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Angebote für »Blurado« liegen vor

Symbolbild
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Inzwischen liegen drei Betreiberangebote vor/ Der Gemeinderat berät am 3. November

 

Radolfzell. Seit kurzem ist klar: Das circa fünf Hektar große, klimaneutrale Gewerbegebiet Blurado kann ab 2021 in direkter Nachbarschaft des bestehenden Gewerbegebietes Nord entstehen, teilt die Stadtverwaltung Radolfzell mit. »Drei abschließende Angebote von sehr namhaften Energieversorgern liegen vor. Sie wollen das erste Gewerbegebiet in Deutschland mit uns umsetzen, das sich zu einhundert Prozent aus regenerativen Energien versorgt. Wir können stolz darauf sein und freuen uns, dass wir das Leuchtturmprojekt jetzt endlich realisieren«, betont Oberbürgermeister Martin Staab.

Die finalen Betreiberangebote werden nun gemäß den Maßgaben des Ausschreibungsverfahrens und mit Hilfe eines Punktesystems bewertet. Die erstellte Bewertungsmatrix gibt dann Auskunft darüber, welcher Investor und Betreiber den Zuschlag erhält. Am 3. November wird der Gemeinderat über die Angebote beraten und den förmlichen Beschluss für die Vergabe fassen. »Vor knapp sechs Jahren haben wir die Weichen für diesen einzigartigen Business Park gestellt. Im Jahr 2017 wurde dieses Gewerbegebiet als eines der 14 Schlüsselprojekte im Stadtentwicklungsplan 2030 (step), der von Bürgern, Gemeinderat und Verwaltung gemeinsam erarbeiteten wurde, verankert. Nun können wir mit der nachhaltigen Quartiersentwicklung beginnen und vor allem zukunftsträchtige Arbeitsplätze schaffen«, freut sich Wirtschaftsförderer Frank Perchtold über die Entwicklung.

Modernste Energietechnik

Ermöglicht wird der vollständige Verzicht auf fossile Energieträger durch ein kaltes Nahwärmenetz, das heißt eine Agrothermieanlage, sowie einer Stromerzeugung mittels Photovoltaikflächen, die zusätzlich zu der Versorgung der Wärmepumpen auch Teile des Stromverbrauchs in den Unternehmen abdecken.
Bei der Energiegewinnung durch Agrothermie werden etwa zwei Meter unter der Erdoberfläche Erdwärmekollektoren in benachbarten Acker- und Wiesenflächen verlegt. Diese Kollektoren nutzen die Temperaturverhältnisse des Bodens und liefern den Gewerbebetrieben die Wärme im Winter und über sogenannte Temperaturrückführung auch Kälte zur Gebäudeklimatisierung im Sommer. Die Photovoltaikanlage ergänzt die Energiegewinnung im Gewerbegebiet. Mit dieser autonomen Energieversorgung wird das Gewerbegebiet ein innovatives und bundesweit einzigartiges Projekt: ein so genannter Clean Energy Park, teilt die Stadtverwaltung mit.

Das klimaneutrale Gewerbegebiet wurde bereits als Best-Practice-Beispiel im Klimaschutz ausgezeichnet. Zusammen mit der Internationalen Hochschule Bodensee hat die Stadtverwaltung am Forschungsprojekt »Gewerbegebiete 4.0« teilgenommen und die zukunftsweisende Auszeichnung erhalten.
Bei der Platzierung des Gewerbegebietes und der Agrothermieflächen wurde darauf geachtet, dass ein angemessener Abstand zu den umliegenden Biotopflächen gewahrt bleibt, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Die Verlegung der Agrothermiekollektoren stelle einen minimalen Eingriff in das Bodengefüge dar und habe somit geringere Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt als beispielsweise extreme Wetterschwankungen. Mit wiederkehrenden Messungen verschiedener Parameter werden mögliche Veränderungen im Boden überwacht.

Großes Interesse an Grundstücken

Auf den neuen Gewerbeflächen können die Unternehmen auf eine klimaneutrale Versorgung von Wärme und Strom zurückgreifen. Und dies – das hat die Machbarkeitsstudie gezeigt – ist neben den ökologischen auch mit ökonomischen Vorteilen für die Unternehmen verbunden. »Wir wissen, dass sich in einem so umweltbewussten Gewerbegebiet neue Firmen ansiedeln werden. Vor allem Firmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell können den Clean Energy Park als Alleinstellungsmerkmal und für die Marketingstrategie nutzen. Dass das Konzept aufgeht, zeigen die Anfragen der Unternehmen, die sich dort ansiedeln wollen«, ist OB Staab überzeugt. Zahlreiche Unternehmen haben Interesse an den Grundstücken bekundet. Zwei Optionsverträge für Grundstücke wurden durch den Gemeinderat bereits beschlossen. Ein dritter wird derzeit verhandelt.

Wochenblatt @: Dominique Hahn


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