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Bittersüßer Start ins Heimattage-Jahr

Heimattage Radolfzell
Die Heimattage-Fahne hat pünktlich zum digitalen Neujahrsempfang ihren Weg ins Milchwerk gefunden. swb-Bild: Staatsministerium/ grasshopper kreativ

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und OB Martin Staab äußern sich zur aktuellen Lage und zum Festjahr

Radolfzell. »Heimattage coming home«, war der Arbeitstitel unter dem die Stadt Radolfzell als Gastgeberin der Heimattage 2021 das Programm für das Festjahr ausgearbeitet hat. Denn seit die Heimattage 1978 in Konstanz Premiere feierten, und von da an jedes Jahr in einer anderen Stadt Station machten, finden sie nun erstmals wieder am Bodensee statt.

Manch einem mag zum Start der Heimattage indes nicht zum Feiern zumute sein. Laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschlands stehen knapp 60 Prozent der Unternehmen in den Innenstädten ohne weitere staatliche Hilfen vor dem Aus. Das wäre nicht nur ein harter Schlag für die Existenzen, die davon abhängen sondern auch für die Heimat selbst, die ein Stück ärmer wird, wenn der stationäre Handel in den Innenstädten sterben würde.

Auf die Frage des Wochenblatts, ob er befürchtet, die Heimattage 2021 in einer leeren Innenstadt feiern zu müssen, antwortet Ministerpräsident Winfried Kretschmann: »Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Menschen verzweifelt sind, weil sie etwa ihren Beruf nicht ausüben können und um ihr Geschäft bangen. Jedoch zeigen die weltweiten Erfahrungen mit der Pandemie, dass niedrige Infektionszahlen auch dem Einzelhandel helfen, da sie noch größere Folgeschäden verhindern. Den betroffenen Geschäften, die jetzt geschlossen bleiben müssen, greifen Bund und Land nach Kräften unter die Arme. Wichtig ist dabei: die Hilfen müssen schnell und zielgenau bei den Unternehmen ankommen. Darauf haben wir ein wachsames Auge und vertreten das auch gegenüber dem Bund«.

Oberbürgermeister Martin Staab schöpft Zuversicht aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. »Erfreulicherweise musste vergangenes Jahr kein einziger Handelsbetrieb coronabedingt schließen. Die starke Radolfzeller Gemeinschaft sowie die Kraft des Radolfzeller Einzelhandels zeigen sich auch derzeit wieder und stimmen mich zuversichtlich, dass wir auch das Heimattagejahr mit allen Beteiligten in der Innenstadt begehen können. Wenn wir uns als Stadtgesellschaft konsequent an die Regeln halten, werden die Fallzahlen zwangsläufig zurückgehen. Und sinkende beziehungsweise niedrige Fallzahlen bewahren den Einzelhandel vor längeren Schließungszeiträumen.
Jeder von uns kann einen ganz einfachen Beitrag für den Erhalt des lokalen Einzelhandels leisten«, so Staab. Hoffnung macht ihm dabei auch der Tourismus, besonders in Verbindung mit den Heimattagen. »Der Einzelhandel hat nach den Erfahrungen in 2020 bestätigt, dass die Einkaufskraft in Radolfzell unmittelbar und nachhaltig mit dem Tourismus in Verbindung steht. Diesen Effekt erhoffen wir uns durch die Heimattage und durch den vermutlich anhaltenden Trend zum Urlaub im eigenen Land auch in diesem Jahr«, betont er.

Weitere Hilfe dringend benötigt

Doch was kann derzeit getan werden um die betroffenen Unternehmen zu unterstützen? »Wir gehen davon aus, dass die Möglichkeit, Click & Collect anzubieten, den Händlern etwas helfen kann. Meine Partei hat außerdem ein Programm »Neustart für die Innenstädte« angekündigt, das den stationären Einzelhandel, die Gastronomie und die Kulturbranche bei der Wiedereröffnung nach dem Ende der derzeit geltenden Maßnahmen unterstützen wird«, erklärt Winfried Kretschmann gegenüber dem Wochenblatt. OB Staab wünscht sich mit Blick auf die Bundesebene, »dass die Antragstellung, Bearbeitung und der Auszahlungsprozess der Überbrückungshilfen nochmals deutlich optimiert und beschleunigt wird. Dass dies durchaus funktioniert, haben wir ja bereits im ersten Lockdown gesehen, als sich die IHK und die Wirtschaftsverbände um dieses Thema gekümmert haben«. »Existenzängste können wir als Verwaltung der Menschen natürlich nicht nehmen. Wir haben zusammen mit dem Land die Entscheidung getroffen, dass die Heimattage 2021 stattfinden werden: zum einen können wir auf jeden Fall den Standort Radolfzell am Bodensee über die Heimattage nachhaltig in die Köpfe aller im Land bringen. Und zum anderen, weil in Kontakt bleiben wichtiger denn je ist. Ob als Unterstützung für den Einzelhandel und die Gastronomie, zum Austausch kreativer Ideen oder als positiver Impuls in den Zeiten, die durch Einschränkungen und Isolation geprägt sind«. Für den Ministerpräsidenten sollen die Heimattage auch in wirtschaftlicher Sicht dazu beitragen »Unsere Heimat bewusster wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen, was Heimat für uns bedeutet – auch und gerade in Zeiten der Pandemie«.

Weitere Informationen zu den Heimattagen in Radolfzell und zum geplanten Programm gibt es hier: https://www.heimattage-radolfzell.de/

Wochenblatt @: Dominique Hahn


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