamischen Föderation den Religionsunterricht an Berliner Schulen und löste eine Lawine in ganz Deutschland aus. Rechtskraft hat das Urteil noch nicht erreicht. Eine Revision haben die Richter am OLG nicht zugelassen. Die Berliner Schulsenatorin will jedoch Beschwerde gegen das Urteil einreichen. Zwar ist Berlin in Sachen Religionsunterricht nicht mit dem Rest der Republik vergleichbar, denn der Unterrichtsbesuch ist im Lande Berlin freiwillig. Dennoch bleiben viele Fragen offen, denn mit der Entscheidung wurden Begehrlichkeiten von Schleswig bis Konstanz geweckt. Auch in Baden-Württemberg hat das Berliner Urteil eine heftige Debatte ausgelöst. Und Landesregierung in Erklärungsnotstand gebracht. Zwei Anträge muslimischer Religionsgemeinschaften liegen derzeit im Kultusministerium Baden-Württembergs zur Prüfung. Es stellt sich die Frage, ob einer großen Glaubensgemeinschaft der Religionsunterricht in der Schule verwehrt werden kann. Zumindest solange andere Konfessionen in diesem Land, das sich der religiösen Neutralität verpflichtet hat, dieses Recht zugebilligt bekommen.

Die Alternative wäre eine einfache. Und faktisch wird sie schon vollzogen. In Baden-Württemberg heißt das Zauberfach Ethik. In Nordrhein-Westfalen läuft der Schulversuch "Praktische Philosophie", der religions- und weltanschaulich neutral den Schülern und Schülerinnen als Ersatz zum konfessionsgebundenen Religionsunterricht Wertorientierungen vermitteln soll.

Denn gerade in der Zeit der Globalisierung sollte Jugendlichen in der Schule mehr vermittelt werden, als nur der Sinn - oder Unsinn - der eigenen Konfession. Der Blick über Konfessionsgrenzen hinweg sollte zum Prinzip werden. Denn zweifellos ist in unserer Gesellschaft auch für junge Menschen, die einen Glauben ablehnen, die Kenntnis kirchenhistorischer Zusammenhänge kein Fehler. Der Blick dazu sollte aber nicht nur in das alte und neue Testament führen, sondern auch in den Koran.

zum nächsten Zeitzeichen

Zurück

Mediadaten des Singener Wochenblattes Verteilgebiete des Singener Wochenblattes Kontakt zum Singener Wochenblatt
© Singener Wochenblatt GmbH + Co. und HJF Kontakt 2001
Kontakt:
verlag@wochenblatt.net, Hadwigstraße 2a, 78224 Singen
Telefon: 07731/8800-0, Telefax: 07731/8800-36