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Solidarität der Weltläden in der Corona-Krise

Weltladen
Auch sie beliefern die Weltläden: Swapan Kumar Das mit Produzentinnen von Prokritee. swb-Bild: El Puente

Auch das Singener Geschäft ist bei der Aktion #fairwertsteuer beteiligt gewesen

Singen. Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Menschen in Deutschland geraten die weltweiten Folgen oft aus dem Blick. „Die Produzenten des Fairen Handels in Afrika, Asien und Lateinamerika leiden ebenso enorm unter den Auswirkungen der Coronakrise“, sagt Waltraud Spellenberg vom Weltladen Singen. Martin Lang, Fair-Handels-Berater beim Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg, DEAB, beschreibt die Situation: „Werkstätten sind geschlossen, Ware kann nicht ausgeliefert werden und Ausgangssperren verhindern, dass Mitarbeitende zur Arbeit fahren. Vor allem kleinere Organisationen stehen vor dem Ruin.

„In dieser schwierigen Situation beweist der Faire Handel seine Stärke als solidarisches Wirtschaftsmodell entlang der gesamten Lieferkette“, so Waltraud Spellenberg vom Weltladen in Singen. Sie berichtet wie die Akteure des Fairen Handels zusammenwirken.

Produzentenorganisationen unterstützen ihre Mitglieder auf vielfältige Weise. Bei Kiboko Leisure Wear in Nairobi, Kenia konnten notleidende  Arbeiter und Arbeiterinnen über den firmeneigenen Sozialfonds kurzfristig unterstützt werden. Es wurden Lebensmittel und Gas zum Kochen gekauft, Mieten und Überbrückungsgelder gezahlt und Vieles mehr. Bestückt wird der Sozialfonds unter anderem durch die Fair-Trade-Prämie, die essentieller Teil der Preisgestaltung im Fairen Handel ist.

Auch die Fairhandels-Importeure, Lieferanten der 900 Weltläden in Deutschland haben ihre Produzenten mit erheblicher finanzieller Nothilfe, der Aufrechterhaltung der Bestellungen und Vorauszahlungen unterstützt. Sie sind damit ein großes Risiko eingegangen, da nicht abzusehen war, ob die Weltläden die Waren unter den Bedingungen das Lockdowns in Deutschland verkaufen können. Welche Bedeutung die Solidarität der Importeure für die Produzenten hat, beschreibt Swapan Kumar Das von Prokritee aus Bangladesch: „Eine wichtige Sache war auch, dass alle Bestellungen bestehen blieben. Keine wurde abgesagt während der Corona-Zeit.“ Prokritee stellt unter anderem handgefertigte Papierwaren her und arbeitet mit Frauen in ländlichen Gebieten zusammen.

Am Ende der fairen Lieferkette stehen die Weltläden. Mit viel Engagement halten fast ausschliesslich ehrenamtlich Mitarbeitenden den Weltladen in Singen offen. So schaffen sie einen Absatzmarkt für die Waren der Produzenten und ihrer Lieferanten. „Dank unserer treuen Kundschaft und auch vieler Neukunden sind wir ganz gut durch die Corona-Krise gekommen“, sagt Brigitte Brachat-Dreier vom Weltladen Singen. „Viele Menschen suchen in der Krise nach etwas Sinnvollem. Ein Einkauf im Weltladen oder ein Engagement bei uns stärkt benachteiligte Produzenten im Süden, denn sie sind dringend auf den Verkauf ihrer Waren angewiesen.“.

Mit der Aktion #fairwertsteuer verstärkten Weltläden und Kunden noch ihre internationale Solidarität. Dabei wurde die Mehrwertsteuer-Absenkung nicht an die Kunden weitergegeben, sondern kam über einen Fonds Fair-Handels-Produzenten im Globalen Süden zugute. Die Aktion wurde getragen u.a. von den teilnehmenden Weltläden und dem Weltladen-Dachverband. Bis zum 4. Dezember 2020 haben die Weltläden und Einzelpersonen 142.000 Euro für den Unterstützungsfonds aufgebracht. 125.100 Euro konnten bereits an Handwerksproduzenten des Fairen Handels, die besonders unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, überwiesen werden.

„Für uns als Weltladen Singen war schnell klar, dass wir uns an der Aktion #fairwertsteuer beteiligen werden“, erklärt Waltraud Spellenberg. „So haben wir von Juli bis Dezember rund 900 Euro überwiesen. Von unserem Vereinskonto haben wir aufgrund des großen Bedarfs zusätzlich 2.500 Euro an die Aktion überwiesen und hoffen, dass wir so gemeinsam die Krise besser überstehen. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei unseren KundInnen“.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler