- Anzeige -

Bilder als Spiegelbild der kindlichen Seele

Malende Flüchtlingskinder
Armani und Nawara aus Syrien malen leidenschaftlich gern. Ihre Bilder werden ab Sonntag, 5. Februar, in der Friedenskirche in Gailingen zu sehen sein.swb-Bild: rab

Ausstellung malender Flüchtlingskinder in der Gailinger Friedenskirche

Gailingen. Es sind die mit einfachen Pinselstrichen auf Papier gemalten Häuser, die mehr aussagen als tausend Worte. Früher schwebten die gezeichneten Gebäude scheinbar schwerelos im Himmel, ohne festen Halt und ohne Ziel. Nun stehen die meisten von ihnen fest auf der Erde. Die Kinder, die diese Zeichnungen angefertigt haben, mussten aus ihrer Heimat flüchten. Zwischen den schwebenden und den »geerdeten« Häusern liegt ein Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr – ein Jahr, in dem die »entwurzelten« jungen Künstler in Deutschland eine Zuflucht und vielleicht sogar eine neue Heimat gefunden haben. Wie sehr die aufs Blatt gebrachte Kunst den Gemütszustand ihrer Schützlinge widerspiegelt, berühre sie sehr, erzählt Annette Boenke. Seit November 2015 gibt die Heilpädagogin jede Woche ehrenamtlich Flüchtlingskindern die Möglichkeit, nach Herzenslust mit Pinsel und Farbe zu experimentieren – und rief damit ein in der Region buchstäblich einzigartiges Angebot ins Leben.

 

 

Unterstützt wird sie dabei von engagierten Mitarbeiterinnen des Helferkreises Gailingen, zum Beispiel Agnes Schreiber. »Es war mir ein Bedürfnis, den Kindern eine Ausdrucksmöglichkeit zu geben«, fasst Annette Boenke ihre Motivation in Worte. Im ersten Stock des Liebenfelsischen Schlösschens – den Raum stellt die Katholische Frauengemeinschaft zur Verfügung – kommen die jungen Maler dabei wie »an einen gedeckten Tisch«, wie die Heilpädagogin erklärt: Farben, Pinsel und Papier liegen bereit, so dass die Kids gleich loslegen können. Oft hätten sich auch die Eltern am Malen beteiligt. Sehr wichtig sei es ihr bei all dem, dass die rund 25 jungen Künstler mit fließenden Farben und dicken Pinseln ihrer Kreativität ohne jegliche Vorgaben freien Lauf lassen können. »Da ist dann viel mehr das Herz beteiligt«, verdeutlicht sie – und das führe dazu, dass die Gemälde zum Spiegelbild der Seele werden.

 

 

In ihren Bildern hätten sich die überwiegend aus Syrien stammenden Maler beispielsweise sehr oft mit den Themen Nationalität und Identität auseinandergesetzt. Sehr erstaunt habe sie, dass die Kinder anfangs sehr viele Bilder mit deutschen Flaggen gemalt hätten – »bis mir klar wurde, dass sie einfach eine Riesenfreude darüber haben, hier gelandet zu sein«. Doch auch schlimme Erlebnisse hielten die Kinder auf Papier fest – zum Beispiel Hubschrauberangriffe oder brennende Häuser. Sehr berührt habe es sie auch, als Kinder die Schiffe malten, in denen sie über das Meer flüchteten – und auf dem Gemälde zudem noch Menschen zu sehen waren, die um die Boote herum im Wasser trieben. Und gerade deshalb freue sie sich umso mehr, dass nun immer mehr »geerdete« Häuser und Bäume auf den Bildern zu sehen seien: »Es zeigt, dass die Kinder hier heimisch werden.« Ausstellung40 der insgesamt 300 Kinder-Kunstwerke werden ab Sonntag, 5. Februar, 15 Uhr, bis 5. März in der evangelischen Friedenskirche in Gailingen ausgestellt. Jeden Mittwoch findet bis zum 5. März zudem von 14.30 Uhr bis 17 Uhr ein offenes Malen statt. Wer Boenkes Projekt unterstützen möchte, kann sich an den Helferkreis Gailingen wenden. Infos unter www.helferkreis-gailingen.de.

Wochenblatt @: Nicole Rabanser