Das Virus spielt mit

| Ute Mucha | Sport | Fußball
Absage Fußballspiele wg Corona

Immer mehr Fußballpartien müssen wegen Corona-Fällen abgesagt werden - ist das die »neue Normalität« in der Fußballszene?

Landkreis Konstanz. Das Risiko spielt mit auf dem grünen Rasen. Immer mehr Fußballpartien müssen wegen Corona-Fällen abgesagt werden. Wird das Virus den Spielbetrieb in der Fußballszene lahm legen?

Die Folgen von Spielabsagen wegen Coronafälle in einer Mannschaft sind nicht nur gesundheitlicher und sportlicher Natur. Für die Amateurkicker, die ihrem Beruf nachgehen oder studieren, bedeuten Kontakte mit infizierten Spielern oder Verdachtsfälle in der eigenen oder gegnerischen Mannschaft Quarantäne und damit häusliche Isolation. Wie gehen Spieler, Trainer und das Umfeld mit diesem Risiko um?

Der FC Radolfzell musste ebenso wie Oberligist FC Rielasingen-Arlen schon zwei Spielabsagen wegen Corona hinnehmen. Da liegt die Befürchtung nahe, dass Spielabsagen wegen Verdachtsfällen oder Infektionen die »neue Normalität« in der hiesigen Fußballszene werden, wie der Vizepräsident des Südbadischen Fußballverbandes (SBFV), Dr. Christian Dusch, in einem Interview sagte. Das WOCHENBLATT sprach darüber mit Steffen Kautzmann, Trainer des Fußball-Verbandsligisten FC Radolfzell und Oliver Hennemann, Sportvorstand des FC Rielasingen-Arlen.

WOCHENBLATT: Werden Spielabsagen wegen Corona-Verdachtsfälle oder Infektionen »die neue Normalität«?
Oliver Hennemann
: »Ja, das denke ich auch. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis noch mehr Spieltage ausfallen und nachgeholt werden müssen. Irgendwann wird es aber kaum noch möglich sein, die Spieltage nachzuholen, da wir den Arbeitgebern nicht zumuten können, jeden zweiten Mittwoch im Geschäft zu fehlen.«

WOCHENBLATT: Wie gehen der Verein, die Spieler und Trainer mit dieser Situation um?
Steffen Kautzmann
: »Durch die eigenen und auch allgemein zunehmenden Fälle haben wir die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen nochmals verschärft und kontrollieren die Vorgaben noch stärker. Wir versuchen die Risiken weitestgehend zu minimieren. In erster Linie, um die Gesundheit der Mannschaft, aber auch aller Mitmenschen zu schützen. Darüber hinaus wollen wir erreichen, dass im Falle einer Infektion, die ja durchaus im privaten Umfeld der Personen stattfinden kann, die Anzahl der Spieler, die in Quarantäne müssen möglichst gering gehalten werden kann. Die Auswirkungen auf das Berufs- und Privatleben sind nämlich fatal. Sportlich ist es natürlich für alle Beteiligten schwer, weil wir Woche für Woche mit der Ungewissheit arbeiten müssen, nicht zu wissen, ob gespielt werden kann. Trotzdem bin ich froh, dass wir überhaupt trainieren und spielen dürfen. Die Zeit ohne den Fußball war ziemlich triste und hat sowohl bei Trainern und Spielern aufs Gemüt geschlagen.«
Oliver Hennemann: »Wir versuchen unsere Spieler bestmöglich zu schützen, allerdings sind wir auch auf die anderen Mannschaften angewiesen. Wenn da fahrlässig umgegangen wird, sind wir dennoch auch die Leidtragenden. Außerdem müssen wir sehr kostensparend arbeiten, da sehr viele Einnahmen wegfallen, z.B. wird unsere Tribüne nur zu einem Viertel genutzt werden können.«

WOCHENBLATT: Welche Unterstützung bekommen betroffene Vereine vom SBFV?
Steffen Kautzmann
: »Vom Verband gibt es ein vorgeschriebenes Hygienekonzept und Podcasts zur Umsetzung. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Gesundheit der Spieler, nicht nur in Bezug auf COVID-19, sondern auch im Hinblick auf die Belastung der Spieler berücksichtigt wird. Direkte englische Wochen nach zwei Wochen Quarantäne, in denen die Spieler nicht trainieren können, oder gar Spiele am ersten Tag nach dem Ende der Quarantäne bringen ein erhebliches Risiko für Muskel- und andere sportartspezifische Verletzungen mit sich. Auch hier sollte die Gesundheit der Spieler Vorrang vor sportlichen Motiven haben.«
Oliver Hennemann: »Der Verband begleitet die Vereine unterstützend und versucht, Hygienestandards zu etablieren. Diese Maßnahmen sind wichtig, vor allem prophylaktisch. Wenn ein Team konkret von Corona betroffen ist, dann ist der Hauptansprechpartner das zuständige Gesundheitsamt.

WOCHENBLATT: Wie sehen Sie die Chancen, dass die Saison 2020/21 noch regulär zu Ende gebracht werden kann?
Steffen Kautzmann
: »Das ist natürlich schwierig zu beantworten. Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann, gehe aber davon aus, dass zumindest lokal Unterbrechungen stattfinden werden, wie beispielsweise aktuell in Gemeinden im Kinzigtal. Ich denke, dass Spielausfälle, Nachholspiele unter der Woche, Unterbrechungen im Spielrhythmus ein zentrales Merkmal dieser Saison sein werden. Ich bin trotzdem der guten Hoffnung, dass die Saison sportliche Sieger und dieses mal auch Verlierer bringen wird.«
Oliver Hennemann: »Ein verspäteter Saisonbeginn, 21 Mannschaften und mit den Pokalspielen weit über 40 Spiele, wie soll das bei den aktuellen Corona–Zahlen funktionieren? Wir sind fast alles Amateure, haben einen anderen Job und können uns nicht komplett aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Ich möchte nicht schwarzmalen, aber ich denke nicht, dass wir die Saison mit allen Spielen zu Ende spielen. Ich denke wir müssen auf die Variante mit Play off– und Play down–Spielen nach der Winterpause zurückgreifen und selbst das wird nicht einfach. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.«

Wochenblatt @: Ute Mucha

| Ute Mucha | Sport | Fußball

Weitere Nachrichten