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»Zum Geburtstag gibt es Schulfrei«

Versteht sich als starke Schulgemeinschaft: die »Freie Waldorfschule Wahlwies«.
Versteht sich als starke Schulgemeinschaft: die »Freie Waldorfschule Wahlwies«. swb-Bild: Jürk Langer

Die »Freie Waldorfschule« in Stockach-Wahlwies feiert ihren 40. Geburtstag

Sie hatten Schreckliches erlebt, nuns ollten ihre Wunden heilen. Kriegswaisen, traumatisiert von den Folgen des Zweiten Weltkriegs, fanden im Pestalozzi-Kinderdorf in Stockach-Wahlwiesein neues Zuhause, lebten dort in den familienanalogen Strukturen der Kinderdorffamilien und besuchten ab 1. Oktober 1952 die Heimschule vor Ort. Aus ihr entwickelte sich die »Freie Waldorfschule Wahlwies«, die die Eintragung ihres Förder- und Trägervereins in das Vereinsregister am 15. Juni 1978 als ihre Geburtsstunde ansieht und so in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert. Zu dieser pädagogisch-informativen Jubiläumsparty sind Gäste willkommen, die die Schulverantwortlichen auch via WOCHENBLATT-Vereinstrophy einladen.

Ihr Konzept ist anders. Einen Rektor an der Spitze gibt es nicht. Der Schulalltag wird in Selbstverwaltung gemanagt, bei dem alle Lehrer kollegial die pädagogischen Inhalte regeln und Elternvorstände den finanziellen und organisatorischen Rahmen festlegen. Etwa 67 Prozent der Ausgaben werden von staatlicher Seite getragen, erläutert Elternvorstand Dr. Daniel Schaarschmidt-Kiener, der Rest der Kosten wird durch Elternbeiträge von durchschnittlich 160 Euro pro Kind und Monat sowie durch Spenden abgedeckt. Es gelte aber das Solidaritätsprinzip: Manche Eltern würden mehr bezahlen, um auch Kindern aus sozialschwächeren Familien den Schulbesuch ermöglichen zu können. 450 Schüler der Klassen eins bis 13 besuchen die Freie Waldorfschule Wahlwies, wo sie von einem 50-köpfigen Kollegium betreut werden.

Von der ersten Klasse an werden »auf spielerische Art« die Fremdsprachen Englisch und Französisch vermittelt, die Mittlere Reife wird erst nach der zwölften, nicht nach der zehnten Klasse abgelegt, und Halbjahreszeugnisse werden keine ausgestellt. Es gibt nach Angaben von Lehrer Herbert Göller nur Ganzjahreszeugnisse mit einer ausführlichen Beschreibung der persönlichen Entwicklung des Schülers. Das sind Teile des Schulkonzepts der »Freien Waldorfschule« in Stockach-Wahlwies. Ein Schulkonzept, das nach Worten von Herbert Göller ankommt: »Für die erste Klasse haben wir in jedem Schuljahr ein Drittel mehr Anmeldungen als Kapazitäten, und der Einzugsbereich reicht bis Tuttlingen, Engen, Konstanz oder Sipplingen.« In den turbulenten Gründungsjahren der Waldorfschule war das anders: Nur die Bewohner des Pestalozzi-Kinderdorfs in Wahlwies durften die Heimschule besuchen, und erst zum Schuljahr 1975/76 wurden Kinder externer Familien als Schüler aufgenommen. Nach der Gründung des Fördervereins und dessen Eintragung ins Vereinsregister erteilte der Staat am 1. August 1979 seine Genehmigung zum Betrieb der damaligen »Freien Waldorfschule im Pestalozzi-Kinderdorf«, die im Schuljahr 79/80 159 Kinder besuchten. Doch bei allen Besonderheiten muss sich auch die »Freie Waldorfschule Wahlwies« den Herausforderungen im Zeitalter von »social Media«stellen. Ziel sei ein bewusster Umgang mit allen Medien, so Herbert Göller. Darum wurde mit Timotheus Lehle einstudierter Physiker als Medienbeauftragter für die Klassenstufen vier bis 13 verpflichtet, der neben dem praktischen Wissen auch die ethischen Grundlagen vermitteln soll. So sieht sich die Waldorfschule Wahlwies für die nächsten 40 Jahre gerüstet. Doch zunächst steht ihre runde Geburtstagsparty auf dem Stundenplan, für die die Schüler am Montag, 18. Juni, schulfrei bekommen.


Infos:

Die Waldorfschule Wahlwies feiert ihren 40. Geburtstag:

Freitag, 15. Juni:
17 Uhr: »Der eigensüchtige Riese«in der Turnhalle
19.30 Uhr: Eröffnungs-Bildervortrag mit einem geschichtlichen Rückblick von Herbert Göller in derTurnhalle

Samstag, 16. Juni – Tag der offenen Tür:
10 bis 12 Uhr: öffentliche Schul-feier in der Turnhalle mit Präsentationen der Schüler
12 Uhr: Mittagessen auf dem Schulgelände im Maisenbühl
13 bis 16 Uhr: Tag der offenen Tür

Sonntag, 17. Juni:
17 bis 18.30 Uhr: »Der eigensüchtige Riese«, Turnhalle
19.30 Uhr: Zuhör- und Tanzprogramm Nochecita de Tango

Montag, 18. Juni:
19.30 Uhr: musikalischer Auftakt und »Menschliche Initiative im Spannungsfeld der Zeit – Waldorf-pädagogik als Zukunftsimpuls« –ein Vortrag von Claus-Peter Röh, pädagogische Sektion Dornach

Homepage: www.waldorfschule-wahlwies.de

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Wochenblatt Redakteur @: Simone Weiß