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„Aufwind“-Kindergruppe nun auch in Singen

Aufwind Sucht
Pressegespräch zur „Aufwind“-Kindergruppe mit den Sozialarbeitern Christian Denecke (li) und Jana Klaiber sowie Lars Kiefer, Leiter der Fachstelle Sucht in Singen. swb-Bild: bg

Unterstützung für Kinder aus Suchtfamilien. Hohe Dunkelziffer, viele Tabus

Singen.  Jedes Kind braucht Liebe, Zugehörigkeit und die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Was aber, wenn Eltern suchtabhängig sind? Bei etwa 2,6 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat mindestens ein Elternteil eine Alkoholstörung, in jeder 7. Familie trinken Vater, Mutter oder beide zugleich, in jeder 12. Familie dauerhaft - im Landkreis Konstanz träfe dies rechnerisch auf 4.000 Kinder zu.

Mit schlimmen Folgen, gerade für sie: Stress, Angst- und Entwicklungsstörungen, Depression, Gewalterfahrung, Einsamkeit, tiefe Scham, Loyalitätskonflikte. Ein Teufelskreis, der in allzuviel Fällen in eigenes Suchtverhalten der Kinder einmündet. Immerhin: „Ein Drittel der Kinder schafft es, mit Hilfe von außen“, so Sozialarbeiterin Jana Klaiber vom neu in Singen angesiedelten Projekt „Aufwind“ für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien.

Lars Kiefer, Leiter der  Stabstelle Sucht in Singen, hob im Auftakt-Pressegespräch am Montag anläßlich einer internationalen Aktionswoche hervor, wie wichtig dieses „hochsensible, immer noch mit Scham und Tabus besetzte Thema“ für die Betroffenen, aber auch unsere Gesellschaft ist: “2,6 Millionen Kinder sind keine Randgruppe“. Seit 2017 hätte der Bundestag konkrete Schritte zur Finanzierung dieser präventiven Unterstützung einleiten sollen, bislang ohne Ergebnis, weshalb auch CDU-MdB Andreas Jung noch einmal Post bekommen soll, so Kiefer.

Längst gibt es eine intensive, aber noch ausbaufähige Kooperation mit Rathäusern, Jugendämtern, Fachdiensten und Bildungsträgern/Schulsozialarbeit in der Region außerhalb von Konstanz - darunter eine vorbildliche Zusammenarbeit mit Singens HGS-Schulleiter Stefan Fehrenbach bei einem „Foto-Shooting“ sowie mit „Demokratie leben“ - um zu sensibilisieren und betroffene Kinder begleitend zu stärken. „Hingucken ist wichtig“, so Klaiber, „manche Kinder wollen unauffällig bleiben“, meiden Konflikte und zeigen sich deshalb sehr „angepaßt“.

Große Erfahrung - auch mit Eltern, die ihrem Kind erlauben, „darüber zu reden, was Dich belastet“ - bringt Sozialarbeiter Christian Denecke ein, der langjährig und engagiert die vor 18 Jahren etablierte „Aufwind“-Kindergruppe in Radolfzell betreut: „Wir sind in einer Vater/Mutter-Rolle“, Ängste und Sorgen kommen so zur Sprache. „Sie erfahren große Solidarität, Trost und Mitgefühl gerade auch von anderen Kindern“, so Denecke, „übernehmen Patenschaften untereinander, stärken sich, gerade in wichtigen Freizeiten“.

Von derzeit 12 „Aufwind“-Kindern „sind 7 bereits Halbwaisen“, ergänzt Kiefer, „weil ein Elternteil bereits an Sucht verstorben ist. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs“. Er freue sich über die nun zweite Anlaufstelle und wünscht sich Spenden für ein Fahrzeug, um auch Fahrdienste für Kinder der Region anbieten zu können.

Aufwind erhält zahlreiche Spenden, beispielsweise wird am 12. Februar die SPD Radolfzell den Erlös aus weihnachtlichen Waffel- und Punsch-Verkäufen überreichen. „Aufwind“ wird auch von „Herzenssache e.V.“ unterstützt - der Kinderhilfsaktion von SWR, SR uns Sparda-Bank, zudem vom Landkreis mit 5.000 Euro.

Das „Aufwind“- Angebot der Fachstelle Sucht für 8-14Jährige besteht jeweils Donnerstags 14tägig von 16-18 Uhr im DAS1, Julius-Bührer-Strasse 4, Kontakt ist über 07731-912400 oder jana.Klaiber(at)bv-lv.de möglich.

Wochenblatt @: Stefan Mohr