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Ich
nehme Schrott mit
von
Angela Stadthaus
Etwas
Altes braucht der Mensch! Das war mir schon in ganz jungen Jahren
bewußt. Immerhin machte mir meine Mutter im zarten Alter
von vier Jahren ein vermeintlich verlockendes Angebot: Sie wollte
meinen alten, abgeschabten, braunen Teddy gegen einen neuen, größeren,
gelben Bären eintauschen. Natürlich war der neue Teddy
oberflächlich betrachtet viel schöner. Trotzdem verweigerte
ich ihn damals lautstark. Der Grund: Der alte war einfach kuscheliger,
ließ sich besser drücken und hatte manch schwere Stunde
mit mir verbracht. Das konnte mir der »Ersatzmann« nicht
bieten. Es endete damals damit, dass mein Bruder, der solche Bedenken
nicht kannte, den gelben Bären bekam, was mich - allerdings
nur kurz - ins Schwanken brachte. Auch heute treibt mich nicht
nur die Nostalgie, wenn ich ein oder zwei besonders malerische
Schrottstücke mit ins nächste Jahrtausend nehme. Auf
den ersten Blick mögen sie unansehlich sein, wenn man sie
mit blitzendem Chrom vergleicht. Es braucht schon eine ganze Weile,
bis sich der Blick für die Schönheiten meines verrosteten
Eisenteils öffnet. Dann - ohne den Zwang, vergleichen zu
müssen - ersteht plötzlich ein ganzes Feuerwerk von
Farben, gelbliche, rötliche und braune Töne in vielen
Schattierungen. Dunkle Striche teilen den Rost auf der Eisenplatte
und lassen Landschaften vor meinem Auge entstehen. So ein Stück
Schrott erlaubt mir eine Menge Freiheiten: In meiner Fantasie
ist ihm eine große Zukunft bestimmt. Eine originelle Garderobe,
ein Kerzenständer, ein dekoratives Objekt oder gar ein Gegenstand,
für den es noch keine Bezeichnung gibt, könnten aus
meinem Schrottteil werden. Ohne Reue kann ich das Teil beliebig
bearbeiten und in den schrillsten Farben anmalen. Mit neuen, blitzenden
Teilen ist das nicht möglich: Sie lassen ihrem Besitzer weniger
Freiheit und weniger Spielraum für Wunschträume. Und
so nehme ich zusammen mit meinem Schrottteil das Stück Freiheit
und das Quentchen Fantasie mit, das dadurch herausgefordert wird.
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