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Büsinger würdigen ihre »gute Stube«

alte Rheinmühle
Die Zeittafel an der alten Kornmühle, heute Rheinmühle, wurde feierlich eingeweiht. Ehrenbürgerin Carina Schweizer (re.) und Bürgermeister Markus Möll (li.) enthüllten die Metallplatte. Hotel-Restaurant Pächter Markus Hempel (ganz links) und der ehemalige Bürgermeister Gunnar Lang (ganz rechts) wohnten der Zeremonie bei. swb-Bild: eck

Zeittafel an der »alten Rheinmühle« enthüllt

Büsingen. So speziell und einzigartig wie der Ort Büsingen selbst, so eindrucksvoll unterstreichen verschiedene historische Gebäude, den Charakter der einzigen Exklave Deutschlands. Die ehemalige Kornmühle, heute Restaurant und Hotel Rheinmühle, ist das vermutlich herausragendste. Feierlich wurde eine Zeittafel über die spannende und abwechslungsreiche Geschichte am Eingangsbereich des Gebäudes enthüllt. Gemeinsam zogen Ehrenbürgerin Carina Schweizer und Bürgermeister Markus Möll das Tuch von der Metallplatte. Die geschichtlichen Daten zur Kornmühle hat der mittlerweile verstorbene Hobby-Historiker Detlef Girres zusammengetragen.

Erbaut 1674, direkt am Rhein, wurde das Wasser zum Mühlwerk im Hausinnern, der heutigen Gaststube, geleitet. Das Mauerloch vom Mühlrad sei noch erhalten, sagt der ehemalige Büsinger Bürgermeister Gunnar Lang. Vor mehr als 300 Jahren erhielt die damalige Kornmühle eine Gaststätten-Konzession und gehört zu den wenigen Gastronomie-Einrichtungen Deutschlands mit so lange andauernder und fortwährender Tradition. Entschleunigung pur: wenn das Rheinwasser gegen die Außenwand der Gaststube klatscht und der Blick zum Scharenwald schweift.

Gut essen und trinken, mache die Leute zufrieden, meint der ex-Bürgermeister. Die zahlreichen Büsinger Gaststätten seien in der Postkutschenzeit entstanden. Auf der Route durch den Ort habe »sellemols« reger Reiseverkehr geherrscht. Die Passagiere mussten speisen und übernachten. In dieser Tradition stünde auch die ehemalige Kornmühle, in der von 1815 bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch eine Bierbrauerei betrieben wurde. Die bewegte Geschichte der heutigen Rheinmühle erreichte einen Tiefpunkt, als das Gebäude anfangs der 2000-er Jahre in die Konkursmasse des damaligen Eigentümers geriet.

Die Gemeinde erwarb 2003 das denkmalgeschützte Kleinod, um es vor einem unangemessenen Verwendungszweck zu schützen und weiterhin für die Öffentlichkeit zu bewahren, sagt der seinerzeit zuständige ex-Bürgermeister. Ein Jahr dauerte die Renovation. Unerwartete Schwierigkeiten bereitete das Dachgeschoss, dessen Boden am Dachgiebel aufgehängt ist. Die Statik des Giebels reichte nicht aus, um das Gewicht der Einrichtungen der neu ausgebauten Hotelzimmer zu tragen. Zusätzliche Stahlträger lösten das Problem. Kauf und Renovation sei ein Kraftakt gewesen für die Gemeinde, sagt Lang.

Trotz unvorhergesehener Mehraufwände musste der fix-vereinbarte Fertigstellungstermin eingehalten werden. In der Nacht vor der Restaurant-Eröffnung seien die Stühle geliefert worden, erinnert sich Lang. »Die ganze Nacht haben wir mit vereinten Kräften die Stühle gestellt«. Als Pächter übernahm Andreas Fischer das Traditionshaus. Seit 2017 führt Markus Hempel die »Gute Stube Büsingens«.

Qualität, Service und Ambiente stimme, meint Bürgermeister Moll. Derzeit schmücken 14 Gault-Millau-Punkte die Haut-Cuisine die Rheinmühle. Als einzigem deutschen Restaurant wurde dem Lokal zudem die Schweizer Auszeichnung ’Goldener Fisch’ für dessen Fischküche verliehen.

Wochenblatt Redakteur @: Dominique Hahn