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Die Welt wird ein Dorf
von
Oliver Fiedler
Kaum eine
Wochen verging in diesem Jahr, in dem nicht von einer Super-Fusion
berichtet wurde. Daimler mit Chrysler, Hoechst mit Rhone-Poulence,
Mobil mit Exxon, Viag mit Algroup, Deutsche Bank mit Bankers Trust.
Aus Riesenbanken werden Bank-Giganten. Konzerne beschränken
sich längst nicht mehr nur auf einzelne Erdteile, die weltumspannende
Wirtschaftskrake scheint das Ziel der immer mächtigen Wirtschaftsbosse
zu sein, die irgendwie auch (ähnlich dem Owellschschen Weltbild
von 1984") aus drei Regionen besteht: Europa, Amerika,
Asien. Da mochte auch die sich lange angekündigte Asienkrise
nichts an dieser Entwicklung bremsen. Die Vision einer Welt"
geht dabei baden: Afrika fällt durch den Rost.
Keine Frage:
Die Welt wird zum Dorf. Produktionen können je nach aktuellen
Lohnniveau zwischen den Standorten mittelfristig herumgeschoben
werden. Schon lange wird von Bossen bei Bilanzkonferenzen die
Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt gepredigt, jeder Standort
steht auf dem Prüfstand. Den Druck spürt mancher Betriebsrat
hier schon recht schmerzhaft am eigenen Leib! Wenn aber das Dorf
zur Welt wird, wird der einzelne Standort fast zum Nichts. Die
Konkurrenz wird unerbittlich. Der Ton in vielen Fabriken auch
hier wird amerikanischer", das bedeutet der Profit
rückt immer mehr in den Vordergrund. Wer sich nicht beugt,
hat verloren.
Die Händler
auf den Aktienmärkten haben das anscheinend im Gefühl:
Nach solchen Großfusionen herrschte dort nämlich keine
Euphorie. Wenn die Welt zum Dorf wird, wird sie ärmer an
Vielfalt. Und anfälliger gegenüber Störungen. Und
was hat der Verbraucher davon? Ganz im Gegensatz zur großen
Fusionswelle bei den Konzernen setzen die vielen Existenzgründer
auf Nähe zu ihren Kunden. Und sorgen damit für eine
neue Vielfalt von unten. Zum Glück.

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