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Die Werbung nehme ich mit
von
Hans Paul Lichtwald
Der
Traum von der Insel ist alt, seit Robinson Crusoe ihn in unsere
Herzen gepresst hat. Er konnte nichts mitnehmen. Doch ich als
Kind des Jahres 2000 würde nicht mehr dem Zufall überlassen.
Wofür habe ich meine Werbung? Ich brauche doch jemanden,
der mir sagt, was für mich gut ist! Würde ich meinen
persönlichen Neger heute noch Freitag nennen? Er hieße
doch Lexmark! Den gebe ich doch angeblich nicht mehr her? Oder
ist dies meine Sekretärin? Oder deren Tante? Irgendwas muss
mich daran binden!
Ich gebe ihn nicht mehr her! Im November 1999 habe ich ihn gekauft.
Da wo ihn jetzt alle kaufen. Da, wo er am besten ist. Endlich
habe ich einen. Er hat mir ja so gefehlt. Sein Vorgänger
hatte keinen Chic mehr. Der stellte mir immer so blöde Fragen,
weil ich ihn falsch bedient habe. Und dann wurde er auch noch
krank. Boulemie nenne es die Königskinder. Er spuckte zuviel
aus und nahm keine Nahrungs-Schwärze mehr an. Es war ein
Jammer. Endlich hatte ich kapiert: es muss eben doch ein Lexmark
sein!
Da bin ich schon süchtig. Dauernd dieWerbung im radio. Irgendwo
fühlt man sich schon hier wie auf der Insel. Allein, weil
man etwas nicht hat, was alle zu haben vorgeben müssen. Den
richtigen Drucker am PC. Steige ich dann irgendwann in der Nacht
aus dem heimischen PC-Distrikt zum kongenialen TV-Set hinab, weiß
ich gleich, was ich brauche: Warsteiner! Ohne den kann ich keinen
Fußball mehr genießen. Gab es überhaupt einen
Fußball vor Warsteiner? Sind nicht die englischen Guiness-Trinker
Enkel des deutschen Nobelpreisträgers Graf Warsteiner? Oder
schrieb man das vor 2000 Jahren gar als "Wahrsteiner"?
Warsteiner gibt heute die Flanken wie einst Stan Libuda. Warsteiner
dosiert unsere Glücksgefühle im Kopf. Das muss ich auf
die Insel mitnehmen. Am besten einen ganzen Hektoliter! Auf dem
lagern 94 Mark Werbungskosten. Darauf stehe ich einfach: Das Bier
ist die Marke, denn es will mich! Mitgenommen ins Jahr 2000! Daheim
lasse ich die LaGa 2000, den Streit um die Kosten, Blumenbeete
und graue Papageien. Wollen die mich überhaupt? Nicht intensiv
genug! Die haben wahrscheinlich nicht einmal einen Lexmark. Und
statt Warsteiner auf ihrer Gartenfete nur ein heimisches Gesöff.
Schwabisch wird es sein, die Kellnerin spricht Sächsisch.
Aber ich bin dann auf der Insel meiner Träume. Nur einmal
in der Woche will ich meine Zeitung . . .
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