Leserbrief zum Thema der »Spaziergänger«
»Ziel und Zweck der Maßnahmen ist völlig aus dem Blick geraten«

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Landkreis Konstanz. Zum Thema der »Spaziergänger« und mit Einbeziehen der Schweizer Coronamaßnahmen erreichte uns folgender Leserbrief:

»Sehr geehrtes Wochenblatt,

zuallererst großen Dank für Ihre unvoreingenommene, breite Berichtserstattung zu „Corona“ und „Spaziergänger“. Sie sind damit derzeit einer der wenigen Leuchttürme in der Medienlandschaft und eine echte vierte Gewalt. Sie geben den Menschen eine Stimme.

Mich treibt als Spaziergänger so vieles um, vielleicht erklärt dies stellvertretend für andere die momentane komplexe und verstörende Situation. Wenn es bei uns so wie in der Schweiz von Regierungsseite gehandhabt würde, gäbe es Transparenz, Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, Rücksicht auf Kinder, auf das Gewerbe, auf die gesamte Breite der Gesellschaft und: keine derartige Verunglimpfung der Nicht-Geimpften, die als Coronaleugner, Querdenker und Sündenböcke hingestellt werden. Es gäbe nicht dieses repressive Einfordern einer Impfpflicht, ungetrübt von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Da kann man durchaus ins Grübeln kommen.

Ich als selbst-denkender Rentner gehe im Hegau auch mit spazieren, weil ich dieses Gefühl der Ohnmacht teile und solidarisch bin mit allen, die extrem unter der jetzigen Situation leiden und diffamiert werden. Schon gar nicht laufe ich Urdemokrat hinter irgendwelchen Typen her, sondern erlebe, dass es hier in unserer Region friedvoll, quer durch alles Alters- und Gesellschaftsschichten, die Menschen umtreibt. Und da sind dann manchmal eben auch Wenige dabei, von denen ich mich klar distanziere.

Mir scheint, dass Ziel und Zweck der Corona-Maßnahmen - keine Überlastung des Gesundheitswesens - völlig aus dem Blick geraten ist und nur noch die Impfpflicht durchgedrückt werden soll. Durch Moralisieren, Verbreiten von Unwahrheiten, Verschleiern, Verfälschen und Zurückhalten von Informationen und Zahlen. Mit Maßnahmen, die Menschen krank machen und in die Verzweiflung treiben. Zuvorderst der rote-Linien-freie Bundeskanzler (aktuellster Tweet „Nicht-Geimpfte entscheiden über das Schicksal der Anderen, sind verantwortlich für das Verschieben von Operationen und die Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, ...) und sein Gesundheitsminister, der meint, impfen sei eher eine Moralfrage.

Prof. Streeck, Mitglied des Expertenrats, (Impfpflicht beendet die Pandemie nicht / Impfung ist zuallererst Selbstschutz und verhindert weitere Ansteckungen nicht / man sollte stärker auf Faktoren wie ungesunde Lebensführung und ein funktionierendes Gesundheitssystem achten) wird von einer Kakophonie übertönt. Genau so wie viele andere Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung. Statt dessen immer wieder die mittlerweile widerlegten Argumente und fatalen Fehlannahmen, möglichst alle müssten geimpft sein - auch die Kinder -, damit es uns wieder gut geht.

Und wer sich nicht impfen lässt, ist schuld an allem. Auch ich bin froh, dass es die Impfung gibt. Aber es gibt auch respektable Gründe, sich nicht impfen zu lassen. Und wenn der Gesundheitsminister wie jüngst äußert, dass nicht-geimpfte Pflegekräfte, die teilweise schon jahrzehntelang sich einsetzen, die falschen Personen im Gesundheitswesen wären, dass diese Personen Unverantwortliche wären, die man ausschließen müsse, ist dies zusammen mit den Äußerungen des Kanzlers der Gipfel der Spaltungsversuche.

Eine solche Arroganz der Macht, solches groteske und unseriöse Verhalten, ohne Lernbereitschaft, ohne den Willen wirklich zuzuhören, ohne nach anderen Ländern zu schauen, das treibt die Leute auf die Straße. Und nicht irgendwelche Umsturz- oder rechtsradikal Ideen.Viele haben es satt, sie wollen es anders, ehrlicher, wahrhaftiger.Die letzten November überhastet beschlossene Impfpflicht im Gesundheitswesen ist kontraproduktiv und gehört abgeschafft. Haben sich die Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht schon mal die Fragen gestellt:Wie ist die Situation im Gesundheitswesen wirklich? Welche Menschen sind tatsächlich betroffen? Wie oft im Jahr muss ich mich impfen lassen? Gegen Omikron oder was? Mit welchem Impfstoff? Was, wenn irgendwann auch ich mich nicht noch ein weiteres Mal impfen lassen möchte? Bußgeld? Zwangsmaßnahmen? Wann endet die Impfpflicht? Kann ich den Ankündigungen vertrauen? Wer managt das alles? Sind wir nicht schlafwandelnd auf dem Weg in einen Überwachungsstaat?

So katastrophal wie in den letzten 2 Jahren die Dinge gemanagt wurden? Erteilt man dem Staat praktisch nicht einen Blanko-Check für Maßnahmen? Hat das alles vielleicht auch etwa mit dem ausbeuterischen Umgang mit der Schöpfung zu tun? Und: Gilt eigentlich noch das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit?Ich kenne kein Gesetz, das jemals zurück genommen wurde. Orientieren wir uns an der Schweiz!

Ich hoffe auf eine baldige, regulär angemeldete Demonstration für Freiwilligkeit der Impfung, für Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, für Toleranz und Wahrhaftigkeit. Es braucht weniger Staat, dafür mehr Eigenverantwortung.

Werner Leber«

Leserbriefe geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Autor:

Anja Kurz aus Engen

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