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72 Stunden

| Der Bunte Hund

Da wurde geackert und gebaggert was das Zeug hält, liebe Leserinnen und Leser

Ich staunte nicht schlecht, als ich am Sonntagmorgen beim Spaziergang ins Wahllokal immer noch die Jugendlichen schuften sah, welche freitags mit dem Bagger angerückt waren. Viele Pausen konnten sie nicht gehabt haben, denn was da in den 72 Stunden Arbeitseinsatz passiert war, beeindruckte sogar mich als unbeteiligter Vierbeiner.
Aus einer Idee in den 90er Jahren wuchs diese Sozialaktion auf eine bewundernswerte Größe. Es geht den Jugendlichen darum, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Wie vielseitig die Arbeitseinsätze der Teilnehmer/innen sind, sieht man auch an 72-Stunden-Aktionen hier in unserer Nachbarschaft.
Neben Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht es auch darum, die Menschlichkeit und die Nachbarschaft zu stärken. Schöne Gedanken, die aufs ganze Jahr übernommen, ein Stück Lebensqualität mehr bedeuten. Wie vielleicht in einer Guerilla-Gardening-Aktion. Verwaisten oder wildüberwuchernden Plätzen eine Sinnhaftigkeit geben, indem sie mit Pflanzen bestückt werden, von denen viele Tiere etwas haben. Insektensterben ist in aller Munde, und nicht nur in diesen 72 Stunden kann hier etwas getan werden,
sondern immer! Ich finde es so schön, wenn ich auf meinem Spaziergang an bunten Blumen riechen oder die Vögel auf der Suche nach Insekten beobachten kann. Schotter- und Steingärten sind out, der Trend geht zum verwildert-lebhaften Romantikgarten.
Auch die Geschichte der Zweibeiner konnte durch diese Aktion wieder ins Gedächtnis gerückt werden. Stolpersteine reinigen. Sind Ihnen beim Shoppen die Stolpersteine einmal aufgefallen? Mir fallen die glänzenden Steine immer auf und das nicht nur, wenn ich mit meiner Nase darüber schnüffel. Manchmal hatte ich aber den Eindruck, die großen Zweibeiner sehen sie vor lauter Alltagsstress und Shoppinghektik gar nicht mehr. Umso besser, wenn sie wieder einmal richtig glänzend daran erinnern, wie gut es den Menschen heute geht. Richtig freuen dürften sich am morgigen Vatertag dann wieder viele über neu angelegte Grillstellen. Wenn mit Bollerwagen, Kind und Kegel durch die Lande gezogen wird und zum Schluss die knackige Grillwurst zur Belohnung winkt, freuen sich nicht nur die Väter. Auch die vielen fleißigen Jungs und Mädchen dürfen stolz sein auf das was sie geleistet haben. Der Muskelkater wird sie noch eine Weile an den Einsatz erinnern. Wenn sie aber die Freude ihrer Mitmenschen bei der Entdeckung Ihrer 72-Stunden-Aktion sehen, wird das der größte Lohn sein. Ich finde so ein Engagement verdient ein dickes Leckerli. Vielleicht findet sich auch unter dem Jahr mal Zeit für eine weitere kleine Aktion … muss ja nicht so publik sein, aber vielleicht einfach etwas, um die Herzen der anderen Zweibeiner fröhlicher zu machen.
Viele tun das übrigens schon, weil es für sie selbstverständlich ist und sie erkannt haben, dass es ein schönes Gefühl ist, andere Menschen glücklich zu machen.

Ihr Struppi.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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